CSD Berlin warnt vor Instrumentalisierung nach der Tat
Nach dem Anschlag im Tiergarten warnt der Berliner CSD-Verein vor politischer Instrumentalisierung und fordert Solidarität statt Spaltung
Die Veranstalter des Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben nach dem schweren Terroranschlag am Rande der Abschlussfeier in einer Stellungnahme vor vorschnellen Urteilen gewarnt. Der Berliner CSD-Verein appelliert an die Gesellschaft, Solidarität statt Spaltung zu zeigen. Ein Sprecher betonte vor Journalisten in Berlin, man wolle nicht, dass diese Tat für politische Zwecke instrumentalisiert werde oder Menschen unter Generalverdacht gestellt würden.
Der Verein erklärte, hinter solcher Gewalt stecke der Versuch, die Gesellschaft zu spalten und Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Das werde nicht zugelassen.
Hintergrund des Appells ist der Angriff am Samstagabend im Berliner Tiergarten. Ein Autofahrer hatte zunächst Menschen angefahren und attackierte anschließend weitere Passanten mit einer Art Machete. Während zunächst von einer Fahndung nach dem Tatverdächtigen die Rede war, haben sich die Umstände mittlerweile geklärt: Der mutmaßliche Täter Abdul B. wurde am Sonntag, dem 26. Juli 2026, bei einem Polizeieinsatz erschossen. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.
Bei dem Anschlag am 25. Juli 2026 an der Lennéstraße und dem Ahornsteig kam eine 65-jährige Frau aus Polen ums Leben. 29 weitere Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) stuft den Vorfall als islamistischen Terroranschlag ein.
Haltung der Veranstalter
Nötig sei jetzt Besonnenheit und Anteilnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen, so der Sprecher des CSD-Vereins. Er erklärte, man beteilige sich nicht an Spekulationen, sondern warte die laufenden Ermittlungen der Polizei ab. Klar sei, dass der Berliner CSD-Verein jede Form von Gewalt ablehne. Ideologische, also religiöse Ideologien oder rechte Ideologien verfolgten beide das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken. Der Berliner CSD stehe für Zusammenhalt, Respekt und Solidarität.
Hintergrund zum Berliner CSD
Der Berliner Christopher Street Day zählt zu den größten Straßenfesten und Demonstrationen der LGBTQ+-Community weltweit. Bereits 1979 fand der erste CSD in Berlin statt, damals nahmen unter dem Motto „Mach dein Schwulsein öffentlich!“ noch 400 Personen teil. Heute gilt die Veranstaltung als einer der größten CSDs Europas mit mehreren hunderttausend Besuchern.
Die Route führt seit einigen Jahren durch zentrale Berliner Orte wie die Leipziger Straße, den Potsdamer Platz und den Nollendorfplatz. Die Kundgebung endet traditionell am Brandenburger Tor. Inmitten dieses großen Festes für Vielfalt und Akzeptanz steht nun die Trauer um das Todesopfer und die Sorge um die Sicherheit der Teilnehmenden.