JU Brandenburg kritisiert Jens Spahn wegen Leihmutterschaft in den USA

Die JU Brandenburg kritisiert Unionsfraktionschef Jens Spahn, da er als Befürworter des Verbots privat eine Leihmutter in den USA in Anspruch nahm

In der Jungen Union (JU) Brandenburg regt sich deutlicher Widerspruch gegen Unionsfraktionschef Jens Spahn. Der Grund ist die private Entscheidung des früheren Gesundheitsministers, mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Vater zu werden. Die JU-Landesvorsitzende Laura Strohschneider zeigte sich auf Nachfrage des Havelblatt nicht einverstanden mit dem Vorgehen von Spahn und seinem Ehemann Daniel Funke.

„Wenn Spahn selbst auch ein Befürworter gewesen wäre, hätte ich entsprechend sein Vorgehen auch als legitim empfunden“, sagte die 1996 geborene Strohschneider. Sie betonte jedoch, dass von jemandem in einem derart hohen Amt erwartet werde, dass private Entscheidungen mit den öffentlich vertretenen Positionen übereinstimmen. Strohschneider, die seit November 2025 die JU Brandenburg führt, wies dabei auf den offensichtlichen Konflikt zwischen der aktuellen Tat und der bisherigen politischen Haltung Spahns hin.

Widerspruch zwischen Politik und Privatleben

Jens Spahn und Daniel Funke gaben am Mittwoch, dem 15. Juli 2026, die Geburt ihres Sohnes Georg bekannt. Das Kind wurde per Leihmutterschaft in den USA zur Welt gebracht. Diese Methode ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz (ESchG) strafbar. Ärzte, die an solchen Verfahren beteiligt sind, machen sich strafbar, und die Praxis wird von der deutschen Rechtslage klar abgelehnt.

Gerade dieser rechtliche Rahmen macht die Kritik an Spahn so scharf. Als Gesundheitsminister hatte er im Jahr 2020 eine Aufhebung des Leihmutterschaftsverbots explizit abgelehnt. Auch der jüngste Beschluss des CDU-Bundesparteitags im Februar 2026, Leihmutterschaft auch in altruistischen Modellen weiterhin zu verbieten, unterstreicht die konservative Linie der Partei. Spahns private Inanspruchnahme einer Leihmutter steht damit im direkten Widerspruch zu seiner eigenen politischen Vergangenheit und der aktuellen Parteilinie.

Forderungen nach Rücktritt und Debatte um Legalisierung

Die Kritik beschränkt sich nicht nur auf Brandenburg. Daniel Peters, CDU-Landeschef in Mecklenburg-Vorpommern, forderte in der „Bild“-Zeitung den Rücktritt Spahns als Fraktionschef. Er begründete dies mit einem Mangel an Glaubwürdigkeit. Die Bundes-CDU und die Fraktion stehen derzeit unter Druck, da die Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Bekenntnis zum Verbot und der privaten Nutzung der Methode in den USA offenkundig ist.

Trotz der scharfen Kritik an der Glaubwürdigkeit des Fraktionschefs sieht die JU-Landesvorsitzende einen positiven Aspekt in der aktuellen Debatte. „Ich finde es grundsätzlich gut, dass in Deutschland wieder über die Legalisierung von Leihmutterschaften diskutiert wird“, sagte Laura Strohschneider. Die Diskussion könnte somit einen Impuls geben, die rechtliche Lage in Deutschland neu zu bewerten, auch wenn die aktuelle Parteiposition ein Verbot vorsieht.

Für das Paar Spahn-Funke ist das Thema jedoch zunächst eine private Angelegenheit. Daniel Funke, der seit Oktober 2025 als Head of Public & Corporate Affairs bei Peek & Cloppenburg arbeitet, ist der leibliche Vater des Kindes. Das Paar ist seit 2013 ein Paar und heiratete bereits am 22. Dezember 2017 auf Schloss Borbeck in Essen. Die Geburt ihres Sohnes Georg markiert nun einen neuen Abschnitt in ihrer Familiengeschichte, der gleichzeitig eine politische Zäsur für die Union darstellt.