Onberg zeigt Drohnenabwehr in Brandenburg an der Havel

Das Joint Venture Onberg Autonomous Systems präsentierte in Brandenburg an der Havel erstmals autonome Drohnenabwehrsysteme zum Schutz kritischer Infrastrukturen

Onberg zeigt Drohnenabwehr in Brandenburg an der Havel
Symbolfoto · Foto: Mika Baumeister / Unsplash

Vom Himmel geholt: Brandenburg testet Drohnenabwehr der Zukunft

Am Standort der ehemaligen Druckmaschinenfabrik in Brandenburg an der Havel hat sich die Sicherheitstechnologie der Region gewandelt. Das im März 2026 gegründete Joint Venture Onberg Autonomous Systems stellte am Donnerstag auf einem speziellen Demo-Tag seine Fähigkeiten vor. Das Unternehmen, eine Kooperation zwischen der HD Advanced Technologies (einer Tochter der Heidelberger Druckmaschinen AG) und dem US-israelischen Konzern Ondas, präsentiert nun integrierte autonome Sicherheitssysteme, die den Schutz kritischer Infrastrukturen vor Drohnenangriffen gewährleisten sollen.

Die Live-Vorführung zeigte eindrucksvoll, wie die neue Generation der Drohnenabwehr funktioniert. Ein zentrales Szenario war die Unterscheidung zwischen friedlichen und bedrohlichen Objekten. Wurde eine Drohne als unschuldig identifiziert, forderte das System sie zur Landung an einem festgelegten Punkt auf. Anschließend näherte sich ein autonomer Roboterhund, überprüfte das Objekt mit seinen Sensoren und gab es schließlich frei. In einem zweiten Fall demonstrierte das System die Abwehr einer als Bedrohung eingestuften Drohne: Eine Interceptor-Drohne flog auf den „Eindringling“ zu und warf ein Netz über ihn, um ihn sicher am Boden zu fixieren.

Technologische Reife und bewährte Systeme

Die vorgestellten Technologien basieren auf den Plattformen von Ondas, die bereits international bewährt sind. Die sogenannte Iron Drone Raider-Technologie wurde beispielsweise bereits zum Schutz des Luftraums bei Großveranstaltungen wie der FIFA und an großen europäischen Flughäfen erfolgreich eingesetzt. Michael Wellenzohn, Geschäftsführer von HD Advanced Technologies, betonte bei der Präsentation, dass moderne Gesellschaften nur dann sicher funktionieren, wenn die Energieversorgung und Logistik reibungslos laufen – beides sei jedoch zunehmend durch Sabotage und hybride Angriffe bedroht.

Um diesen Risiken zu begegnen, verbindet Onberg verschiedene Sensoren und Abwehrmechanismen in einer einheitlichen Softwarelösung. Es gehe nicht um einzelne Produkte, sondern um das nahtlose Zusammenspiel autonomer Systeme. Nur so könne ein verlässlicher Schutz gewährleistet werden, der sowohl die rechtlichen Rahmenbedingungen einhält als auch flexibel auf konkrete Bedrohungslagen reagiert.

Ein neues Gesetz für den „Brandenburger Weg“

Ein zentrales Thema des Tages war nicht nur die Technik, sondern auch der rechtliche Rahmen, der für den Einsatz solcher Systeme notwendig ist. Dr. Jan Redmann, Stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister des Landes Brandenburg, hob die Bedeutung der Verteidigungsindustrie für den wirtschaftlichen Strukturwandel der Region hervor. Das Land strebe eine bundesweite Vorreiterrolle an, indem es Betreibern sensibler Anlagen hoheitliche Befugnisse zur Drohnenabwehr überträgt.

Konkret plant das Innenministerium, den Gesetzentwurf zur Änderung des Brandenburgischen Polizeigesetzes noch im Jahr 2026 in die Ressortabstimmung zu bringen. Dieser sieht die Einführung eines neuen Paragraphen vor, der privaten Betreibern erlaubt, bei einer konkreten Bedrohung aktiv einzugreifen. Diese geplante „hybride Allianz“ soll private Akteure aktiv in die staatliche Sicherheitsarchitektur einbinden und so die begrenzten Kapazitäten der Polizei effektiv ergänzen. Hintergrund ist unter anderem die Reaktion auf schwere Vorfälle wie den Brandanschlag auf ein Umspannwerk in Berlin Anfang 2026, der zu einem der längsten Stromausfälle der Nachkriegsgeschichte führte.

Wirtschaftlicher Motor für die Region

Die Gründung von Onberg markiert einen strategischen Neuanfang für den traditionsreichen Druckmaschinenhersteller Heidelberg, der sich mit seiner Technologie-Tochter fest im Markt für Sicherheits- und Verteidigungstechnologien etablieren will. Der Standort Brandenburg an der Havel soll als Kompetenzzentrum für Entwicklung, Integration und Serienfertigung dienen.

Ziel des Landes ist es, durch schnelle Entscheidungen und technische Innovationen sowohl den Industriestandort zu stärken als auch den Schutz der Bürger dauerhaft zu gewährleisten. Die geplanten Made in Brandenburg-Produkte sollen europäische Lieferketten aufbauen und den Strukturwandel in der Region durch die Schaffung neuer Hochtechnologie-Arbeitsplätze vorantreiben. Mit diesem Schritt positioniert sich das Land nicht nur als Vorreiter in der Sicherheitspolitik, sondern auch als innovativer Wirtschaftsstandort der Zukunft.