Potsdamer Startup All About Accuracy sichert siebenstellige Finanzierung für präzise Robotersensoren

Das Potsdamer Startup All About Accuracy hat eine siebenstellige Finanzierungsrunde abgeschlossen, um funkbasierte Sensoren für die Robotik marktreif zu machen

Symbolfoto · Foto: Simon Kadula / Unsplash

Ein Potsdamer Deep-Tech-Unternehmen hat eine siebenstellige Pre-Seed-Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen, um seine neuartige Bewegungssensorik für die Robotik und künstliche Intelligenz marktreif zu machen. Die All About Accuracy GmbH, ein Spin-off des Leibniz-Instituts für innovative Mikroelektronik (IHP), will mit dem frischen Kapital die Entwicklung ihrer funkbasierten Sensoren beschleunigen und erste Pilotprojekte mit Industriepartnern ausbauen.

Die Investitionsrunde wurde von Campus Capital by STS Ventures, Brandenburg Kapital und ZOHO.VC angeführt. Zusätzlich beteiligten sich erfahrene Angel-Investoren mit spezifischer Expertise im Bereich der Ultra-Wideband-Technologie (UWB) über Gigahertz Venture und Superangels. Das Ziel des Startups ist es, eine Lücke im aktuellen Markt zu schließen: Während optische Systeme oft an unzureichender Genauigkeit oder Störanfälligkeit scheitern, sind hochpräzise Forschungslösungen meist zu teuer und zu komplex für den industriellen Alltag.

Präzision auch unter widrigen Bedingungen

Die Technologie von All About Accuracy basiert auf Impulse Radio Ultra-Wideband (IR-UWB) und ist nicht auf Kameras angewiesen. Das ermöglicht den Einsatz in Umgebungen, in denen visuelle Systeme versagen – etwa bei Dunkelheit, starkem Staub, Reflexionen oder wenn Sichtlinien durch Maschinenstrukturen verdeckt werden. Der entwickelte AAA-1001-Sensor erreicht eine Messgenauigkeit von bis zu 5 Millimetern. Zum Vergleich: Herkömmliche IR-UWB-Lösungen liegen oft nur im Bereich von 10 bis 60 Zentimetern.

Besonders relevant ist diese Präzision für die nächste Generation von Robotern, insbesondere für humanoide Modelle. Diese müssen ihre eigene Position sowie Interaktionen mit Menschen, Objekten und Maschinen jederzeit zuverlässig erfassen. Die Sensorik liefert dafür die notwendigen hochpräzisen Referenzdaten, sogenannte „Ground-Truth-Daten“, und ergänzt damit die oft unzuverlässigen visuellen Wahrnehmungssysteme.

„Unsere Mission ist es, Maschinen Zugang zu einer präzisen physischen Realität zu geben“, sagt Yori Fournier, Co-Founder und CEO des Unternehmens. „Damit Physical AI skalieren kann, brauchen Roboter mehr als Wahrnehmung. Sie brauchen kontinuierliche, zuverlässige und hochpräzise Daten. Genau daran arbeiten wir.“

Von der Raumfahrt in die Serienproduktion

Das Unternehmen baut auf mehr als 15 Jahren Halbleiterforschung am IHP auf. CEO Dr. Yori Fournier bringt als Astrophysiker und Maschinenbauingenieur zudem umfangreiche Erfahrung aus der Raumfahrt mit, wo er unter anderem an der Entwicklung der Ariane-5-Rakete beteiligt war. Die Gründung des Startups ging auf eine zufällige Erkenntnis während der Entwicklung einer Augmented-Reality-Software zurück.

Mit den neuen Mitteln plant All About Accuracy, ab 2026 eine eigene Produktionsstätte in Brandenburg aufzubauen und rund 20 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Ein wichtiger Meilenstein ist bereits für Juni 2025 geplant: Dann sollen erste Development Kits an fünf ausgewählte Pilotkunden ausgeliefert werden, um Feedback für die Serienproduktion zu sammeln.

Beitrag zur europäischen Souveränität

Die Gründung des Unternehmens ist auch im Kontext der europäischen Technologiepolitik zu sehen. Aktuell stammen nur etwa 10 % aller weltweit produzierten Mikrochips aus Europa. All About Accuracy versteht sich als Teil der Strategie zur Stärkung der technologischen Souveränität der EU. Durch die Entwicklung und künftige Fertigung der Sensoren in Deutschland soll dieser Anteil erhöht werden.

Das Startup ist im Potsdam Science Park (GO:IN) angesiedelt und nutzt dort die Infrastruktur sowie die Netzwerke der Region. Die Unterstützung durch öffentliche und private Investoren wie die Brandenburg Kapital, die als Tochter der Investitionsbank des Landes Brandenburg agiert, unterstreicht die Bedeutung des Projekts für den Wirtschaftsstandort. Der Fonds der Brandenburg Kapital, der aus Mitteln des Landes, der EU und der KfW gespeist wird, hat in den letzten 32 Jahren bereits rund 300 brandenburgische Unternehmen unterstützt.

Die neue Sensorik soll nicht nur in der Robotik, sondern auch in der industriellen Automatisierung, bei der Kalibrierung von Maschinen und zur Generierung realer Daten für KI-Modelle zum Einsatz kommen. Durch die Integration in kompakte elektronische Module lässt sich die Technologie zudem auf Wearables, Werkzeuge und mobile Maschinen skalieren.