AfF führt Insa-Umfrage in Berlin vor CDU und Linken an

Eine neue Insa-Umfrage sieht die AfD mit 19 Prozent erstmals vor CDU und Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl, während der Wechsel des CDU-Spitzenkandidaten zu Stefan Evers das Stimmungsbild prägt

AfF führt Insa-Umfrage in Berlin vor CDU und Linken an
Symbolfoto · Foto: Fionn Große / Unsplash

AfD führt erstmals Insa-Umfrage in Berlin an

Knapp zwei Monate vor der entscheidenden Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 zeigt eine neue repräsentative Umfrage eine dramatische Machtverschiebung in der Hauptstadt. Laut der aktuellen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Insa, die im Auftrag des Nachrichtenportals „Nius“ durchgeführt wurde, liegt die AfD erstmals vor der CDU und der Linken auf Platz eins. Die Partei kommt auf 19 Prozent der Stimmen, falls am kommenden Sonntag gewählt würde.

Hinter der AfD folgen die Union und die Linke mit jeweils 18 Prozent nur hauchdünn zurück. Die Grünen erreichen laut Insa 16 Prozent, während die SPD auf 13 Prozent kommt. Ein deutlicher Verlierer der Befragung ist das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW): Mit nur 4 Prozent würde die Partei, die mit Alexander King antritt, an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und nicht ins Landesparlament einziehen. Gleiches gilt für die FDP, die ebenfalls bei 4 Prozent liegt. Alle sonstigen Parteien zusammen erreichen 8 Prozent.

Wechsel an der CDU-Spitze prägt das Stimmungsbild

Die Umfrage wurde zwischen dem 14. und 21. Juli 2026 unter 1.000 Berlinerinnen und Berlinern online durchgeführt. Ein entscheidender Faktor für die aktuellen Zahlen ist der personelle Umbruch bei der Union. Die Befragung erfolgte nach dem überraschenden Rückzug des amtierenden Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner als Spitzenkandidat. Wegner hatte sein Amt nach massiver Kritik an seinem Krisenmanagement während des weitreichenden Berliner Stromausfalls Anfang 2026 niedergelegt.

Als neuer Spitzenkandidat der CDU wurde daraufhin Finanzsenator Stefan Evers nominiert. Der 46-Jährige gilt als integrativ und führungsfähig, ist aber in der breiten Öffentlichkeit noch weniger bekannt als sein Vorgänger. Die CDU setzt nun darauf, dass Evers die Partei aus dem Umfragetief führen und das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen kann. Die Fehlertoleranz der aktuellen Insa-Erhebung liegt bei plus oder minus 3,1 Prozentpunkten.

Diskrepanzen zwischen den Instituten und Koalitionsdilemma

Die aktuellen Ergebnisse werfen die Frage auf, wie stabil die Prognosen in der heißen Phase vor der Wahl tatsächlich sind. Eine nur wenige Tage zuvor, am 16. Juli, veröffentlichte repräsentative Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des RBB zeigte ein völlig anderes Bild. Dort lag die Linke mit 22 Prozent klar vorn, gefolgt von der CDU mit 20 Prozent, den Grünen mit 17 Prozent und der AfD mit 16 Prozent. Die SPD kam bei dieser Erhebung auf 12 Prozent. Diese starken Schwankungen zwischen den Instituten unterstreichen die Unsicherheit der Wähler und die Schwierigkeit der Institute, kurzfristige Entscheidungen korrekt zu gewichten.

Ungeachtet der Umfragewerte zeichnet sich für alle etablierten Parteien ein schwieriges Regierungsszenario ab. Die CDU, die Grünen und die SPD haben bereits klar erklärt, eine Koalition mit der AfD auszuschließen. Sollte sich die AfD als stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus etablieren, wie es die Insa-Umfrage andeutet, droht eine Blockade bei der Regierungsbildung. Ohne die Unterstützung einer der drei großen Volksparteien könnte eine funktionierende Mehrheit kaum zustande kommen, was die politische Stabilität der Hauptstadt weiter gefährden würde.

Generell sind Wahlumfragen in dieser Phase mit Unsicherheiten behaftet. Nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen machen es den Instituten schwer, das wahre Meinungsbild präzise abzubilden. Die Zahlen spiegeln daher vor allem die Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine verlässlichen Prognosen für den Wahlausgang am 20. September.