Fritz Rabe färbte in Brandenburg Uniformen, Teppiche und Kinderkleidung bis zur DDR-Zeit

In Brandenburg an der Havel färbte die Firma Fritz Rabe einst Uniformen und Kinderkleidung, bevor der Standort nach der Wende einem Parkplatz wich

Hinter dem zurückgesetzten Fachwerkhaus in der Packhofstraße von Brandenburg an der Havel stand einst ein bedeutendes Industriegebäude, das für die lokale Textilgeschichte prägend war. Hier hatte die Färberei und chemische Waschanstalt von Fritz Rabe ihren Sitz. Der backsteinerne Unternehmenssitz entstand im Jahr 1889 zwischen der Neustadt und der sich entwickelnden Wiemann-Werft. Zu diesem Zeitpunkt war an eine Bebauung der Packhofstraße noch nicht zu denken; die Wohnhäuser in der Umgebung entstanden erst ab dem Jahr 1900. Auf alten Werbezeichnungen erscheint der Produktionsstandort geradezu riesig, doch dürfte diese Darstellung etwas übertrieben gewesen sein.

Vom Brand zum modernen Dampfbetrieb

Fritz Rabe hatte seine Firma bereits 1883 in der Hauptstraße 29 gegründet. Im Jahre 1889 erwarb er die ehemalige Schonertsche Ölmühle und verlagerte seinen Betrieb dorthin. Das Glück schien jedoch nur kurz zu währen: Schon nach vier Wochen brannte der Betrieb komplett nieder. Rabe reagierte sofort und errichtete mit der Versicherungssumme einen modernen Neubau. Dieser beherbergte eine Dampf-Färberei und eine chemische Waschanstalt, die ihrerzeit die erste ihrer Art in der Region war.

Der Neubau war mit den modernsten Maschinen ausgestattet, die damals zu bekommen waren. Angetrieben wurden diese durch eine riesige Dampfmaschine. In der Färberei erhielten nicht nur Kleider, sondern auch Uniformen, Teppiche oder Polstersessel ein neues Aussehen. Hinzu kam eine Lohnfärberei für andere Unternehmen. Die enge Verknüpfung mit der lokalen Industrie zeigte sich in den Geschäftsbeziehungen zur nicht weit entfernten Ersten Deutschen Fein-Jute-Garn-Spinnerei, deren Produkte Fritz Rabe offensichtlich ebenfalls färbte.

Expansion und Ausgliederung

Bis zum Jahr 1920 waren die Aufträge derart angewachsen, dass Rabe die chemische Wäscherei ausgliederte. Diese wurde an einem anderen Standort unter dem Firmennamen Dampfwäscherei Germania weiterbetrieben. In der Packhofstraße, mittlerweile etwas versteckt zwischen großen Mietshäusern gelegen, erweiterte er hingegen seine Textilfärberei. Etwa 1000 Kilogramm Textilien wurden dort nun täglich gefärbt.

Rabe setzte nicht nur auf Großaufträge, sondern auch auf Kleinkunden. Daher unterhielt er im Stadtgebiet gleich mehrere Geschäfte, hinzu kamen Filialen in Potsdam und Genthin. In einer Annonce versprach er damals „schnellste Bedienung, niedrigste Preisstellung, sauberste Ausführung, kostenlose Abholung und Zustellung durch eigene Gespanne“. Dieses Unternehmertum zeigte die wirtschaftliche Dynamik der Gründerzeit in Brandenburg.

Vom VEB Braki zum Parkplatz

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte wohl der VEB Kinderbekleidung, bekannt als Braki, die leerstehenden Produktionsräumlichkeiten. Der Betrieb, der 1956 gegründet wurde, entwickelte sich zu einem bedeutenden Exportbetrieb der DDR für Kinderkleidung. Ein Großteil der Produktion, zwischen 50 und 80 Prozent, wurde exportiert, wobei der Betrieb sogar C&A belieferte. Die Geschichte des Gebäudes spiegelt somit den Wandel von der privaten Gründerzeitindustrie zur zentralen Planwirtschaft wider.

Mit der Wende war jedoch Schluss für die industrielle Nutzung. Der dreigeschossige Industriebau wurde nach 2005 abgerissen. Auf der Fläche befindet sich heute ein Parkplatz. Was einst ein pulsierender Mittelpunkt der Textilverarbeitung war, ist nun eine offene Fläche, die an die wechselvolle Geschichte der Packhofstraße erinnert.