Schlagersängerin Kerstin Ott will mit Berliner Rapperin Ikkimel zusammenarbeiten

Schlagersängerin Kerstin Ott zeigt sich beeindruckt von der Berliner Rapperin Ikkimel und signalisiert sofortige Bereitschaft zu einer musikalischen Zusammenarbeit

Schlagersängerin Kerstin Ott will mit Berliner Rapperin Ikkimel zusammenarbeiten
Symbolfoto · Foto: Elizeu Dias / Unsplash

Schlagersängerin Kerstin Ott würde „sofort“ mit der Berliner Rapperin Ikkimel zusammenarbeiten. Die 44-Jährige zeigte sich im Gespräch mit dem Tagesspiegel beeindruckt von der Gen-Z-Ikone und bestätigte, dass die beiden bereits über Instagram in Kontakt getreten seien. „Ich finde Ikkimel toll“, sagte Ott, die besonders den Einsatz der Rapperin für junge Menschen und deren Werte schätze.

Obwohl sich die musikalischen Welten von Ott und Ikkimel auf den ersten Blick kaum ähneln, erkennt die Schlagerstarin eine gemeinsame Linie in der Haltung. „Natürlich gefallen mir auch nicht alle ihre Texte, aber ich verstehe, worum es ihr geht und was sie damit anstoßen möchte“, erklärte Ott. Dass Ikkimel mitunter provoziere und manchmal übers Ziel hinausschieße, sei gewollt und Teil ihrer künstlerischen Strategie.

Ein generationenübergreifender Dialog

Besonders lobte Ott die Art und Weise, wie junge Künstlerinnen heute gesellschaftliche Themen adressieren. „Die jungen Leute verschaffen sich heute Gehör, und das finde ich gut. Sie machen das oft viel klüger, als wir das früher getan haben. Da werden keine Waffen gezückt, sondern Texte geschrieben“, so die Sängerin. Dieser Ansatz passt zu Ikkimels Hintergrund: Die 1997 geborene Melina Gaby Strauß, bürgerlich bekannt als Ikkimel, fand nach dem Tod ihres Vaters an Blutkrebs zur Musik. Zuvor hatte sie Neurowissenschaft studiert. Ihr Stil, der oft als „Fotzenstyle“ bezeichnet wird, verbindet Hyperpop, Jersey Club und Trance-Elemente mit explizit sexualisierten, feministischen Botschaften.

Ihr Debütalbum „Fotze“ aus dem Jahr 2025 wurde kritisch gefeiert und festigte ihren Status als wichtige feministische Stimme. Ihre politische Wirkung zeigte sich bereits 2024, als ihr Song „Bezahlen“ in einem Wahlwerbespot der Partei DIE PARTEI verwendet wurde – ein Spot, der zunächst vom Hessischen Rundfunk verboten wurde.

Otts neue Definition von Feminismus

Die Sympathie für Ikkimel steht im Einklang mit Otts eigener, neuerlicher Selbstverortung. Die Schlagerstarin bezeichnet sich erst seit kurzem klar als Feministin. Zuvor hatte sie geglaubt, dieser Begriff schließe die Freundschaft zu Männern aus. „Meine jugendliche Tochter hat mir dann erklärt, dass das damit gar nichts zu tun hat und Feminismus Gleichberechtigung für alle Geschlechter bedeutet“, erzählte Ott. Seitdem steht für sie fest: „Ja, ich bin Feministin.“

Dieser generationaler Dialog über Gleichberechtigung spiegelt sich auch in Otts privatem Leben wider. Sie ist seit 15 Jahren mit ihrer Frau Karolina zusammen und lebt mit ihr sowie deren zwei Töchtern, die Ott als ihre eigenen Kinder betrachtet, in Heide in Schleswig-Holstein. Seit 2023 hat die Sängerin zudem einen radikalen Lebensstilwandel vollzogen: Sie lebt rauchfrei, vegan und trinkt keinen Alkohol mehr. Diese Werte könnten einen weiteren gemeinsamen Nenner mit Ikkimels gesundheitsbewusster, junger Zielgruppe bilden.

Während Otts weltweiter Durchbruch durch den Song „Die immer lacht“ kam, steht Ikkimel für eine neue, lautstarke Ära des Pop. Dass sich nun zwei so unterschiedliche Generationen und Stilrichtungen für eine Kollaboration interessieren, zeigt, dass die Botschaften der Gleichberechtigung und des Selbstausdrucks die Musikgenres überwinden können.