EWP startet in Drewitz Tiefbohrungen für zweite Geothermie-Anlage zur Fernwärmeversorgung
Die Energie und Wasser Potsdam hat am Heizkraftwerk Süd in Drewitz mit den Tiefbohrungen für eine zweite Geothermie-Anlage zur Fernwärmeversorgung begonnen
Die Energie und Wasser Potsdam (EWP) hat am Heizkraftwerk Süd in Drewitz offiziell den Startschuss für die zweiten Tiefbohrungen zur Nutzung von Erdwärme gegeben. Seit Ende Juni wurde das Gelände vorbereitet, und nun läuft der eigentliche Bohrbetrieb im 24-Stunden-Betrieb an sieben Tagen in der Woche. Die Arbeiten sind zunächst bis Ende 2026 geplant, wobei die Inbetriebnahme der neuen Anlage bereits für 2027 vorgesehen ist. Ziel ist es, die gewonnene Wärme direkt in das Fernwärmenetz der Landeshauptstadt einzuspeisen und so fossile Energieträger zu ersetzen.
Geologische Herausforderung und neue Horizonte
Im Fokus der aktuellen Arbeiten steht die Erschließung von Erdwärme in bis zu 2.000 Metern Tiefe. Im Gegensatz zum ersten Projekt an der Heinrich-Mann-Allee, das bereits seit der Heizperiode 2025/2026 ein Quartier mit rund 6.900 Haushalten versorgt, sollen am Standort Süd nun zusätzliche geologische Schichten genutzt werden. Neben dem bereits bekannten Aalen-Sandstein wird nun auch der darunterliegende Domer-Sandstein angezapft.
„Unser Wissen und unsere Erfahrung aus unserem ersten Projekt an der Heinrich-Mann-Allee ist die Grundlage für unsere Tiefengeothermie am Standort Süd“, erklärte Carsten Schulte, technischer Geschäftsführer der EWP. „Hier wollen wir neben dem Aalen-Sandstein auch den darunterliegenden Domer-Sandstein nutzen. Das ist geologisch anspruchsvoll, bietet aber den Vorteil, dass Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Wärmegewinnung verbessert werden.“ Die erste Bohrung dient zunächst dazu, die genauen geologischen Schichten zu erfassen und das vorhandene Potenzial zu bewerten. Belastbare Aussagen zur finalen Wärmeleistung und Fördertemperatur werden erst nach Auswertung der Daten erwartet, die voraussichtlich noch vor Ende des Jahres vorliegen sollen. Schulte rechnet jedoch mit einer thermischen Leistung von deutlich mehr als 12 Megawatt.
Wissenschaftliche Begleitung und europäische Förderung
Das Projekt wird nicht allein von der EWP getragen, sondern profitiert von einer engen Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern. Das Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ) begleitet das Vorhaben wissenschaftlich, wobei die Zusammenarbeit bereits seit 2020 besteht. Das GFZ nutzt das Projekt als Reallabor, um die Erschließung mehrerer hydrothermaler Horizonte im Potsdamer Untergrund weiter zu erforschen. Auch die Unternehmen UGS GmbH und Envi Con Engineering GmbH sind maßgeblich an der Realisierung beteiligt.
Die Bedeutung des Vorhabens für die kommunale Wärmewende wird auch durch die Finanzierung unterstrichen. Die EWP konnte zusätzliche Kreditzusagen der Europäischen Investitionsbank (EIB) erhalten, was als starkes Signal für die fachliche und wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts gewertet wird. „Dass wir dafür zusätzliche Kreditzusagen der Europäischen Investitionsbank erhalten haben, ist ein starkes Signal. Es bestätigt, dass wir mit unserem Weg fachlich und wirtschaftlich überzeugen“, so Monty Balisch, kaufmännischer Geschäftsführer der EWP.
Politische Unterstützung und kommunale Strategie
Der offizielle Bohrstart wurde von Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement persönlich verfolgt. Für sie ist das Projekt ein wichtiger Baustein der Transformation der Energieversorgung im Land. „Die Wärmewende braucht verlässliche und bezahlbare Lösungen. Die Tiefengeothermie kann dabei eine Schlüsselrolle übernehmen, weil sie dauerhaft Wärme liefert und fossile Energieträger ersetzt“, sagte Klement. „Potsdam macht vor, wie eine moderne und klimafreundliche Fernwärmeversorgung der Zukunft aussehen kann – und setzt damit Maßstäbe für ganz Brandenburg.“
Die Kommune Potsdam hat mit ihrer Kommunalen Wärmeplanung bereits den Rahmen für diese Entwicklung gesetzt, in der Fernwärme als zentraler Baustein definiert wird. Lars Schmäh, Fachbereichsleiter Klima, Umwelt und Grünflächen der Landeshauptstadt, betonte bei der Einweihung: „Dass die EWP am HKW Süd in neue Wärmequellen investiert, ist dafür ein wichtiger Schritt. Denn die Wärmewende gelingt nur, wenn Planung, Erzeugung, Netze und Anschlüsse zusammengedacht werden.“
Mit dem Start am Heizkraftwerk Süd legt die EWP den Grundstein für ihre weiteren Ambitionen. Bis 2030 plant das Unternehmen insgesamt fünf weitere Geothermie-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 25 Megawatt thermisch zu realisieren. Die Wärmewende wird damit nicht nur als technische Aufgabe, sondern als große Investition in die Zukunft Potsdams verstanden, von der langfristig viele Menschen und Unternehmen profitieren sollen.