THB-Studie: Brandenburgische KMU wollen nachhaltig handeln, fehlen aber Zeit und Personal
Brandenburgische KMU sehen Nachhaltigkeit als wichtig, scheitern an der Umsetzung jedoch oft an fehlender Zeit und Personal. Eine Studie der THB beleuchtet diese Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Ressourcen
Nachhaltigkeit steht bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Brandenburg hoch im Kurs, doch in der Praxis scheitert die Umsetzung oft an fehlender Zeit und Personal. Eine neue Bedarfsanalyse der Technischen Hochschule Brandenburg (THB) belegt diesen Widerspruch eindrucksvoll. Die Studie, die im Rahmen des europäischen Projekts CSRDatSME erstellt wurde, zeigt: Zwar halten 73,7 Prozent der befragten Unternehmen Nachhaltigkeit für wichtig oder sehr wichtig, gleichzeitig geben 61,2 Prozent an, keine spezifischen Ressourcen für dieses Thema zu besitzen.
Die Datenbasis der Analyse bildet eine Online-Befragung von 134 KMU mit Sitz in Brandenburg, ergänzt durch Gespräche mit regionalen Unterstützungsakteuren. Da die Teilnahme freiwillig erfolgte, sind die Ergebnisse nicht repräsentativ für alle Unternehmen des Landes. Dennoch offenbaren sie ein klares Muster: Formale Nachhaltigkeitsberichte sind unter den Befragten bislang die Ausnahme. Dennoch wurden bereits 28,7 Prozent der Unternehmen aufgefordert, Nachhaltigkeitsdaten weiterzugeben. Diese Anfragen kommen vorwiegend von Großkunden oder Auftraggebern und betreffen konkrete Kennzahlen wie CO₂-Emissionen, Energieverbrauch oder Informationen zu Lieferketten.
Projekt CSRDatSME und seine Ziele
Das Projekt CSRDatSME (Increased competitiveness of SMEs through valid sustainability reporting) wird von der THB im Zentrum für Gründung und Transfer (ZGT) umgesetzt. Es ist Teil der Transferaktivitäten der Hochschule, die wissenschaftliche Erkenntnisse und europäische Projektergebnisse für die brandenburgische Wirtschaft nutzbar machen sollen. Im Fokus steht die praxisnahe Unterstützung von KMU beim Aufbau von Wissen, Datenkompetenz und handhabbaren Prozessen rund um Nachhaltigkeitsdaten.
Das Vorhaben läuft vom 1. Mai 2025 bis zum 31. Juli 2029 und verfügt über ein Gesamtbudget von rund 1,48 Millionen Euro. Gefördert wird es durch das EU-Programm Interreg Europe. Die THB ist dabei Teil eines internationalen Konsortiums aus sechs Partnern, darunter Einrichtungen aus Belgien, Albanien, Tschechien, Slowenien und Griechenland. Koordiniert wird das Projekt von der PXL University of Applied Sciences and Arts in Belgien. Ziel ist es, regionale Unterstützungsstrukturen und politische Instrumente zu verbessern, um KMU bei der Umsetzung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zu helfen.
Daten als Wettbewerbsvorteil
„Für viele KMU beginnt freiwillige Berichtsfähigkeit mit verlässlichen Daten, klaren Zuständigkeiten und wiederholbaren Prozessen“, sagt Susann Wagner, akademische Mitarbeiterin im ZGT und Projektleiterin für CSRDatSME. Die Analyse verdeutlicht, dass ein effektives Nachhaltigkeitsdatenmanagement weit mehr als nur eine bürokratische Hürde darstellt. Es kann Unternehmen helfen, Anforderungen von Kunden, Banken oder Lieferkettenpartnern effizienter zu beantworten und interne Entscheidungen besser vorzubereiten.
„Wer Nachhaltigkeitsdaten strukturiert erfassen und nutzen kann, wird auskunftsfähiger, robuster gegenüber externen Anforderungen und ist besser vorbereitet auf Transformation“, so Wagner. Damit verbindet das Projekt ökologische Ziele direkt mit wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz. In diesem Kontext wurden im Februar 2026 bereits Praxisbeispiele zur Nachhaltigkeitsberichterstattung aus Slowenien nach Brandenburg geholt, um Impulse für die lokale Wirtschaft zu setzen.
Die vollständige Bedarfsanalyse steht Interessierten zum Download zur Verfügung. Sie liefert einen wichtigen ersten Schritt, um die Lücke zwischen dem hohen Bewusstsein für Nachhaltigkeit und den tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten in den brandenburgischen KMU zu schließen.