Brandenburg meldet 461 antisemitische Vorfälle im Jahr 2025 trotz leichtem Rückgang

Die Fachstelle für Antisemitismus in Brandenburg verzeichnete 2025 insgesamt 461 Vorfälle, ein leichter Rückgang auf einem weiterhin sehr hohen Niveau. Seit 2019 hat sich die Zahl der registrierten Fälle verdoppelt

Brandenburg meldet 461 antisemitische Vorfälle im Jahr 2025 trotz leichtem Rückgang
Symbolfoto · Foto: Levi Meir Clancy / Unsplash

Antisemitismus bleibt in Brandenburg eine ernste Herausforderung für die Gesellschaft. Zwar verzeichnete die Fachstelle für Antisemitismus im vergangenen Jahr mit 461 registrierten Vorfällen einen leichten Rückgang von 23 Fällen im Vergleich zum Vorjahr, doch das Niveau bleibt laut Monitoringbericht „sehr hoch“. Seit der Gründung der Fachstelle im Jahr 2019 hat sich die Zahl der gemeldeten Vorfälle verdoppelt.

Staatssekretär Dr. Johannes Wagner, der seit März 2026 im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt tätig ist, warnte vor einer zunehmenden Sichtbarkeit des Hasses. Er betonte, dass Antisemitismus öffentlicher und unverhohlener werde, und forderte den gemeinsamen Einsatz aller Menschen mit Anstand und Verstand, um geschlossen gegen die Feindseligkeit vorzugehen.

Konkrete Angriffe und Bedrohungen

Die dokumentierten Vorfälle reichen von verbalen Attacken bis hin zu physischer Gewalt. Der Bericht dokumentiert eine Vielzahl von Vorfällen, die von Beleidigungen bis hin zu körperlichen Übergriffen und Sachbeschädigungen reichen.

Der Großteil der 461 Fälle entfiel mit 366 Vorfällen auf „verletzendes Verhalten“, wobei es sich meist um Beleidigungen handelte. Hinzu kamen 58 Fälle, in denen explizite Bedrohungen ausgesprochen wurden, sowie 43 Fälle gezielter Sachbeschädigung. Derviş Hızarcı, Vorstandsvorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) und Trägerverein der Fachstelle, schätzt, dass etwa jeder zweite Vorfall dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet werden kann.

Politischer Rahmen und Entwicklung seit 2023

Ein deutlicher Anstieg antisemitischer Taten ist insbesondere seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 zu beobachten. Die Fachstelle für Antisemitismus, die 2019 eingerichtet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, jüdisches Leben in Brandenburg sichtbarer und selbstverständlicher zu machen.

Dieses politische Bekenntnis wurde bereits 2022 untermauert, als die Förderung jüdischen Lebens als Staatsziel in der brandenburgischen Landesverfassung verankert wurde. Dennoch zeigt die aktuelle Entwicklung, dass trotz dieser rechtlichen und institutionellen Maßnahmen die Bedrohungslage weiterhin akut ist. Der Bericht hebt zudem hervor, dass Antisemitismus zunehmend in das private Wohnumfeld eindringt, was eine neue Qualität der Bedrohung für die Betroffenen darstellt.