Erstes Wisentkalb in der Döberitzer Heide gesichtet
Ein seltenes Wisentkalb wurde in der Döberitzer Heide gesichtet, wo die größte Herde Deutschlands lebt und der Nachwuchs vom Ehrenamtlichen Ingolf König beobachtet wurde
In der Döberitzer Heide hat die größte Wisentherde Deutschlands erneut für Furore gesorgt: Ein wenige Tage altes Wisentkalb wurde gesichtet. Die seltene Beobachtung gelang dem Naturfotografen Ingolf König, der als Ehrenamtlicher der Heinz Sielmann Stiftung das Gebiet regelmäßig dokumentiert. Mutter und Nachwuchs zogen sich nach der Geburt rasch in die dicht bewaldete Kernzone zurück, die für Besucher nicht zugänglich ist.
„Im Juni ziehen sich die Wisentkühe in die dichteren und ruhigeren Bereiche der für Besucher nicht zugänglichen Kernzone zurück“, erklärte eine Sprecherin der Stiftung. Dort bringe das Muttertier ihr Kalb allein zur Welt. „Nach ein bis zwei Tagen kehren sie zur Herde zurück, wo sich die Jungtiere bald zu kleinen Spielgruppen zusammenfinden.“ Ein so junges Kalb aus dieser Distanz zu sehen, komme laut Experten nur äußerst selten vor.
Deutschlands größte Wisentherde
Die Döberitzer Heide beherbergt aktuell rund 130 Wisente und ist damit das größte Wisentprojekt auf deutschem Boden. Das weitläufige Areal von 1.860 Hektar dient als geschützte Kernzone, die durch einen dreifachen Zaun – bestehend aus Maschendraht und zwei Elektrozäunen – strikt vom öffentlichen Raum getrennt ist. Neben den Wisenten leben in diesem Rückzugsgebiet auch etwa 20 Przewalski-Pferde und rund 100 Rothirsche völlig ungestört von menschlichen Einflüssen.
Die Tiere erfüllen eine entscheidende ökologische Funktion als Landschaftspfleger. Als schwerste Landsäugetiere Europas prägen sie aktiv ihren Lebensraum. Sie verbeißen junge Gehölze, verhindern so ein Zuwachsen der Flächen und trampeln Sandboden frei. In diesen offenen Sandstellen können Wildbienen und andere bodenbrütende Insekten ihre Nester anlegen, was die Artenvielfalt im gesamten Gebiet fördert.
Von Truppenübungsplatz zu Naturschutzgebiet
Die Döberitzer Heide ist ein einzigartiges Beispiel für die Transformation von militärischen Brachflächen zu wertvollen Naturräumen. Über 95 Jahre lang, bis 1991, diente das Gebiet als Truppenübungsplatz. Diese lange Zeit der ungestörten Nutzung schuf wertvolle Lebensräume, die sich heute als Refugium für bedrohte Tierarten erwiesen haben. Seit 2004 entwickelt die Heinz Sielmann Stiftung das Gelände systematisch weiter, wobei die Wiederansiedlung der Wisente einen zentralen Pfeiler des Artenschutzprojekts darstellt.
Obwohl das Kerngebiet für die Öffentlichkeit geschlossen bleibt, können sich Naturliebhaber in der Umgebung über die Tiere informieren. Seit März 2024 steht im nahen Elstal ein neues Natur-Erlebniszentrum zur Verfügung, das über die Artenvielfalt und die Arbeit der Stiftung aufklärt. In der umliegenden Ringzone stehen zudem etwa 55 Kilometer öffentliche Wege zur Verfügung, um die Natur der ehemaligen Heide aus sicherer Distanz zu erleben. Trotz der Nähe zu Berlin – das Zentrum der Hauptstadt liegt nur etwa 25 Kilometer entfernt – hat sich hier eine fast ursprüngliche Wildnis entwickelt.