Steigende Sexualdelikte im Berliner Nahverkehr führen zu Forderung nach Frauenabteilen
Trotz rückläufiger Kriminalität im Berliner Nahverkehr steigen Sexualdelikte deutlich an, was die Grünen zu einer Forderung nach Frauenabteilen bewegt
Trotz eines leichten Rückgangs der Gesamtzahl an Straftaten im Berliner öffentlichen Nahverkehr zeichnet sich ein beunruhigender Trend ab: Während Diebstähle und Körperverletzungen seltener werden, nehmen Sexualdelikte deutlich zu. Im Jahr 2025 wurden in U-Bahnen, S-Bahnen, Trams, Regionalzügen und Bussen insgesamt 13.585 Straftaten registriert. Das entspricht einem Rückgang von rund zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Einzig bei den Sexualdelikten und der Zahl weiblicher Opfer verzeichneten Senatsinnenverwaltung und Polizei einen Anstieg.
Die häufigsten Delikte bleiben nach wie vor Taschendiebstähle, gefolgt von sonstigen Diebstählen und Körperverletzungen. Die Tatorte verteilen sich dabei nicht nur auf die Fahrzeuge selbst, sondern auch auf Bahnhöfe und Haltestellen. Bei den Sexualdelikten jedoch zeigt sich ein anderes Bild: Hier stieg die Zahl der Anzeigen um knapp neun Prozent von 388 Fällen im Jahr 2024 auf 421 Fälle im Jahr 2025.
Eindeutige Geschlechterverteilung bei Opfern und Tätern
Die Statistik liefert klare Antworten auf die Frage, wer betroffen ist und wer verdächtigt wird. Bei den 407 als Opfer gezählten Personen waren 2025 ganze 364 weiblich, was einem Anteil von 89 Prozent entspricht. Auch bei den mutmaßlichen Tätern ist die Verteilung eindeutig: In den Fällen, in denen ein Verdächtiger ermittelt werden konnte, waren 171 von 174 Personen männlich (98 Prozent).
„Sexualisierte Gewalt im ÖPNV ist Gewalt von Männern gegenüber Frauen“, betonte die Grünen-Abgeordnete Antje Kapek, die die Zahlen in einer Anfrage an den Senat ausgewertet hat. Kapek, die seit 2011 dem Berliner Abgeordnetenhaus angehört und bis 2022 die Fraktion führte, verwies darauf, dass dieser Trend bereits in den Vorjahren sichtbar geworden sei. Besonders betroffen seien S-Bahn und Regionalbahnen inklusive der Bahnhöfe, die U-Bahn sowie Straßenbahnhaltestellen.
Ob der Anstieg tatsächlich auf mehr Taten oder auf eine gestiegene Bereitschaft der Opfer zurückzuführen ist, eine Anzeige zu erstatten, lässt die Statistik offen. Unklar bleibt auch, wie viele der Delikte durch die vorhandene Infrastruktur aufgeklärt werden konnten. Die Videoüberwachung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle: Von den aufgeklärten Taten wurden lediglich 29 durch die Auswertung von BVG-Videomaterial gelöst, davon waren nur fünf Sexualdelikte.
Forderung nach Frauenabteilen stößt auf technische Hürden
Angesichts der wachsenden Zahl an Übergriffen fordert Kapek erneut eigene Abteile in U- und S-Bahnen für Frauen, zumindest als Pilotprojekt. Solche Maßnahmen gibt es bereits in einigen Großstädten weltweit, etwa in Tokio oder Riad. In Berlin stößt die Idee jedoch auf Widerstand. Eine entsprechende Petition, die 2026 über 16.000 Unterschriften gesammelt hatte, wurde bisher nicht aufgegriffen.
Die Senatsinnenverwaltung und die BVG verweisen auf bestehende Sicherheitskonzepte. Täglich seien rund 250 eigene Wachleute der BVG im gesamten Netz im Einsatz, zudem setze die Deutsche Bahn über 600 Sicherheitskräfte in ihren Zügen ein. „Die BVG hat den Anspruch und das Ziel, dass alle Fahrgäste zu jeder Zeit in unseren Fahrzeugen und Anlagen sicher sind“, hieß es aus der Verwaltung.
Ein zentrales Argument gegen getrennte Bereiche ist jedoch technischer Natur. Viele neue U-Bahn-Züge sind über die gesamte Länge durchgehend begehbar, was physische Abtrennungen zwischen den Wagen kaum noch möglich macht. Da getrennte Bereiche in solchen modernen Fahrzeugen nicht umsetzbar seien, lehnen Senat und Verkehrsbetriebe die Einrichtung von Frauenabteilen ab. Stattdessen setzt man auf Präsenz und technische Lösungen wie Notrufe, während die Debatte über die Wirksamkeit dieser Maßnahmen angesichts der steigenden Zahlen weitergeht.