Einhornteppich kehrt nach Restaurierung und Ausstellung in die St. Gotthardtkirche zurück
Der mittelalterliche Einhornteppich kehrt nach Restaurierung und Ausstellung im Museum Barberini in die St. Gotthardtkirche zurück, während eine neue Podcast-Folge das Rätsel um Herkunft und Deutung des Unikats beleuchtet
In der neuen Folge des Podcasts „Denkmalzeit“ des Archäologischen Landesmuseums Brandenburg (BLDAM) steht ein europaweit einzigartiges Kunstwerk im Mittelpunkt: der mittelalterliche Einhornteppich in der St. Gotthardtkirche in Brandenburg an der Havel. Die 83. Ausgabe, veröffentlicht am 10. Juli 2026, widmet sich dem Rätsel um Herkunft und Deutung des Werkes und begleitet gleichzeitig die Rückkehr des Teppichs an seinen historischen Standort nach einer mehrmonatigen Abwesenheit.
Das ca. 5 Meter lange Wirkstück stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert und wurde um das Jahr 1500 angefertigt. Lange Zeit war die genaue Entstehungszeit und der Ursprungsort unklar. Die Restauratorin Julia Zitzmann vertritt die These, dass der Teppich in Lüneburg entstanden sein könnte. Bis heute ist jedoch nicht abschließend geklärt, was die Darstellung der Jungfrau mit dem Einhorn genau symbolisiert. Mögliche Interpretationen reichen von einer Allegorie auf Christus bis hin zu einer Darstellung einer schwierigen Lebensentscheidung.
Rückkehr nach Restaurierung und Ausstellung
Der Teppich war von Oktober 2025 bis Februar 2026 im Museum Barberini in Potsdam zu sehen, wo er in der Ausstellung „Einhorn“ einem breiten Publikum präsentiert wurde. Diese internationale Präsentation unterstrich die herausragende Bedeutung des Kunstwerks. Nun kehrt er in die St. Gotthardtkirche zurück, wo er in einer neuen, speziell angefertigten Vitrine ausgestellt wird.
Die Rückkehr war mit erheblichen Investitionen verbunden. Die aufwendige Restaurierung des empfindlichen Gewebes kostete rund 60.000 Euro. Hinzu kamen 90.000 Euro für die neue Spezialvitrine. Diese klimatisierte Glasbox wiegt 2,5 Tonnen und wurde von der Firma Reiher aus Lauta gefertigt. Sie gehört zu den größten ihrer Art und ist mit modernster Alarm- und Lichttechnik ausgestattet, um das wertvolle Objekt dauerhaft vor Umwelteinflüssen und Diebstahl zu schützen.
Historische Wendepunkte und kreative Vermittlung
Die Geschichte des Teppichs ist nicht frei von dramatischen Momenten. Er wurde erstmals 1883 in den Quellen erwähnt. Eine besondere Zäsur erlebte das Kunstwerk im Jahr 1903: Damals drohte der Verkauf des Einhornteppichs nach Berlin für 4.500 Reichsmark. Der damalige Magistrat der Stadt konnte diesen Verkauf jedoch verhindern und sicherte so das kulturelle Erbe für Brandenburg an der Havel.
Um das Interesse an diesem historischen Schatz auch bei jüngeren Generationen zu wecken, begleitete ein kreatives Projekt die Rückkehr. Die „Brandenburger Bücherkinder“, eine Gruppe aus der lokalen Grundschule, setzten sich intensiv mit dem Motiv auseinander und gestalteten ein eigenes Einhornbuch. Im Podcast kommen neben Wissenschaftlern und Besuchern auch diese Kinder zu Wort, die ihre Sicht auf das mittelalterliche Kunstwerk teilen.
Der Podcast „Denkmalzeit“ ist als Folge 083 unter dem Titel „Das geheime Einhorn von Brandenburg an der Havel“ verfügbar. Interessierte können die Sendung auf verschiedenen Plattformen wie Spotify, iTunes, YouTube und podcast.de anhören. Dort erfahren Hörer mehr über die Geheimnisse des Teppichs und die Bemühungen, dieses einzigartige Zeugnis der Vergangenheit für die Zukunft zu bewahren.