Potsdamer wählen bis 18. Juli aus 707 Vorschlägen die besten Ideen für den Haushalt 2027

Potsdamer können bis zum 18. Juli aus 707 eingereichten Vorschlägen ihre Favoriten für den Haushalt 2027/28 auswählen, wobei Themen von Verkehr und Wohnraum bis hin zur Begrünung der Stadt reichen

Symbolfoto · Foto: Alain ROUILLER / Unsplash

Potsdam sucht seine 20 besten Ideen

707 Ideen liegen auf dem Tisch, am Ende bleiben 20 übrig. Die Sammelphase für den Bürgerhaushalt 2027/28 ist offiziell beendet. Jetzt sind die Potsdamerinnen und Potsdamer am Zug: Bis zum 18. Juli läuft die öffentliche Vorauswahl. Jeder mit Wohnsitz in Potsdam darf einmal mitmachen und dabei beliebig viele Vorschläge unterstützen. Woran den Menschen in der Landeshauptstadt besonders liegt, zeigt die eingereichte Liste deutlich. Am häufigsten geht es um Straßen, Geh- und Radwege, um den öffentlichen Nahverkehr, um Kinder und Jugendliche sowie um bezahlbaren Wohnraum.

Auch die Aufwertung öffentlicher Plätze taucht in den Einreichungen oft auf. Mehrfach eingereicht wurden konkrete Wünsche nach Trinkwasserbrunnen, Wildblumenwiesen, sicheren Radwegen, mehr Bäumen und Begrünung, seniorengerechten Sitzbänken sowie Hilfen für wohnungslose Menschen. Ein weiterer signifikanter Block mit rund 200 Vorschlägen dreht sich um den Haushalt selbst. Hier reichen die Ideen von höheren Einnahmen durch Steuern und Anwohnerparken über zusätzliche Geschwindigkeitskontrollen und Bußgelder bis zu mehr Digitalisierung im Rathaus.

Ein Verfahren mit Tradition

Der Weg zu diesen 20 Ideen ist Teil eines etablierten Prozesses, der in Potsdam seit 2006 läuft. Damals wurde der Bürgerhaushalt als Kernstück der „Bürgerkommune“-Strategie eingeführt und hat sich seither zu einem der größten Beteiligungsverfahren in Brandenburg entwickelt. Die aktuelle Phase der Vorauswahl ist dabei nur der erste Schritt. Nach dem Ende der Abstimmung am 18. Juli sichtet ein Redaktionsteam die Ergebnisse. Ähnliche Ideen fasst das Team zusammen, Vorschläge, die außerhalb der städtischen Zuständigkeit liegen, werden sortiert.

Am Ende dieses Filters bleiben höchstens 40 Vorschläge übrig, die einer fachlichen Bewertung unterzogen werden. Erst nach der Sommerpause stimmen die Potsdamerinnen und Potsdamer erneut ab. Dann steht fest, welche 20 Ideen die Stadtverordnetenversammlung zum Jahresende gemeinsam mit dem Doppelhaushalt 2027/28 beraten wird. Dieses zweistufige Verfahren soll sicherstellen, dass nur die wirklich tragfähigsten und umsetzbarsten Projekte in die finale Haushaltsplanung einfließen.

Von der Idee zur Umsetzung

Die Wirkung dieses Beteiligungsprozesses ist bereits in der Vergangenheit belegt. Beim Bürgerhaushalt 2020/21 beteiligten sich über 17.500 Menschen, und viele ihrer Vorschläge wurden realisiert. Dazu gehörten der Bau grüner Dächer, die Einrichtung einer zentralen Kita-Vergabestelle oder auch das Pfandbechersystem „PotsPresso“. Seit 2021 hat die Stadt das Konzept zudem ausgeweitet: Neben dem zentralen Haushalt gibt es nun auch dezentrale Bürger-Budgets in den Stadt- und Ortsteilen. Dort können kleinere Projekte direkt vor Ort finanziert werden, wie etwa ein Lastenfahrrad in Norden oder ein Bücherschrank in Babelsberg.

Die aktuelle Dominanz von Themen wie Radwege, bezahlbarer Wohnraum und Klimaschutz in den 707 neuen Vorschlägen spiegelt die aktuellen Herausforderungen der Stadtgesellschaft wider. Wer die Liste der Ideen nicht nur online, sondern auch persönlich einsehen möchte, findet eine Ausstellung zum Bürgerhaushalt in der Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum am Platz der Einheit. Dort kann man sich zu den regulären Öffnungszeiten informieren und direkt an der Vorauswahl teilnehmen. Alle Vorschläge sind zudem unter der offiziellen Webseite der Stadt einsehbar.

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