Kraftwerk Jänschwalde wird nach 50 Jahren zum größten Batteriespeicher der Lausitz

Vor 50 Jahren begann der Bau des Kraftwerks Jänschwalde, das bis Ende 2028 zum größten Batteriespeicher der Lausitz umgebaut wird

Symbolfoto · Foto: Matthias Wesselmann / Unsplash

Vor genau 50 Jahren, am 19. Juli 1976, wurde in der Lausitz der Grundstein für eines der größten Kraftwerke der damaligen DDR gelegt. Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde steht seit einem halben Jahrhundert für industrielle Wucht und Energieversorgung. Nun vollzieht sich ein fundamentaler Wandel: Aus dem Kohle-Giganten soll bis Ende 2028 ein zentraler Standort für die Energiewende werden. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) feierte gemeinsam mit dem Energieunternehmen LEAG das Jubiläum der Grundsteinlegung und blickte dabei bereits auf die Zukunft des Standorts.

Ein Denkmal der DDR-Industrie

Das Kraftwerk Jänschwalde wurde zwischen 1976 und 1989 errichtet und gilt als der letzte bedeutende Großneubau dieser Epoche. Mit seinen sechs Blöcken und einer installierten Leistung von ursprünglich 3.000 Megawatt war es ein technisches Schwergewicht. Die historische Bedeutung der Anlage wurde bereits im März 2025 gewürdigt, als das Kraftwerksgelände unter Denkmalschutz gestellt wurde. Es bleibt das letzte erhaltene Beispiel für Großkraftwerke der DDR-Zeit, dessen technische Anlagen bis heute nachgerüstet wurden.

Ein markantes Kapitel in der Geschichte des Kraftwerks war der Umgang mit den drei 300 Meter hohen Schornsteinen. Da eine Sprengung aufgrund der Nähe zu anderen Anlagen nicht möglich war, wurden sie zwischen 2002 und 2007 in einem weltweit einzigartigen Verfahren abgerissen. Diese Maßnahme unterstrich schon damals die besonderen Herausforderungen am Standort.

Stilllegung und Transformation

Die Ära der Braunkohle in Jänschwalde geht ihrem Ende entgegen. Gemäß dem Kohleausstiegsgesetz werden Ende 2028 alle verbliebenen Kraftwerksblöcke (A, B, C und D) endgültig stillgelegt. Bereits Ende 2025 ging Block A in die Sicherheitsbereitschaft, während die Blöcke E und F, die kurzzeitig reaktiviert worden waren, bereits 2024 abgeschaltet wurden.

Doch das Ende der Stromerzeugung aus Kohle bedeutet nicht das Ende des Standorts. Ministerpräsident Woidke würdigte die historische Bedeutung der Anlage und betonte deren Rolle für die regionale Energieversorgung und die Arbeitsplätze in der Lausitz.

Das größte Batteriespeichercluster Deutschlands

Die LEAG plant, den Standort ab Sommer 2026 zum Herzstück der Energiewende in der Region auszubauen. Geplant ist das sogenannte GigaBattery 1000 Jänschwalde, ein Batteriespeichercluster mit einer Leistung von 1.000 Megawatt und einer Speicherkapazität von 4.000 Megawattstunden. Damit soll es das größte seiner Art in Deutschland werden. Die bestehende Infrastruktur, darunter ein 3.000 Megawatt starker Netzanschluss und ein Gleisanschluss, bietet ideale Voraussetzungen für diese Transformation.

„Mit dem bevorstehenden Betriebsende des Kraftwerks Jänschwalde Ende 2028 gehen hier nicht die Lichter aus“, betonte Jörg Waniek, Arbeitsdirektor und Personalvorstand der LEAG. Der Personalvorstand, der seit 2019 die Transformation vorantreibt, versicherte den aktuell 578 Beschäftigten eine Perspektive. Die LEAG garantiert, dass keiner der Mitarbeiter ins Bergfreie fällt.

Neben dem Batteriespeicher sollen Windparks und Photovoltaik-Anlagen den Standort prägen. Zudem soll eine neue Power-to-Heat-Anlage die klimafreundliche Fernwärmeversorgung für die Stadt Cottbus auch nach der Stilllegung des Kohlekraftwerks sicherstellen.

Kritik und Forderungen

Trotz der positiven Zukunftspläne gab es am Rande des Festakts auch deutliche Kritik. Vertreter der Grünen erinnerten daran, dass die Braunkohle in der Vergangenheit Landschaften zerstört, den Wasserhaushalt belastet und riesige Mengen CO2 ausgestoßen hat. Zudem wurde bemängelt, dass bei der Vorbereitung auf die Zeit nach der Kohle noch zu wenig sichtbarer Fortschritt zu erkennen sei.

Auch die Industriegewerkschaft IGBCE Nordost forderte mehr Einsatz. Die Gewerkschaft erwartet weitere Investitionen und konkrete Perspektiven für den Standort Jänschwalde und die gesamte Lausitz im Rahmen des Kohleausstiegs. Der Weg von der Braunkohle zur grünen Energie ist in Jänschwalde also noch nicht vollständig beschritten, aber die Weichen für die nächste 50-Jahre-Ära sind gestellt.