Kasko-Brücke in Brandenburg an der Havel feiert 50 Jahre Schienenverkehr
Die Kasko-Brücke in Brandenburg an der Havel blickt auf 50 Jahre Schienenverkehr zurück, bevor sie 2003 stillgelegt wurde. Der Spitzname entstand durch eine jahrzehntelang angebrachte Werbetafel der DDR-Versicherung
Ein halbes Jahrhundert Schienenverkehr
In Brandenburg an der Havel überspannt eine Eisenbahnbrücke die Wilhelmsdorfer Straße, die seit nunmehr 20 Jahren nicht mehr von Zügen befahren wird. Obwohl die Konstruktion offiziell keinen Namen trägt, ist sie im Stadtbild fest als „Kasko-Brücke“ verankert. Dieser Spitzname geht auf eine große Werbetafel der staatlichen DDR-Versicherung zurück, die jahrzehntelang an der Brückenfassade angebracht war und für Kaskoversicherungen warb. Die „Staatliche Versicherung der DDR“ nutzte solche prominenten Plätze an Verkehrswegen, um mit dem Slogan „Vorsorgen – Versichern“ auf sich aufmerksam zu machen, was den Namen im Volksmund prägte.
Die Brücke ist ein Relikt der Brandenburgischen Städtebahn, deren Strecke zwischen Brandenburg und Belzig zwar bereits 1904 eröffnet wurde, deren dieser Abschnitt jedoch erst am 15. Dezember 1953 seiner Bestimmung übergeben wurde. Der Hintergrund dieser neuen Anbindung war der Wunsch, die Personenzüge, die aus Rathenow kamen und über den Altstadt-Bahnhof verkehrten, nun direkt nach Belzig zu führen. Die Pläne waren ursprünglich weitreichender: Wie man heute noch an den zwei massiven Widerlagern auf jeder Seite der Straße erkennen kann, war ein zweigleisiger Ausbau bis zum Hauptbahnhof vorgesehen.
Bauhistorische Besonderheiten und soziale Bedeutung
Die Entscheidung für nur ein Gleis ergab sich aus praktischen Zwängen während der Bauphase Anfang der 1950er Jahre. Obwohl zwei Gleise geplant waren und die Widerlager entsprechend dimensioniert wurden, stießen die Bauarbeiter auf ungünstige Untergrundverhältnisse. Der Boden bestand aus Schwemmland, das die schweren Güterzüge, die aus dem Stahlwerk kamen, nicht tragen konnte. Daher beschränkte man sich auf den Bau eines einzelnen Gleises, das in den folgenden fünf Jahrzehnten vorrangig von den Personenzügen der Städtebahn genutzt wurde.
Für den Bau des Bahndamms musste zudem ein beträchtliches Stück des „Büttelhandfassgrabens“ zugeschüttet werden, um die Trasse zu ebnen. Dieses Eingreifen in die lokale Gewässerstruktur war typisch für die Infrastrukturprojekte jener Zeit. Die Züge auf dieser Strecke waren in der Regel gut gefüllt, da sie eine wichtige Lebensader für den Pendlerverkehr darstellten. Viele Arbeiter des Stahlwerks Brandenburg nutzten die Verbindung, um täglich an ihren Arbeitsplatz zu gelangen, was der Strecke eine hohe soziale Bedeutung verlieh.
Das Ende einer Ära
Trotz der Sanierung der Strecke im Jahr 2001, nur zwei Jahre vor dem endgültigen Aus, war das Schicksal der Verbindung besiegelt. Der letzte planmäßige Zug fuhr am 13. Dezember 2003. Die kurze Nutzungsdauer nach der Wende unterstreicht die wirtschaftliche Unsicherheit, die viele Infrastrukturprojekte in der Nachwendezeit betraf. Zeitnah nach der Stilllegung wurden die Gleise zwischen Reckahn und Brandenburg durch den neuen Eigentümer abgebaut.
Heute steht die Brücke still, ein stummer Zeuge der DDR-Verkehrsplanung und der industriellen Geschichte der Region. Während die Gleise verschwunden sind, bleiben die beiden Widerlager als stumme Erinnerung an die ursprünglichen Ambitionen eines zweigleisigen Ausbaus erhalten. Die „Kasko-Brücke“ bleibt damit nicht nur ein technisches Bauwerk, sondern auch ein Stück Stadtgeschichte, das die Veränderungen der letzten Jahrzehnte in Brandenburg an der Havel widerspiegelt.