VelsPol Berlin-Brandenburg meldet massive Online-Hetze nach Regenbogenflagge am Polizeipräsidium

Nach dem Hissen der Regenbogenflagge zum CSD vor dem Berliner Polizeipräsidium meldet der Verein VelsPol massive Online-Hetze gegen die Polizei, während der Verband die Aktion als Zeichen gegen Diskriminierung verteidigt

Symbolfoto · Foto: Manuel Stingl / Unsplash

Nach dem jährlichen Hissen der Regenbogenflagge vor dem Berliner Polizeipräsidium zum Christopher Street Day (CSD) hat der Verein von homosexuellen Polizisten massive Anfeindungen im Internet gemeldet. Der Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter (VelsPol Berlin-Brandenburg) teilte mit, dass das Netzwerk queerer Angehöriger in Polizei, Justiz und Zoll mit Entsetzen reagiert habe. Seit der Veröffentlichung der Aktion in den sozialen Netzwerken werde die Polizei Berlin intensiv mit Diffamierungen, Hass und Hetze konfrontiert.

Keine Ideologie, sondern Vielfalt

Der Landesvorsitzende Marco Klingberg, der seit drei Jahren den Verein in Berlin-Brandenburg führt, stellte klar, dass das Symbol nicht als politisches Statement missverstanden werden dürfe. Die Regenbogenfahne vor einer Polizeidienststelle bedeute keinesfalls, dass die Polizei gegen das Neutralitätsgebot verstoße, einer bestimmten Ideologie anhänge oder die Nationalfahne verdrängen wolle. „Es bedeutet, dass die Polizei Berlin sich für eine vielfältige Gesellschaft, gegen Diskriminierung, gegen Ausgrenzung und gegen Queerfeindlichkeit einsetzt“, betonte Klingberg.

Die Polizei Berlin hatte die Aktion am Donnerstag, dem 16. Juli 2026, über ihren Facebook-Kanal mit mehreren Fotos bekannt gegeben. Während viele Kommentare die symbolische Geste begrüßten, sorgten andere für Aufregung. Neben konstruktivem Feedback waren unter den Beiträgen zahlreiche aggressive Kommentare und direkte Beschimpfungen zu finden.

Tradition seit 2008 trotz Widerständen

Das jährliche Hissen der Flagge ist eine feste Größe im Berliner Polizeialltag zum CSD und wird seit 2008 praktiziert. Auch in den Anfangsjahren gab es aus den eigenen Reihen der Polizei erhebliche Kritik an der Aktion. Diese Haltung habe sich jedoch im Laufe der Jahre gebessert, räumte Klingberg ein. Dennoch zeigt die aktuelle Reaktion in den sozialen Medien, dass das Thema nach wie vor polarisiert.

Der VelsPol selbst hat eine lange Geschichte: Der Verband wurde 1994 nach einem ersten Treffen in Göttingen gegründet, als schwule Polizisten noch große Angst vor Karrierenachteilen hatten. 2002 schlossen sich die Landesverbände zum Bundesverband zusammen. Heute vertritt der Verein queere Beschäftigte in neun Bundesländern und ist zudem Mitglied der internationalen Eurogay Police Association, die 2005 in Apeldoorn gegründet wurde.

Anhaltende Diskriminierung im Alltag

Trotz der sichtbaren Verbesserungen und der offiziellen Unterstützung durch die Polizeiführung berichten viele queere Beamte weiterhin von subtilen Formen der Diskriminierung. Dazu zählen Schwulenwitze im Kollegenkreis, die Verweigerung von Zusammenarbeit oder unsichtbare Hürden bei der Karriereplanung. Für viele Mitglieder war die Möglichkeit, in diesem Jahr in Uniform beim CSD mitzulaufen, ein kleiner, aber wichtiger Erfolg im Kampf um Sichtbarkeit und Akzeptanz innerhalb der Behörde.