Ex-Staatssekretär und Opernintendant fordern von Berlinern Kandidaten mehr Visionen für die Kultur

Ehemaliger Kulturstaatssekretär André Schmitz und Ex-Opernintendant Dietmar Schwarz kritisieren im Wahlkampf das Fehlen von Visionen für Berlins Kulturförderung und fordern die Spitzenkandidaten auf, Kultur als essenziellen Wirtschaftsfaktor zu begreifen

Ex-Staatssekretär und Opernintendant fordern von Berlinern Kandidaten mehr Visionen für die Kultur
Symbolfoto · Foto: Murat Tost Photograph / Unsplash

Ein früherer Berliner Kulturstaatssekretär und ein langjähriger Opernintendant haben im aktuellen Wahlkampf eine deutliche Lücke in der politischen Debatte ausgemacht: Die Zukunft der Berliner Kultur wird kaum thematisiert. André Schmitz und Dietmar Schwarz forderten in einer gemeinsamen Stellungnahme ein klares Bekenntnis zur Kultur sowie eine Aufstockung der finanziellen Mittel. „Die Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen haben in den vergangenen beiden Jahren drastische Einschnitte hinnehmen müssen. Das Ansehen Berlins als Kulturmetropole hat darunter gelitten“, schrieben die beiden.

Fehlende Visionen im Wahlkampf

Die Kritik richtet sich auch gegen die aktuellen Spitzenkandidaten. Der CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers spreche zwar gerne über die Potenziale der Hauptstadt, habe die Kultur in einem jüngeren Interview jedoch nicht erwähnt. „Wer regieren will, sollte nicht nur über die Probleme dieser Stadt sprechen, sondern auch ihre größte Stärke“, betonten Schmitz und Schwarz. Ihrer Auffassung nach ist Kultur kein Luxus, sondern Identität, Wirtschaftsfaktor und internationales Aushängeschild zugleich. Wer dies erkenne und entsprechend handle, der stärke nicht nur die Kunst, sondern die Zukunft Berlins.

Ein Blick auf die Akteure

André Schmitz, der von 2006 bis 2014 als Staatssekretär für Kultur amtierte, prägte die Berliner Kulturlandschaft über acht Jahre lang maßgeblich und berief viele heute führende Intendanten. Sein Rückzug aus dem Amt im Jahr 2014 war damals politisch umstritten. Sein Co-Autor Dietmar Schwarz leitete die Deutsche Oper Berlin 13 Jahre lang, von 2012 bis Juli 2025, und verabschiedete sich mit einer konzertanten Aufführung von Massenets „Werther“. Beide gelten als Kenner der Berliner Szene, die nun warnen, dass die kulturelle Identität der Stadt im politischen Diskurs untergeht.

Haushalt und Transformationsfonds

Die beiden Autoren räumten ein, dass die finanzielle Lage Berlins schwierig sei. Dennoch sei der Anteil der Kulturausgaben am Gesamthaushalt überschaubar. Der aktuelle Doppelhaushalt 2026/2027 sieht für den Kulturbereich 957,3 Millionen Euro für das Jahr 2026 und 974,5 Millionen Euro für 2027 vor. Das entspricht einem Anteil von etwa zwei Prozent am Gesamthaushalt – ein Wert, der sich seit 2016 kaum verändert hat.

Ein neues Element im Haushalt ist jedoch ein Transformationsfonds. Mit 17 Millionen Euro pro Jahr soll dieser Fonds zukunftsweisende Entwicklungen in der Kulturlandschaft finanzieren. Sarah Wedl-Wilson, die derzeit die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt leitet, bezeichnete den Haushalt bereits als konstruktiven Kompromiss.

Kultur als Investition

Trotz des Konsolidierungsdrucks bleibt die Frage offen, ob Berlin langfristig konkurrenzfähig bleibt. In anderen deutschen Metropolen wie München oder Hamburg liegt der Kulturanteil im Haushalt oft höher. Schmitz und Schwarz vergleichen die Situation mit einem erfolgreichen Unternehmen: „Jedes erfolgreiche Unternehmen würde seine Stärken weiterentwickeln, in sie investieren, wenn sie zukunftsfähig sind.“ Die Forderung der beiden Ex-Verantwortlichen ist klar: Die Politik muss Kultur nicht als Kostenfaktor, sondern als essenziellen Investitionsbereich begreifen, der Berlins Position als Weltstadt sichert.