Neuapostolische Zentralkirche in Brandenburg an der Havel zeigt Fischgrundriss als christliches Symbol

Die neuapostolische Zentralkirche in Brandenburg an der Havel besticht durch ihren elliptischen Grundriss, der bewusst die Form eines Fisches als christliches Symbol aufgreift

Neuapostolische Zentralkirche in Brandenburg an der Havel zeigt Fischgrundriss als christliches Symbol
Symbolfoto · Foto: Wolfgang Weiser / Unsplash

Ein Fisch im Dreieck der Gewässer

Im Herzen von Brandenburg an der Havel, eingebettet in das städtebauliche Dreieck zwischen Bauhofstraße, Mühlengraben und Schleusenkanal, erhebt sich ein architektonisches Unikat: die neuapostolische Zentralkirche. Das moderne Kirchengebäude besticht durch seinen elliptischen Grundriss, der bewusst die Form eines Fisches aufgreift. Dieses uralte christliche Symbol, das in der Frühzeit der Kirche als Erkennungszeichen diente, wurde hier in eine zeitgenössische Bauweise übersetzt. Das geschwungene Dach und die gedrehte Spitze des Turms, die sich als 17 Meter hoher spiralförmiger Aufsatz in den Himmel reckt, sollen dabei als Fortsetzung der Urkirche verstanden werden. Der Altarraum erinnert in seiner Form an eine Rückenflosse, während der Turm selbst symbolisch das Fischauge verkörpert.

Die feierliche Weihe dieses markanten Gebäudes fand am 2. Oktober 2011 statt. Der Bau ist nicht nur ein Gotteshaus, sondern ein schweres, auch aufgrund seiner Höhe kaum zu übersehendes Wahrzeichen im Stadtgebiet. Der Entwurf stammt von der Architektin Karin Reimann, die es verstand, die spirituelle Symbolik in eine funktionale und ästhetisch ansprechende Form zu gießen. Der eingeschossige massive Bau bietet im Kirchenschiff Platz für 220 Menschen und dient der stark musiklastigen Gemeindearbeit als zentraler Ort.

Von der ersten Predigt bis zum Neubau

Die Wurzeln der Gemeinde reichen weit zurück. Es war die Familie des aus dem heutigen Sachsen-Anhalt stammenden Pantinenmachers Wilhelm Schmidt, die 1899 in die Havelstadt kam und hier ihren Glauben verbreitete. In den Anfangsjahren mussten die Gläubigen noch nach Potsdam reisen, um an Gottesdiensten teilzunehmen. Doch schon bald empfing Schmidt das Priesteramt und legte den Grundstein für eine eigene Gemeinde. Ab 1901 fanden die Gottesdienste an verschiedenen Orten statt, bis Schmidt bis 1939 als Vorsteher der Gemeinde wirkte.

Erst im Jahr 1940, inmitten der Kriegswirren, wurde das Grundstück in der Packhofstraße 33 erworben. Ein vorhandener Saal wurde zu einer Kirche umgebaut und am 9. Juni desselben Jahres eingeweiht. Der Zuzug vieler Flüchtlinge nach 1945 ließ die Gemeinde so stark wachsen, dass 1951 auf dem Görden eine weitere Gemeinde gegründet werden konnte, die 1956 schließlich eine eigene Kirche im Lilienweg erhielt.

Architektur und Ausstattung

Der Weg zum heutigen Bau war durch den Verfall des alten Gotteshauses vorgezeichnet. 2009 wurde ein Neubau angepeilt, da das Kirchengebäude in der Packhofstraße wegen schwerwiegender Baumängel gesperrt werden musste. Die Grundsteinlegung für den neuen Bau erfolgte am 7. August 2010, das Richtfest folgte bereits am 29. Oktober 2010. Die 500 Mitglieder starke Gemeinde investierte in das Projekt zwei Millionen Euro. Ein Teil der Summe, nämlich 150.000 Euro, konnte durch den Verkauf der alten Kirche in der Packhofstraße aufgebracht werden.

Ein Highlight des Innenraums ist die Orgel, die speziell für die musikalische Ausrichtung der Gemeinde konzipiert wurde. Das Instrument mit 17 Registern und zwei Manualen wurde von dem Orgelbaumeister Peter Fräßdorf von der Firma Sauer Orgelbau GmbH aus Frankfurt (Oder) gebaut. Obwohl das Gebäude ursprünglich auch ein integriertes Café vorsah, wurde dieser Bereich vor einigen Jahren geschlossen. Dennoch bleibt die Zentralkirche ein lebendiger Ort für die neuapostolische Gemeinschaft, der die Geschichte von 1899 bis heute in moderner Form fortführt.