Traumschüff feiert zehnjähriges Jubiläum mit Impro-Workshops und Stück über Kneipensterben am Packhof
Das schwimmende Theater „Traumschüff" feiert sein zehnjähriges Jubiläum mit Impro-Workshops und einem Stück über das Kneipensterben am Packhof
Ein schwimmendes Jubiläum am Packhof
Mit seiner Haveltour ist das schwimmende Theater „Traumschüff“ in diesem Jahr bereits zum 10. Mal unterwegs in der Brandenburger Region. Am Samstag machte die Crew Stopp am Packhof, direkt neben dem Historischen Hafen in Brandenburg an der Havel. Die Veranstaltung war ein fester Bestandteil des offiziellen „Havelsommers 2026“, der von der Stadt Brandenburg unterstützt wird. Knapp 200 Besucher feierten mit den Theatermachern dieses Jubiläum, wobei sich nicht nur gezielt angereiste Gäste, sondern auch viele spontane Spaziergänger auf dem Packhof unter das Publikum mischten.
Theater für Laien und Profis
Der Abend begann bereits am Vormittag mit einem besonderen Angebot, das in diesem Jahr erstmals Teil der Tour ist: Improvisations-Theaterworkshops für Laien im Alter von 8 bis 99 Jahren. Die Theaterpädagogin und Autorin Marianne Zückler zauberte gemeinsam mit ihren „Schauspiel-Schülern“ Geschichten aus dem Hut. Zückler, geboren 1960 in Berlin, ist eine erfahrene Künstlerin, die unter anderem von 2015 bis 2016 Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude war. Ihre Arbeit als freie Autorin und Pädagogin fließt nun direkt in die lebendige Atmosphäre der Haveltour ein, die sich von einem kleinen Projekt zu einem festen kulturellen Anker entwickelt hat.
Am Abend stand dann die Aufführung des Theaterstücks „Schwankwirtschaft“ von Ann Esswein im Mittelpunkt. Das Stück, das bereits im vergangenen Jahr seine Premiere feierte, spielt in Sichtweite der legendären „Undine“ am Anleger. Die drei Protagonisten des Abends, Johanna Paliege, David Nádvornik und Jonas Petry, brachten das Publikum auf die schwimmende Bühne zum Lachen und Nachdenken. Besonders David Nádvornik brillierte mit seinem Spiel, bei dem er zeitweise gleich in drei Rollen schlüpfte.
Ein Stück über das Kneipensterben
Das Theaterstück greift ein gesellschaftlich brisantes Thema auf: das allgemeine Sterben der kleinen Kneipen, vor allem auf dem Land in den Dörfern. Die Geschichte folgt Theo, der alles für seinen Gasthof „Zur durstigen Einigkeit“ gibt. Doch weder Kneipenquiz noch Lavendelbier können ihn aus den Schulden retten. Theo stürzt ab, begibt sich in eine Klinik, und die Traditionskneipe schließt für immer.
Doch da ist noch seine Küchenchefin Rita. Trotz ausstehender Lohnzahlungen gibt sie den Laden nicht auf. Mit Ideenreichtum und weiblicher Finesse setzt sie alles daran, die Kneipe zu retten – auch vor windigen Investoren und all den anderen „Haien“, die nach Land und Besitz gieren. Rita nimmt sogar in Kauf, mit Fake-News die Kneipe wieder interessant zu machen, um die Dorfbewohner dazu zu bewegen, sich für den Erhalt der einzigen verbliebenen Kneipe im Ort starkzumachen.
Mehr als nur ein Theaterstück
Das Stück erzählt mit Witz, Charme und Augenzwinkern, aber auch mit viel Ernsthaftigkeit davon, wie leicht das Miteinander brüchig wird, wenn Begegnungen und Treffpunkte seltener werden. Es ist ein Schauspiel-Liederabend, der Spaß macht, ans Herz geht und dazu einlädt, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Mit Humor, Musik und einer Prise Alltagswahnsinn wird die Bedeutung von Orten der Begegnung unterstrichen.
Wer das Stück am Packhofanleger verpasst hat, hat noch eine weitere Gelegenheit, es zu erleben. Die nächste Aufführung findet am 26. Juli um 19 Uhr an der Ablage in Pritzerbe statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen der Tour ist frei, Spenden sind jedoch willkommen. Interessierte können Sitzplatzreservierungen direkt über die Website des „Traumschüff“ vornehmen. Die Tour 2026 führt neben Plaue und Brandenburg an der Havel auch nach Pritzerbe und bietet damit ein breites Spektrum an kulturellen Erlebnissen auf dem Wasser.