Berlin Tegel wird zum Zukunftsquartier mit Forschungspark und neuen Wohnungen

Auf dem ehemaligen Flughafen Tegel entstehen ein Forschungspark und ein neues Wohnviertel, wobei der Bau der ersten Wohnungen im Herbst 2026 startet

Berlin Tegel wird zum Zukunftsquartier mit Forschungspark und neuen Wohnungen
Symbolfoto · Foto: Etienne Girardet / Unsplash

Wo einst Flugzeuge im Minutentakt starteten und landeten, erfindet sich Berlin neu: Auf dem 500 Hektar großen Areal des früheren Flughafens Tegel entsteht ein Zukunftsquartier, das Forschung, Industrie und Wohnen verbindet. Seit der Schließung für den Passagierbetrieb im November 2020 hat sich viel getan. Die landeseigene Berlin TXL Management GmbH, die das Gelände seit August 2021 entwickelt, vermarktet und betreibt, hat den Transformationsprozess vorangetrieben. Was ist seither passiert, und welche Meilensteine stehen kurz- und mittelfristig an?

Urban Tech Republic: Ein Reallabor für Innovationen

Im Kern der Entwicklung steht die Urban Tech Republic rund um das markante Terminalgebäude. Hier entsteht ein Forschungs- und Industriepark, in dem Unternehmen und Hochschulen gemeinsam an nachhaltigen Technologien arbeiten. Ziel ist es, bis zu 1.000 Firmen mit insgesamt 20.000 Beschäftigten anzusiedeln, die ressourcensparend und CO2-neutral forschen, entwickeln und produzieren.

Aktuell arbeiten bereits 42 Firmen und Institutionen mit etwa 450 Beschäftigten am Standort. Sie nutzen Bestandsgebäude wie frühere Frachthallen und Hangars. Ein prominentes Beispiel ist ein Start-up, das in einem Hangar recycelbare Lehmziegel aus Baustellenaushub produziert. Auch ein Projekt testet hier komplexe Überwachungssysteme mit Radar, Drohnen und Audiosensoren. Geschäftsführer Felix Albrecht betont, dass Tegel für solche Tests entscheidend sei, da vergleichbare Flächen in Norddeutschland kaum verfügbar sind.

Besonders wertvoll ist der 60 Hektar große „Experimentierraum“ auf den alten Start- und Landebahnen. Unternehmen können hier autonom gesteuerte Fahrzeuge oder Drohnentechnologie in einer technisch und rechtlich sicheren Umgebung erproben. Frank Wolters, der seit 2023 gemeinsam mit Gudrun Sack die Geschäftsführung der Berlin TXL Management GmbH leitet, spricht von einem einzigartigen Reallabor. Wolters bringt dabei Erfahrung aus der Wirtschaftsförderung Paderborn mit, wo er den Technologiepark maßgeblich ausbaute.

Die Vermarktung neuer Grundstücke hat kürzlich begonnen. Diese wurden erschlossen, parzelliert und mit der notwendigen Infrastruktur für Energie und Wasser ausgestattet. Im Erbbaurecht vergeben, bleibt das Land Berlin Eigentümer der Flächen, während Unternehmen die Nutzungsrechte erhalten. Ein Vertrag mit einem ersten Investor für ein 7.000 Quadratmeter großes Grundstück steht unmittelbar bevor. Im Herbst folgt ein zweites Angebot, und ab 2027 kommen rund 95.000 Quadratmeter Gewerbeflächen auf den Markt, gefolgt von weiteren 124.000 Quadratmetern im Jahr 2028.

Das Schumacher Quartier: Wohnen im Grünen

Östlich des Flughafengeländes entsteht auf 46 Hektar das Schumacher Quartier. Hier sollen langfristig mehr als 5.000 Wohnungen für über 10.000 Menschen entstehen. Nach jahrelangen Vorbereitungen geht der Bau nun in die heiße Phase. Die landeseigene Degewo startet im Herbst 2026 mit den bauvorbereitenden Maßnahmen für das erste Baufeld: 337 Wohnungen in ressourcenschonender Holzhybridbauweise.

Die ersten Einheiten sollen Ende 2028 bezugsfertig sein, mit Mieten ab sieben Euro pro Quadratmeter. Das gesamte Viertel orientiert sich an Prinzipien der Nachhaltigkeit. Dazu gehören erneuerbare Energien, ein Regenwassermanagement nach dem „Schwammstadt-Prinzip“ sowie ein weitgehender Verzicht auf Autoverkehr. Ein besonderes Merkmal ist das „Animal-Aided Design“, ein Modellprojekt, das die Bedürfnisse von Tieren in die Stadtplanung integriert, um die Biodiversität zu fördern. Auch die kommunale Gesobau erschließt weitere Baufelder, und Genossenschaften sollen perspektivisch in größerem Stil bauen können.

Das Terminal als Hochschulcampus und Innovationszentrum

Das prägnante Sechseck des ehemaligen Terminals bleibt weitgehend erhalten und steht unter Denkmalschutz. Es wird zum Herzstück der neuen Nutzung. Die Berliner Hochschule für Technik (BHT) zieht mit rund 2.500 Studierenden in Terminal A ein. Die Vorarbeiten für den Umbau sind abgeschlossen, und der Spatenstich steht kurz bevor. Wenn alles nach Plan verläuft, sollen Anfang der 2030er Jahre die ersten Studenten auf dem Campus ankommen.

Terminal B soll zu einem Gründungs-, Innovations- und Kongresszentrum umgebaut werden. Die Planungen für den Baubeginn im Jahr 2028 laufen bereits. Terminal D ist als Technologiezentrum für Mobilität, Künstliche Intelligenz und Robotik vorgesehen, wobei die Bauplanung für das nächste Jahr startet.

Verkehrsanbindung: Tram bis 2034 und autonome Lösungen

Die Frage der Verkehrsanbindung war lange umstritten. Während frühere Ideen eine Magnetschwebebahn oder eine U-Bahn vorsahen, hat der Berliner Senat Anfang 2024 die Entscheidung für eine neue Straßenbahnlinie getroffen. Diese soll das Quartier an die U6 anbinden. Laut Senatsverkehrsverwaltung startet nun die Vorplanung, als mögliches Fertigstellungsjahr gilt 2034.

„Das kommt für uns natürlich ein wenig spät“, räumt Frank Wolters ein. Bis dahin sind kreative Interimslösungen im Gespräch. Wolters plant, das Innovationszentrum im Terminal B ab 2031 mit autonom gesteuerten Fahrzeugen an die U- und S-Bahn anzubinden. Da viele Tüftler, die genau an solchen Lösungen arbeiten, direkt vor Ort sitzen, könnte Tegel zum Vorreiter für diese neue Mobilitätsform werden.