Schüle und Olschowski stärken in Potsdam die Resilienz des deutschen Wissenschaftssystems
Brandenburgs und Baden-Württembergs Wissenschaftsministerinnen luden gestern zu einem Treffen im Potsdamer Landtag, um Strategien gegen wachsende Bedrohungen der Wissenschaftsfreiheit zu entwickeln
Mut und Haltung für die Wissenschaft
Mehr als 200 Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft versammelten sich gestern im Brandenburger Landtag in Potsdam. Das Ziel des Treffens war es, die Widerstandskraft des deutschen Wissenschaftssystems zu stärken. Brandenburgs Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle hatte gemeinsam mit ihrer Kollegin aus Baden-Württemberg, Petra Olschowski, zur Veranstaltung „Resilienz des deutschen Wissenschaftssystems – Verantwortung gemeinsam übernehmen“ eingeladen. Die Moderation übernahm der bekannte Wissenschaftsjournalist und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen.
Im Fokus stand der Austausch über die wachsenden Bedrohungen der Wissenschaftsfreiheit, die sowohl national als auch international zunehmen. Die beiden Ministerinnen befassen sich im Auftrag der Wissenschaftsministerkonferenz (WK) federführend mit diesem Thema. Hintergrund ist die Tatsache, dass extremistische Kräfte die Grundprinzipien des Wissenschaftssystems offen infrage stellen. Dies hat massive Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, da eine demokratische Gesellschaft von ihrer Fähigkeit lebt, Wissen hervorzubringen und Forschungsergebnisse in verantwortungsvolles Handeln zu übersetzen.
Strategien gegen Angriffe auf die Forschung
Die Stärke eines Wissenschaftssystems zeigt sich nicht nur in seiner Innovationskraft, sondern vor allem darin, unter wachsendem gesellschaftlichem und politischem Druck unabhängig, offen und dialogfähig zu bleiben. Eine erste Veranstaltung zu diesem dringenden Thema fand bereits im Februar 2026 in Mannheim statt, initiiert von Baden-Württemberg. Anknüpfend daran wurden gestern in Potsdam die nächsten Schritte diskutiert, um das System zukunftssicher aufzustellen. Es ging dabei nicht nur um die bestehenden Bedrohungen, sondern auch darum, die Akteure und Kräfte sichtbar zu machen, die das System stützen.
Unter den Gästen war auch Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf, Professorin für Öffentliches Recht an der Universität Potsdam. Sie unterstrich die verfassungsrechtliche Bedeutung der Wissenschaftsfreiheit. „Unabhängige Wissenschaft ist ein elementarer Stützpfeiler unserer freiheitlichen Demokratie“, betonte sie. Angriffe auf sie dienten dazu, das öffentliche Vertrauen zu zerstören, wissensbasierte Erkenntnisse zu schwächen und politische Ziele durchzusetzen. Brosius-Gersdorf forderte, dass Wissenschaftsfeindlichkeit durch Delegitimierung, finanzielle Schwächung oder institutionelle Blockaden vorgebeugt und entgegengetreten werden muss. „Hierfür tragen alle Akteure der Wissenschaftscommunity Verantwortung“, so die Rechtswissenschaftlerin.
Die Veranstaltung wurde live über den YouTube-Kanal des brandenburgischen Wissenschaftsministeriums übertragen und steht Interessierten auch nachträglich zur Verfügung. Mit der Einbindung prominenter Moderatoren und der breiten Teilnahme soll das Thema der Resilienz in der breiten Öffentlichkeit verankert werden.