Potsdam gedenkt am Brauhausberg des gescheiterten Attentats auf Hitler 1944

Potsdam erinnerte am Brauhausberg an das gescheiterte Attentat auf Hitler 1944, wobei Oberbürgermeisterin Aubel und Nachfahren Friedrich von Rabenaus zur Wachsamkeit gegen Diktaturen mahnten

Potsdam hat am historischen Ort des ehemaligen Reichs- und Heeresarchivs auf dem Brauhausberg an das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 erinnert. Die Gedenkstunde stand im Zeichen der Mahnung, dass Demokratie aktiv verteidigt werden muss. Oberbürgermeisterin Noosha Aubel und Wolf-Teja von Rabenau, der Großneffe des Widerstandskämpfers Friedrich von Rabenau, forderten die Anwesenden eindringlich zur Wachsamkeit auf.

Ein Ort der Geschichte und des Wandels

Die Zeremonie fand am Turm des Gebäudes statt, das eine bewegte Vergangenheit durchlief. Friedrich von Rabenau, der damalige Chef der Heeresarchive, gehörte zum Kreis der Widerstandskämpfer und war ein überzeugter Gegner des NS-Regimes. Obwohl er aus christlichen Gründen nicht am Attentat selbst teilnahm, war er als Verbindungsmann zwischen Ludwig Beck und Carl Friedrich Goerdeler sowie Mitglied des Kreisauer Kreises tief in die Opposition verstrickt. Sein Schicksal endete tragisch: Er wurde im April 1945 im KZ Flossenbürg auf Befehl Heinrich Himmlers ermordet, ohne dass es zu einem Gerichtsverfahren kam.

Das Gebäude selbst ist Zeuge mehrerer politischer Epochen. Nach dem Krieg diente es zunächst als SED-Parteihaus und später als erster Landtag des wiedervereinigten Bundeslandes Brandenburg, bevor die Landesvertretung ins wiedererrichtete Stadtschloss umzog. Heute bereitet sich das Areal auf eine neue Zukunft vor: Auf dem Brauhausberg ist ein neuer Campus der Universität Potsdam geplant, der in enger Zusammenarbeit mit dem Hasso-Plattner-Institut entstehen soll.

Mahnung zur Wachsamkeit

Oberbürgermeisterin Noosha Aubel ehrte in ihrer Ansprache die Widerstandskämpfer und zog eine klare Linie zur Gegenwart. „Der 20. Juli erinnert uns daran, dass Gehorsam spätestens dort eine Grenze hat, wo er staatliches Handeln, Recht, Menschenwürde und Menschlichkeit verletzt“, sagte die parteilose Politikerin. Eine Diktatur dürfe nicht erst bekämpft werden, „wenn ihre Verbrechen unübersehbar geworden sind“. Demokratie brauche Menschen, die widersprechen, bevor Anpassung und Schweigen zur Normalität würden.

Auch Wolf-Teja von Rabenau richtete seine Worte an die heutige Generation. Er erinnerte daran, dass sein Großonkel bereits 1942 in den Ruhestand versetzt worden war, daraufhin Theologie studierte und sich dennoch der Opposition anschloss, bis er schließlich verhaftet wurde. „Es bleibt also unserer inzwischen dritten Nachkriegsgeneration deutlich zuzurufen: Seid wachsam!“, sagte er. „Fallt nicht noch einmal auf vermeintliche Heilsbringer aus dem radikalen politischen Spektrum herein. Sie bringen kein Heil, sondern Unfreiheit.“

Das 9. Infanterie-Regiment als Widerstandszentrum

Die Gedenkstunde beleuchtete zudem die besondere Rolle Potsdams im militärischen Widerstand. Aus dem neunten Infanterie-Regiment, das in der Stadt stationiert war und als „Graf Neun“ bekannt war, gingen zahlreiche Offiziere hervor, die sich gegen das NS-Regime stellten. Obwohl das Regiment ursprünglich als antirepublikanisch galt, entwickelte es sich zu einem der wichtigsten Zentren des Widerstands. Von den 29 Stabsoffizieren und Hauptleuten des Regiments im Jahr 1933 beteiligten sich 21 am Widerstand, darunter bekannte Namen wie Henning von Tresckow und Axel von dem Bussche.

Am Jahrestag des Attentats lädt das Brandenburger Infrastrukturministerium an seinem Sitz, dem ehemaligen Kasernengebäude des Regiments, zum Besuch einer Gedenkausstellung ein. Parallel dazu steht im Frauenzentrum am Alten Markt die Bedeutung von Frauen im NS-Widerstand im Mittelpunkt einer weiteren Veranstaltung.

Das Attentat und sein Scheitern

Am 20. Juli 1944 hatten Wehrmachtsoffiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg vergeblich versucht, Adolf Hitler mit einer Bombe zu töten. Das Ziel war es, die nationalsozialistische Herrschaft zu stürzen und den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Doch der Diktator überlebte das Attentat im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ und der Umsturzversuch scheiterte. Stauffenberg und drei weitere Beteiligte wurden noch am selben Abend im Innenhof des Bendlerblocks in Berlin erschossen.

Die Erinnerung an diesen Tag dient in Potsdam nicht nur der historischen Aufarbeitung, sondern auch als Appell an die Zivilgesellschaft. In einer Zeit, in der demokratische Werte erneut herausgefordert werden, betonen die Redner die Notwendigkeit, nicht wegzusehen und mutig Stellung zu beziehen.