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Entenfamilie brütet erneut auf Balkon in Brandenburg an der Havel

Eine Entenfamilie brütet erneut auf einem Balkon in Brandenburg an der Havel, wobei die frisch geschlüpften Küken nach Unterstützung sicher ins Wasser geführt wurden

Im Juli letzten Jahres sorgte eine ungewöhnliche Entenfamilie in Brandenburg an der Havel für Aufsehen: Auf einem Balkon in der Hauptstraße schlüpften die Küken, durchquerten anschließend Wohnung, Treppenhaus und Innenstadt, bevor sie unter der Jahrtausendbrücke am Heine‑Ufer ins Wasser gelangten. Auch in diesem Jahr berichtet ein Havelblatt‑Leser, Michael Kürschner, von eigenen Balkon‑Küken, die nach dem Schlüpfen erfolgreich ausgewildert wurden.

Hintergrund: Enten auf Balkonen

Balkone haben sich in deutschen Städten zu attraktiven Nistplätzen für Stockenten (Anas platyrhynchos) entwickelt. Sie bieten Schutz vor bodenbasierten Prädatoren wie Füchsen, Waschbären und Krähen, die auf dem Boden leichter Zugang finden. Gleichzeitig stellen die Wege von Balkon‑ bis zum Gewässer für die Jungvögel ein hohes Risiko dar: Straßen, Treppenhäuser und stark befahrene Stadtstraßen erhöhen die Mortalität, weshalb der NABU häufig Hilfsaktionen organisiert.

Profil: Manfred Pohl vom NABU

Manfred Pohl, 62 Jahre alt, leitet seit 2005 die Fachgruppe Ornithologie beim NABU‑Kreisverband Potsdam‑Havelland, dem regionalen Zweig des NABU Brandenburg. In seiner langjährigen Tätigkeit hat er zahlreiche städtische Brutereignisse beobachtet und berät sowohl Behörden als auch Bürger zu artgerechten Maßnahmen für brütende Enten.

Statistik und rechtlicher Schutz

Der NABU Leipzig verzeichnet jährlich etwa 100 Stockentenbruten auf Gebäuden; bis April 2021 waren bereits 13 Fälle gemeldet, was den Trend zu immer mehr urbanen Brutplätzen belegt. Nach § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes und der EU‑Vogelschutzrichtlinie sind Stockenten besonders geschützt. Das Stören, Entfernen oder Zerstören von Nestern ist ausdrücklich verboten, was auch für Balkon‑Nester gilt.

Prädatoren und Stadtentwicklung

Im Jagdjahr 2019/2020 wurden in Brandenburg laut Jagdstatistik 36 900 Waschbären erlegt – ein Anstieg von rund 800 % gegenüber 2004/05. Die fast flächendeckende Verbreitung dieser opportunistischen Raubtiere erklärt, warum Enten vermehrt höhere, schwer zugängliche Nistplätze wie Balkone wählen. Gleichzeitig fördert das städtische Programm „Jahr der Stadtbäume“, das seit 2020 in Brandenburg an der Havel läuft, die Schaffung von Grün‑ und Wasserflächen im Innenstadtkern und schafft damit zusätzliche Lebensräume für Wasservögel.

Ausblick: Erfolgreiche Auswilderung

Michael Kürschners Erfahrung zeigt, dass gezielte Unterstützung beim Verlassen des Balkons zum Erfolg führen kann. Nachdem die Küken das Nest verlassen hatten, wurden sie von freiwilligen Helfern sicher zum nahegelegenen Gewässer begleitet. Solche Aktionen verdeutlichen, wie Bürgerengagement und fachkundige Beratung des NABU zusammenwirken, um das Überleben urbaner Entenfamilien zu sichern.