AfD führt in neuer Umfrage vor CDU und Linke in Berlin
Eine neue Insa-Umfrage sieht die AfD mit 19 Prozent erstmals vor CDU und Linke bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl, die beiden Parteien liegen mit je 18 Prozent gleichauf
Neue Umfragen zeichnen ein verändertes Bild der Berliner Politiklandschaft knapp zwei Monate vor der entscheidenden Abgeordnetenhauswahl. Laut einer repräsentativen Untersuchung des Instituts Insa im Auftrag des Nachrichtenportals Nius liegt die AfD erstmals auf Platz eins. Wenn am kommenden Sonntag gewählt würde, käme die Partei auf 19 Prozent der Stimmen. Direkt dahinter folgen CDU und Linke, die beide jeweils 18 Prozent erreichen.
Die Grünen liegen mit 16 Prozent noch vor der SPD, die auf 13 Prozent kommt. Die FDP und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) würden mit jeweils 4 Prozent die Sperrklausel verpassen und nicht in das Landesparlament einziehen. Weitere acht Prozent entfallen auf sonstige Parteien. Bereits im Vorfeld hatten die etablierten Parteien CDU, Grüne und SPD eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen.
Wechsel vor der Wahl
Die aktuelle Datenerhebung fällt in eine Phase des Umbruchs für die Berliner Union. Befragt wurden 1.000 Berlinerinnen und Berliner zwischen dem 14. und 21. Juli online. Dieser Zeitraum liegt nach dem überraschenden Rückzug des amtierenden Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner als CDU-Spitzenkandidat. Wegner hatte seine Entscheidung Anfang Juli bekanntgegeben. Neuer Spitzenkandidat der CDU ist nun der Finanzsenator Stefan Evers, der einstimmig gewählt wurde.
Evers reagierte auf die neuen Zahlen mit einer klaren Haltung zur Koalitionsfrage. „Es gilt, was wir immer gesagt haben: Wir lehnen jede Zusammenarbeit mit radikalen oder extremen Parteien ab“, sagte er auf Anfrage. „Das gilt auch für die AfD. Sie schadet unserem Land.“ Die Fehlertoleranz der Insa-Studie liegt bei plus oder minus 3,1 Prozentpunkten.
Reaktionen der politischen Konkurrenten
Der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach wertete die Umfrage als Warnsignal. „Die Polarisierung, die CDU und Linke anheizen, schadet Berlin“, sagte der Landesvorsitzende. Er betonte, dass er um jede Stimme für eine neue SPD kämpfe, um die Stadt wieder zusammenzuführen und zu verhindern, dass rechtspopulistische Kräfte in der Hauptstadt an die Spitze marschieren.
Auch von Seiten der FDP wurde Kritik an der CDU geäußert. Landesvorsitzender Christoph Meyer warf der Union vor, grundlegende Überzeugungen über Bord zu werfen. Er verwies auf Rekordschulden, eine „bisher nicht gekannte Verwahrlosung der Stadt“, neue Belastungen für die Wirtschaft und verfehlte Wohnungsbauziele. „Ich habe Verständnis dafür, dass viele CDU-Wähler das enttäuscht“, so Meyer.
Unterschiedliche Prognosen
Umfragen spiegeln stets nur den aktuellen Moment wider und sind mit Unsicherheiten behaftet. Methodische Unterschiede können zu abweichenden Ergebnissen führen. Eine ebenfalls repräsentative Studie von Infratest Dimap, die am 16. Juli für den RBB veröffentlicht wurde, zeigt ein anderes Bild. Dort führt die Linke mit 22 Prozent vor der CDU (20 Prozent) und der AfD (16 Prozent). Die Grünen erreichen in dieser Studie 17 Prozent, die SPD 12 Prozent.
Die Diskrepanz zwischen den beiden Studien unterstreicht die hohe Dynamik im Vorfeld der Wahl am 20. September 2026. Während Insa eine Online-Befragung durchführte, nutzt Infratest Dimap oft andere Erhebungsmethoden, was die Gewichtung der Daten beeinflusst. Nachlassende Parteibindungen und kurzfristige Wahlentscheidungen erschweren den Instituten zudem die Prognosegenauigkeit.
Die letzte reguläre Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus fand 2021 statt, gefolgt von der Wiederholungswahl im Jahr 2023. Die aktuelle Legislaturperiode endet nun im September. Sollte die AfD tatsächlich ihre bisherigen Wahlergebnisse deutlich übertreffen, wie die Insa-Studie nahelegt, wäre dies ein historischer Wendepunkt für die Hauptstadt. Die verbleibenden Koalitionslogiken werden dadurch komplexer, da die Ampel-Parteien geschwächt erscheinen und die großen Blöcke um die Führung konkurrieren.