Robert Crumbach warnt vor Vernachlässigung brandenburgischer Regionen durch neuen Bahnwettbewerb ab 2028

Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach warnt, dass der geplante Markteintritt neuer Fernverkehrsanbieter ab 2028 die Anbindung ländlicher Regionen verschlechtern könnte, und fordert vorab massive Investitionen in die Infrastruktur

Crumbach warnt vor Wettbewerbsdruck auf brandenburgische Bahnstrecken

Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (BSW) hat die Weichenstellung für den geplanten Markteintritt neuer Wettbewerber im Schienenfernverkehr scharf kritisiert. Mit Blick auf die Entscheidung der Bundesnetzagentur warnt der Minister für Infrastruktur und Landesplanung davor, dass die Fokussierung auf lukrative Metropolenverbindungen die Regionen in der Fläche benachteiligen könnte. „Die lukrativen Metropolenachsen werden weiter ausgebaut, während die Regionen in der Fläche das Nachsehen haben“, teilte Crumbach am Freitag mit. Für Brandenburg befürchtet er konkrete Verschlechterungen: weniger Halte, schlechtere Anschlüsse und dünnere Takte – gerade dort, wo viele Menschen auf eine zuverlässige Bahnverbindung angewiesen seien.

Infrastruktur muss vor Wettbewerb stabilisiert werden

Der Minister macht deutlich, dass eine Prioritätensetzung notwendig ist. „Erst muss die Infrastruktur stabil und leistungsfähig gemacht werden – mit massiven Investitionen in Netz, Stellwerke und Digitalisierung“, sagte Crumbach. Erst wenn diese Grundlagen geschaffen seien, könne über zusätzlichen Wettbewerb im Fernverkehr sinnvoll diskutiert werden. Die aktuelle Debatte entzündet sich an der Entscheidung der Bundesnetzagentur, die die Deutsche Bahn verpflichtet, auf stark belasteten Strecken künftig mindestens ein Viertel der Kapazitäten an Wettbewerber zu vergeben.

Italo plant Markteintritt für 2028

Konkret geht es um den für April 2028 geplanten Markteinstieg des italienischen Bahnunternehmens Italo. Das Unternehmen plant, Verbindungen wie München–Berlin im Zweistundentakt anzubieten und hat dafür Investitionen in Höhe von rund 3,6 Milliarden Euro angekündigt. Italo hatte zuvor Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingelegt, da die DB InfraGO bisher keine Rahmenverträge mit ausreichender Planungssicherheit für Hochgeschwindigkeitsverkehre angeboten habe. Die Wettbewerberklausel der Behörde gilt jedoch nur bei Kapazitätsengpässen und für vertaktete Verkehre, um neuen Anbietern Planungssicherheit zu verschaffen.

Kritik an der aktuellen Infrastruktur-Lage

Kritiker wie Crumbach sehen das Risiko, dass ohne vorherige Stabilisierung der Infrastruktur der Wettbewerb zu einer Verdrängung regionaler Verbindungen führt. Besonders betroffen könnten Strecken wie Berlin–Halle oder Berlin–Leipzig sein, die ohnehin unter hoher Auslastung leiden. Die Befürchtung ist, dass neue Anbieter primär die schnellen und profitablen Achsen bedienen, während die Bedienung der kleineren brandenburgischen Orte vernachlässigt wird. Der Minister betont, dass eine solche Entwicklung den Menschen in der Fläche die Mobilität erschweren würde.

Politischer Hintergrund und Forderungen

Robert Crumbach, der seit dem 18. März 2026 das Amt des Ministers für Infrastruktur und Landesplanung innehat, bringt dabei seine Erfahrung aus der Finanzpolitik und der Landtagsfraktion ein. Er fordert nun von der Bundesregierung und der Deutschen Bahn, die Investitionen in die Schieneninfrastruktur voranzutreiben, bevor weitere Wettbewerber auf das Netz drängen. Die Bundesnetzagentur hatte am 30. Juni 2026 ihren Beschlussentwurf vorgelegt, der faire Chancen für neue Anbieter schaffen soll. Ob dies jedoch auf Kosten der regionalen Anbindung geht, bleibt laut Crumbach eine offene und kritische Frage.