Crumbach warnt vor teurem Deutschlandticket
Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach warnt, dass massive Mehrkosten für Trassenpreise das Deutschlandticket verteuern oder zu Zugstreichungen führen könnten
Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach sieht die Zukunft des Deutschlandtickets durch geplante Preiserhöhungen bei den Trassengebühren ernsthaft bedroht. Der SPD-Politiker warnt, dass massive Mehrkosten für die Nutzung des Schienennetzes dazu führen könnten, dass das begehrte Monatsangebot für die Fahrgäste deutlich teurer wird oder gar Zugverbindungen gestrichen werden müssen. „Das Deutschlandticket ist das größte Versprechen für bezahlbare Mobilität, das wir den Menschen in diesem Land seit Jahrzehnten gegeben haben“, so Crumbach. Wer nun die Trassenpreise für S-Bahnen und Regionalzüge massiv anhebe, mache sich faktisch von diesem Versprechen los, da die zusätzlichen Netzentgelte letztlich aus der Finanzierung der Zugangebote fehlten.
Rechtlicher Konflikt um die Schienenmaut
Der Auslöser für die aktuelle Debatte ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 19. März 2026. Der Gerichtshof hatte die deutsche Regelung gekippt, die im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) die Preise für die Schienennutzung bisher gedeckelt hatte. Die Entscheidung begründet sich darauf, dass die Preisbremse gegen EU-Recht verstoßen habe. Die Aufhebung des Deckels führt nun nicht nur zu höheren laufenden Kosten, sondern auch zu Nachzahlungen, die die Länder und Verkehrsverbünde tragen müssen. Da diese Mehrbelastungen nach Einschätzung der Bundesländer nicht aus den vorhandenen Haushalten zu stemmen sind, fordern sie dringend eine finanzielle Kompensation vom Bund.
Drei Optionen ohne Bundeshilfe
„Mit jedem zusätzlichen Euro, den wir für Trassenentgelte zahlen müssen, steigt der Druck, entweder das Deutschlandticket weiter zu verteuern oder beim Angebot zu sparen“, erklärte Crumbach. Beides bewerte er als falsch, da es die Attraktivität des Tickets gefährde. Sollte der Bund die Regionalisierungsmittel nicht deutlich aufstocken, blieben den Ländern laut Minister nur drei unangenehme Optionen: Züge gestrichen, Tickets teurer gemacht oder das Deutschlandticket zu einer „Mogelpackung“ verwässert. „Man wolle nicht tatenlos zusehen, wie die Kosten bei den Passagieren abgeladen werden“, betonte der Minister.
Rechtliche Schritte und bundesweite Kritik
Die Landesregierung in Potsdam prüft derzeit sehr genau, welche rechtlichen Schritte gegen die neuen Trassenpreis-Bescheide möglich sind. Crumbach signalisierte dabei Bereitschaft, den Weg bis vor Gericht zu gehen, um die Finanzierungslücke zu schließen. Die Sorgen Brandenburgs teilen auch andere Akteure: Der Deutsche Städtetag hatte bereits im April 2026 davor gewarnt, dass ohne zusätzliche Finanzierung des Bundes selbst das heutige Angebot im ÖPNV nicht gesichert sei. Auch in anderen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg wurden ähnliche Warnungen ausgesprochen, wobei dort ein Sofortprogramm des Bundes zur Kompensation der Mehrkosten gefordert wird.
Robert Crumbach, Jurist und seit Mitte März 2026 brandenburgischer Minister für Infrastruktur und Landesplanung, macht mit dieser Positionierung deutlich, dass die Aufrechterhaltung des bezahlbaren Nahverkehrs eine der ersten großen verkehrspolitischen Herausforderungen seiner Amtszeit darstellt. Ohne eine Einigung auf eine neue Kostenverteilung zwischen Bund und Ländern droht das Versprechen einer flächendeckenden, günstigen Mobilität zu platzen.