Flussbad Berlin: Spree-Demo wegen Regen abgesagt

Eine geplante Mitschwimm-Demo in der Spree fiel wegen Regen und schlechter Wasserqualität aus, doch rund 100 Menschen demonstrierten trotzdem am Ufer gegen das Badeverbot

Flussbad Berlin: Spree-Demo wegen Regen abgesagt
Symbolfoto · Foto: Kai Nachtigal / Unsplash

Erneut musste eine geplante Mitschwimm-Demonstration in Berlin wetterbedingt abgesagt werden. Der Verein Flussbad Berlin, der zu der Aktion unter dem Motto „101 Jahre Badeverbot abwählen!“ aufgerufen hatte, teilte mit, dass die Wasserqualität nach heftigen Regenfällen am Freitag nicht zum Schwimmen geeignet sei. Ein Sprecher des Vereins bestätigte, dass die Bedingungen im Fluss aktuell zu riskant wären, um ins Wasser zu gehen.

Stattdessen versammelten sich laut Veranstalterangaben rund 100 Menschen am Ufer der Spree, um gegen das pauschale Schwimmverbot zu demonstrieren. Seit dem 20. Mai 1925 ist das Baden in der innerstädtischen Spree offiziell untersagt. Der 2012 gegründete Verein setzt sich dafür ein, dieses über einhundertjährige Verbot nicht einfach aufzuheben, sondern schrittweise in eine geregelte Erlaubnis umzuwandeln.

Schrittweise Öffnung statt pauschales Verbot

Die Forderung des Vereins lautet nicht auf ein sofortiges Freigeben des gesamten Flusses, sondern auf ein intelligentes Monitoring-System. Solche Systeme könnten in Echtzeit Auskunft über die Wasserqualität geben und Schwimmerinnen sowie Schwimmern sichere Zeiträume anzeigen. Seit 2023 betreiben das Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB) und der Verein bereits ein solches Monitoring-System im Spreekanal, um Daten zu sammeln und Risiken zu bewerten.

Rechtlich stützt sich der Verein auf das Berliner Wassergesetz, welches Baden erlaubt, sobald keine unverhältnismäßigen Gesundheitsrisiken bestehen. Eine Stellungnahme des Vereins aus dem Januar 2026 hebt hervor, dass das aktuelle pauschale Verbot vor diesem Hintergrund angreifbar ist. Andere Großstädte wie Paris, Kopenhagen oder Amsterdam haben bereits erfolgreiche Modelle für sicheres Flussschwimmen eingeführt, die auf genau dieser Kombination aus Monitoring und gestaffelten Freigaben basieren.

Historischer Kontext und Ausblick

Das Verbot von 1925 markiert das Ende einer Ära, in der es in Berlin zahlreiche öffentliche Flussbadeanstalten gab. Diese wurden nach dem Erlass geschlossen. Der Verein erinnert an diese Geschichte unter anderem mit einer permanenten Open-Air-Ausstellung im sogenannten Flussbad-Garten, die die frühere Nutzung des Flusses als Erholungsraum dokumentiert. Das langfristige Projekt sieht zudem vor, den Spreekanal nicht nur zum Schwimmen, sondern als öffentlichen Raum mit Sitzgelegenheiten und Infrastruktur aufzuwerten.

Auch im Mai 2026 war eine geplante Mitschwimm-Demo bereits wetterbedingt ausgefallen, damals kurzfristig wegen Regen und Gewitter. Die nächsten Termine für die Aktionen gegen das Badeverbot sind nun für den 20. August und den 20. September 2026 angesetzt. Ob die Wasserqualität dann eine Teilnahme im Fluss zulässt, bleibt abzuwarten. Bis dahin demonstrieren die Befürworter eines Flussbads weiterhin am Ufer für ihre Vision.