Halbmeilenstein kehrt an B1 bei Groß Kreutz zurück

Ein sandsteinerer Halbmeilenstein kehrte nach langer Lagerung an die Bundesstraße 1 bei Groß Kreutz zurück und markiert dort wieder die historische Distanz nach Berlin

Ein schlichter preußischer Halbmeilenstein am Rande der B1 bei Groß Kreutz erinnert an die historische Poststraße. In und um Berlin wurden ab dem Jahr 1700 die ersten Säulen in Richtung Potsdam und Oranienburg aufgestellt, doch der primäre Zweck dieser Markierungen lag weniger in der reinen Orientierung, sondern vielmehr in der Berechnung der anfallenden Gebühren für den Posttransport. Zwar wurden damals auch Briefe befördert, doch der Personenverkehr spielte eine ebenso große Rolle. Grundlage für die in Rechnung gestellten Entfernungen war die preußische Meile, die nach heutigem Maß exakt 7.532,48 Meter lang war.

Serienfertigung unter dem Soldatenkönig

Im 18. Jahrhundert ließ der preußische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. die Errichtung dieser Säulen vorantreiben. Da er die Kosten selbst trug, fielen die Steine schlichter aus und wurden gleich serienmäßig produziert. Dies stand im deutlichen Kontrast zu den prächtigen sächsischen Meilensteinen, die ab 1721 unter August dem Starken entstanden. Während die sächsischen Säulen deutlich imposanter gestaltet waren, mussten die Städte und Gemeinden in Sachsen deren Finanzierung selbst übernehmen – ein Kostenpunkt, der dem preußischen König nichts kostete.

Ab 1722 wurden die Postmeilensäulen in Brandenburg als erste serienmäßig gefertigte Meilensteine in Preußen errichtet. Am Anfang des 19. Jahrhunderts waren pro zurückgelegter Meile fünf Silbergroschen fällig. Die heutige Bundesstraße 1 folgt dabei weitgehend dem Verlauf der alten Poststraße, die von Berlin über Brandenburg nach Magdeburg führte.

Ein sandsteinerner Zeuge an der B1

Unweit von Groß Kreutz Ausbau hat sich bis heute eine solche Postmeilensäule erhalten. Der sandsteinerne Halbmeilenstein ist ein schlichtes, würfelförmiges Monument, das einst die Entfernung nach Berlin markierte. An den Seiten befanden sich einst sogenannte Standarten mit Inschriften. Dort dürfte auch die Entfernung von 7,5 preußischen Meilen nach Berlin verzeichnet gewesen sein. Das entspricht einer Strecke von 56,5 Kilometern, wobei Berlin damals als Nullpunkt galt.

Vermutlich im Jahr 1802 wurde dieser sandsteinerne Halbmeilenstein aufgestellt. Er steht heute fast exakt an seinem historischen Standort. Die genaue Position konnte aufgrund der noch vorhandenen Säulen in Potsdam und Brandenburg rekonstruiert werden. Die Rettung und Rückführung des Monuments geht auf das Engagement der Forschungsgruppe Meilensteine e.V. zurück. Diese wurde 1980 gegründet und 1992 in einen eingetragenen Verein umgewandelt, um sich seit Jahrzehnten für die Erforschung und Erhaltung dieser historischen Zeugnisse einzusetzen.

Vom Chausseehaus zurück an den Straßenrand

Die Geschichte des Steins ist wechselhaft. Schon seit den 1960er Jahren lag das Monument im Vorgarten des ehemaligen Chausseehauses in Götz. Erst im Jahr 2005 barg die Straßenmeisterei die Säule aus ihrer jahrzehntelangen Lagerung. Anschließend machte sich die Forschungsgruppe auf die Suche nach Sponsoren für die notwendige Restaurierung und Wiederaufstellung. Seit Juni 2015 steht der Halbmeilenstein nun wieder am Straßenrand der Bundesstraße 1 und markiert dort, wo er es seit über zwei Jahrhunderten tun sollte.