GBM-Streik: EVG wirft General Atomics Tarifflucht vor
Der unbefristete Streik bei der GBM in Kirchmöser eskaliert mit einer Demonstration, während die EVG dem US-Eigentümer General Atomics Tarifflucht vorwirft
Der unbefristete Streik der Beschäftigten der Gleisbaumechanik (GBM) in Kirchmöser geht auch am heutigen Donnerstag weiter. Mit einer Demonstration von der GBM-Zentrale bis zum Kreisverkehr am Obelisken sowie einer anschließenden Kundgebung fand der Arbeitskampf einen vorläufigen Höhepunkt. Nicht ganz 40 Streikende nahmen an dem Demonstrationszug teil und bekundeten lautstark ihren Entschluss, nicht nachzugeben.
„Wenn man am Verhandlungstisch nichts erreicht, nichts erreichen kann, dann bleibt uns eigentlich nur dieses letzte Mittel des Arbeitskampfes, und dafür herzlichen Dank, Kolleginnen und Kollegen, dass ihr euch daran beteiligt“, sagte Andrea Wylegala, ehrenamtliches Mitglied des Bundesvorstandes der Gewerkschaft EVG, vor der versammelten Belegschaft.
Historischer Standort in US-Hand
Der Konflikt um die Arbeitsbedingungen an der Havel ist seit Monaten im Gange. Die GBM Gleisbaumechanik Brandenburg/H. GmbH hat ihre Wurzeln im 1920 gegründeten Reichsbahnausbesserungswerk Brandenburg-West und ist bis heute ein wichtiger und leistungsstarker Partner der Deutschen Bahn AG. Dennoch befindet sich das Unternehmen seit 2002 im Besitz der US-amerikanischen General Atomics Europe-Gruppe.
Andrea Wylegala nahm in ihrer Ansprache genau auf diese Situation Bezug. Sie betonte, dass das Geld im Unternehmen vorhanden sei und gut verdient werde. Dennoch verfolge die Geschäftsführung das Ziel der Tarifflucht. „Das geht nicht mit uns. Nein, das machen wir nicht mit“, so die Gewerkschafterin. Sie warf dem Arbeitgeber vor, versuchen zu wollen, mit einzelnen Mitarbeitern vertragliche Regelungen abzuschließen, die Verschlechterungen bei Arbeitszeit und Entgelt mit sich bringen könnten.
Konkrete Forderungen und abgelehnte Angebote
Die Forderungen der Tarifkommission sind laut Wylegala keinesfalls überzogen. Es gehe um eine moderate Entgelterhöhung, eine Steigerung der Zulagen und Zuschläge sowie um die Einführung von Wahlmodellen, wie sie in anderen Unternehmen bereits erfolgreich funktionieren. Bei diesen Modellen können die Beschäftigten wählen, ob sie einen höheren Lohn oder mehr Urlaub bevorzugen. Konkret redet die EVG hier über die Option von drei Tagen zusätzlichem Urlaub oder einer Entgelterhöhung von 1,3 Prozent.
Der aktuelle Streik ist die Eskalationsspur nach mehreren gescheiterten Versuchen, eine Einigung zu erzielen. Seit Februar 2026 gab es bereits vier Warnstreiks und drei Verhandlungsrunden. In diesen Gesprächen hatte die Geschäftsführung unter anderem ein zweites Wahlmodell und einen Fonds Soziale Sicherung abgelehnt. Die EVG fordert nun unter anderem 250 Euro mehr monatliches Entgelt sowie 8 Prozent höhere Zuschläge.
Kampf um die Mitbestimmung in der Branche
Justin Witzeck, Tarifsekretär der EVG und aktueller Verhandlungsführer, sprach ebenfalls vor der Zentrale. Er brachte das Kernproblem auf den Punkt: „Der Arbeitgeber will nicht, dass wir mitreden. Darum geht es ihm.“ Witzeck kritisierte, dass das Unternehmen Angebote mache, die die Belegschaft gar nicht gefordert habe, wie etwa Leistungslohn oder Geldkarten. „Das Geld ist da. Dem Unternehmen geht es gut. Ihr macht eine gute Arbeit. Die Aufträge sind da. Das Unternehmen wächst“, so Witzeck. Er forderte den Arbeitgeber auf, einfach sein Handy zu nehmen und anzurufen, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen.
Der Tarifsekretär warnte zudem vor den überregionalen Folgen eines möglichen Scheiterns der Streikenden. Er sieht den Konflikt nicht auf Kirchmöser beschränkt, sondern als Testfall für die gesamte Branche. „Hier will jemand etwas beweisen, dass man die Gewerkschaft klein kriegen kann, und das fängt hier an“, erklärte er. Ein Erfolg des Arbeitgebers könnte als Signal für weitere Betriebe dienen, um die gewerkschaftliche Mitbestimmung systematisch zu untergraben.
„Deswegen ist das hier noch viel größer als nur die Gleisbaumechanik“, betonte Witzeck. Die EVG werde bundesweit kämpfen, um diesen Präzedenzfall zu verhindern. Die Gewerkschaftsvertreter sind sich sicher, dass der unbefristete Streik so lange andauern wird, bis der Arbeitgeber wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt. „Der Arbeitgeber wird bald wieder an den Tisch zurückkehren, dann werden wir einen Abschluss machen“, schloss Witzeck. „Der wird sich orientieren, was ihr auf der Mitgliederversammlung an Forderung beschlossen habt. Das will ich herausverhandeln, und deswegen stehen wir hier.“