Stefan Evers sieht Männer als die Falschen für Leihmutterschafts-Debatte nach Spahn-Fall

Berlins CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hält Männer für die falschen Gesprächspartner in der Debatte um Leihmutterschaft, die durch den Fall Jens Spahn neu entfacht wurde

Berlins CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hat sich zur aktuellen Debatte um Leihmutterschaft geäußert, die durch die Bekanntgabe von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn neu entfacht wurde. Evers bezeichnete das Thema als ethisch hochkomplex. Der Berliner Finanz- und Kultursenator, der selbst in einer gleichgeschlechtlichen Ehe lebt, betonte am Rande der „queeren Wahlarena“ in Berlin-Kreuzberg, dass er das Spannungsfeld sehr wohl erkenne, in dem sich die Frage nach einer möglichen Legalisierung bewege.

Die Diskussion gewann nach der Ankündigung von Spahn und seinem Ehemann Daniel Funke am 16. Juli 2026 an Schärfe. Das Paar hatte bekannt gegeben, dass sie ein Kind über eine Leihmutter in den USA bekommen haben. Da Leihmutterschaft in Deutschland seit 1990 durch das Embryonenschutzgesetz (ESchG) strafbar ist, sehen Kritiker darin eine Umgehung der eigenen politischen Regeln. Während die CDU auf ihrem Bundesparteitag im Februar 2026 erneut bekräftigt hatte, am Verbot festzuhalten, werfen Oppositionspolitiker wie Janosch Dahmen (Grüne) und Kathrin Gebel (Linke) Spahn vor, doppelte Standards zu pflegen.

Ethisches Dilemma und politische Verantwortung

Auf der Veranstaltung, die vom Berliner CSD e. V., dem LSVD und dem Tagesspiegel organisiert worden war, sprach Evers über die Schwierigkeit, in dieser Frage eine klare Position zu beziehen. „Es gibt jetzt eine schwierige politische Debatte“, sagte der Senator, der die Berliner CDU im September in die Abgeordnetenhauswahl führt. Er merkte an, dass es ihm schwerfalle, hier eine definitive Antwort zu geben, und bekannte offen: „Ich sage ganz ehrlich: Ich glaube, wir Männer sind die Falschen, um diese Frage zu beantworten.“

Hintergrund der Kontroverse ist die rechtliche Lage: Während Leihmutterschaft in Teilen der USA legal ist und dort genutzt wird, gilt sie in Deutschland als missbräuchliche Anwendung von Fortpflanzungstechniken. Eine Änderung des Gesetzes wurde in der Vergangenheit mehrfach abgelehnt. Evers, der als Kultursenator auch für die Berliner Kulturpolitik und damit indirekt für den Umgang mit queeren Lebensentwürfen mitverantwortlich ist, bleibt in seiner Haltung vorsichtig. Er räumt ein, dass die Debatte nicht nur rechtliche, sondern vor allem ethische Dimensionen habe, die eine schnelle Lösung erschweren.

Die „queere Wahlarena“ in Kreuzberg diente als Forum, um genau solche Themen vor der anstehenden Wahl zu diskutieren. Neben der Frage der Leihmutterschaft standen dort weitere Aspekte der Gleichstellungspolitik im Fokus. Für Evers bleibt die Positionierung schwierig: Einerseits steht er als Parteifreund Spahns in der Kritik, andererseits muss er als Spitzenkandidat die offizielle Linie der CDU wahren, die am Verbot festhält, während gleichzeitig die gesellschaftliche Debatte über die Rechte von Regenbogenfamilien weiter an Intensität gewinnt.