Politik und Kirche verurteilen Angriff auf Berliner CSD

Nach dem mutmaßlich islamistischen Angriff auf den Berliner CSD verurteilen Politiker und Kirchenvertreter die Tat als Angriff auf die Demokratie und die offene Gesellschaft

Nach einem mutmaßlich islamistisch motivierten Angriff mit einem Auto auf Menschen am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben sich zahlreiche Vertreter der Politik und des gesellschaftlichen Lebens geäußert. Die Tat, die sich am vergangenen Sonntag ereignete, löste unter den Teilnehmern der Pride-Parade sowie in der Bevölkerung Bestürzung und Entsetzen aus. Im Fokus der Reaktionen steht die Einordnung der Gewalt als Angriff auf die offene Gesellschaft und die Demokratie.

Politische Reaktionen in Berlin

Die Führungsspitze des Berliner Senats distanzierte sich deutlich von der Tat. Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bezeichnete das Vorgehen als direkten Angriff auf die Werte der Stadt.

„Es ist ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft. Nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert.“

Auch die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Cornelia Seibeld, hob die demokratiefeindliche Komponente hervor. Sie führte aus, dass sich der mutmaßliche Anschlag gegen die freie Art zu leben richte.

„Dieser mutmaßlich islamistische Anschlag auf friedlich feiernde Menschen ist zugleich ein Angriff auf unsere Demokratie. Er richtet sich gegen unsere freie Art zu leben – gegen die Freiheit, die diese Stadt ausmacht, und trifft Berlin mitten ins Herz.“

Kritisch äußerte sich Kristin Brinker, Landes- und Fraktionsvorsitzende der AfD in Berlin. Sie forderte, „der bisherige politische Kuschelkurs gegenüber gewaltbereiten Islamisten muss sofort ein Ende haben.“

Stellungnahmen aus dem Bund

Auf Bundesebene zeigten sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz über den Vorfall erschüttert. Steinmeier würdigte den CSD als Zeichen für Toleranz und Vielfalt.

„Wir sind erschüttert und entsetzt über den mutmaßlichen Anschlag auf den CSD in Berlin, bei dem Hunderttausende Menschen friedlich und fröhlich feiern wollten und ein Zeichen setzen für Toleranz und Vielfalt, für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben.“

Bundeskanzler Friedrich Merz unterstrich die Entschlossenheit der Politik. „Wir sind offen und freiheitsliebend – und das werden wir auch bewahren und verteidigen“, sagte er. Die Tat werde „aufgeklärt und mit aller Härte verfolgt“.

Zivilgesellschaft und Kirche

Neben den politischen Akteuren nahmen auch Vertreter der Zivilgesellschaft und der Kirchen Stellung. Alfonso Pantisano, Queer-Beauftragter des Berliner Senats, sagte voraus, dass viele Betroffene lange Zeit benötigen werden, um das Erlebte zu verarbeiten. „Für die queere Community ist das ein großer Trauertag“, so Pantisano.

Christian Stäblein, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), appellierte an die Kraft des Zusammenhalts. „Hass tötet“, sagte er. „Keine Gewalt, kein Morden kann mit Gott begründet werden. Lasst uns stark machen, was uns verbindet und zusammenhält. Liebe ist stärker als Hass.“