Roland Korn, Chefarchitekt von Ost-Berlin, ist tot
Roland Korn, der von 1973 bis 1989 als Chefarchitekt das Stadtbild Ost-Berlins prägte, ist im Alter von 96 Jahren gestorben, zu seinen Werken zählen das Park Inn am Alexanderplatz und der Stadtbezirk Marzahn
In der DDR prägte er maßgeblich das Stadtbild des Ostens. Nun ist Roland Korn, einer der einflussreichsten Architekten der ehemaligen Hauptstadt, im Alter von 96 Jahren gestorben. Die Bestätigung für den Tod am 20. Juli 2026 gab sein Sohn Thomas Korn gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Korn amtierte von 1973 bis 1989 als Chefarchitekt von Ost-Berlin. In dieser Funktion war er für einige der bekanntesten Bauwerke der Stadt verantwortlich. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen das Hochhaus am Alexanderplatz, ursprünglich „Hotel Stadt Berlin“ genannt und heute als Park Inn bekannt, das Haus des Reisens sowie das ehemalige Staatsratsgebäude der DDR, das heute als Hochschule dient.
Planung des Stadtbezirks Marzahn
Neben den ikonischen Bauten im Stadtzentrum hatte Korn eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des größten Plattenbaugebiets der DDR. Er leitete das Kollektiv, das den neuen Stadtbezirk Marzahn (später Hellersdorf) für 250.000 Einwohner plante und realisierte. Die Konzeption dafür stützte sich auf Vorbildstudien, die er unter anderem in Prag und Moskau durchgeführt hatte.
Bereits 1964 hatte sich Korn in einer entscheidenden Phase seiner Karriere für Berlin entschieden. Als er ein Angebot für die Leitung eines Architekturbüros in Bagdad erhielt, lehnte er ab. Dieser Schritt wurde damals vom SED-Chef Paul Verner bekräftigt, der mit den Worten „Der Korn fährt nicht nach Bagdad“ den Verbleib des Architekten in der Hauptstadt sicherstellte.
Kritik an der heutigen Stadtentwicklung
Korn hatte sich in der Vergangenheit immer wieder öffentlich zu städtebaulichen Fragen geäußert. In der „Berliner Zeitung“ hatte er sich erst kürzlich noch zur aktuellen Entwicklung am Alexanderplatz geäußert. Zwar sei es klar, dass sich Dinge veränderten, doch kritisierte er, dass nichts mehr mit dem Vorhandenen abgestimmt werde. „Da klatscht jeder Investor etwas hin, wie es ihm gerade passt“, hatte der Architekt damals bemängelt.
Sein Entwurf für das Haus des Reisens steht seit Juli 2015 offiziell unter Denkmalschutz. Dies steht in Kontrast zu aktuellen Plänen, die unter anderem Abrissvorhaben für Hochhäuser von Hans Kollhoff in der Umgebung beinhalten.
Nach der Wende lehnte Korn eine feste Anstellung im Senat ab und entschied sich für die Selbstständigkeit. Er arbeitete bis zum Jahr 2000 als freiberuflicher Architekt. Zuletzt lebte er im thüringischen Gera, wo er auch seine letzten Jahre verbrachte. Mit seinem Tod geht eine Ära der Berliner Architekturgeschichte zu Ende, die den Osten der Stadt über zwei Jahrzehnte lang definiert hat.