Brandenburg: 22 neue Windräder ersetzen 22 alte
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Brandenburg 22 neue Windräder errichtet, während ebenso viele alte Anlagen abgebaut wurden. Trotz gleicher Stückzahl stieg die installierte Leistung durch effizientere Großanlagen deutlich an
Im ersten Halbjahr 2026 ist die Zahl der Windkraftanlagen in Brandenburg exakt gleich geblieben. Während der Landesverband Erneuerbare Energien Berlin-Brandenburg (LEE BB) den Bau von 22 neuen Anlagen bestätigte, wurden im gleichen Zeitraum ebenso 22 alte Windräder abgebaut. Dieser Austausch führt dazu, dass der physische Bestand von 4.126 Windrädern in der Region unverändert bleibt, obwohl sich die technische Leistungsfähigkeit der Parks deutlich verbessert hat.
Leistungswachstum durch Repowering
Trotz der stagnierenden Stückzahl wächst die installierte Leistung im Land spürbar. Durch das sogenannte Repowering – den Ersatz weniger leistungsstarker Altanlagen durch wenige, aber deutlich stärkere neue Maschinen – stieg die Gesamtleistung um 106 Megawatt. Damit produzieren die Windräder in Brandenburg zusammen knapp 10.000 Megawatt Strom. Das entspricht etwa 14 Prozent der gesamten in Deutschland installierten Windkraftleistung.
Jan Hinrich Glahr, Vorstandsvorsitzender des LEE BB, bewertet diese Entwicklung positiv, auch wenn das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr gedämpft ist. „Die Gemeinden erzielen hohe Einnahmen, ohne dass die Zahl der Anlagen steigt. Denn wir bekommen viel mehr Strom aus derselben Zahl an Anlagen“, so Glahr. Das Wachstum von 106 Megawatt liegt zwar 43 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums, zeigt aber dennoch den Trend zu effizienteren Großanlagen.
Genehmigungen im Aufwind
Ein deutliches Signal für die Zukunft gibt der Verband mit den aktuellen Genehmigungsdaten. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Brandenburg 171 neue Windenergieanlagen mit einer geplanten Leistung von 1.131 Megawatt genehmigt. Das ist fast die doppelte Menge im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025.
„Wir hoffen, dass diese Anlagen in den nächsten zwei bis vier Jahren auch gebaut werden können“, sagte Glahr. Die Branche blickt jedoch mit Sorge auf die Realisierbarkeit dieser Projekte. Es besteht die Befürchtung, dass viele der genehmigten Anlagen nicht rechtzeitig in Betrieb gehen könnten. Als Hauptgründe dafür werden fallende Preise für grünen Strom sowie die mangelnde Kapazität beim Netzanschluss genannt. Ohne leistungsfähige Stromnetze können die neuen Anlagen ihren Strom nicht an die Verbraucher liefern.
Kritik an Reformplänen der Bundesregierung
Die Unsicherheit bei der Umsetzung wird durch politische Weichenstellungen auf Bundesebene noch verstärkt. Die Windenergiebranche übt scharfe Kritik an den Reformplänen von Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU). Die aus Luckenwalde stammende Ministerin, die seit Mai 2025 das Ressort im Kabinett Merz leitet, plant unter anderem eine Senkung der hohen Förderkosten für erneuerbare Energien. Diese sollen künftig direkt aus dem Bundeshaushalt finanziert werden, anstatt wie bisher über die EEG-Umlage.
Die Branche warnt, dass diese Reformen die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte gefährden könnten. Falls die Förderung gekürzt wird, könnten Investoren sich den Bau neuer Anlagen nicht mehr leisten, was den ohnehin schon schwierigen Netzausbau weiter verzögern würde.
Nationale Zahlen im Vergleich
Während Brandenburg einen spezifischen Fokus auf die Effizienzsteigerung durch Repowering legt, setzt sich der Ausbau im restlichen Deutschland weiter dynamisch fort. Branchendaten zeigen, dass im ersten Halbjahr 2026 bundesweit 423 Onshore-Windräder in Betrieb genommen wurden. Diese neuen Anlagen bringen eine elektrische Gesamtleistung von rund 2,36 Gigawatt hinzu. Der Vergleich unterstreicht, dass Brandenburg mit seiner stabilen Anzahl von Genehmigungen und dem Fokus auf Leistungsdichte eine wichtige Rolle im nationalen Energiemix spielt, auch wenn die reine Anzahl der Türme im Land vorerst konstant bleibt.