Redmann will Drohnenabwehr für Betreiber erlauben
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann plant einen Gesetzentwurf, der Betreiber kritischer Infrastruktur zur eigenständigen Abwehr von Drohnenangriffen befähigt
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann plant einen einschneidenden Schritt zur Stärkung der nationalen Sicherheit: Betreiber kritischer Infrastrukturen sollen künftig befähigt werden, sich eigenständig gegen Drohnenangriffe zu verteidigen. Bisher war die Abwehr solcher Bedrohungen strikt der Polizei vorbehalten. Mit einem neuen Gesetzentwurf will die Landesregierung Strom-, Gas- und Wasserversorger in die Lage versetzen, technische Schutzmaßnahmen selbstständig einzusetzen.
„Wir arbeiten gegenwärtig an einem Gesetzentwurf, der die Betreiber kritischer Infrastrukturen in die Lage versetzen soll, sich selbst besser zu schützen“, erklärte der CDU-Politiker dem Nordkurier. Zu den geplanten Maßnahmen zählen nicht nur physische Schutzvorkehrungen, sondern auch der Einsatz von Drohnenabwehrsystemen und eine ausgeweitete Videoüberwachung. Redmann betonte, dass die aktuelle Situation in Deutschland und speziell in Brandenburg zu gefährlich sei.
Gefährdete Knotenpunkte im Netz
Ein zentrales Problem sieht Redmann in der leichten Verfügbarkeit von sensiblen Informationen im Internet. „Wer in Deutschland das öffentliche Leben lahmlegen will, weiß zu einfach, wo die Schwachstellen sind“, kritisierte der Minister. Informationen über die Knotenpunkte der Elektrizitäts- oder Gasversorgung seien heute mit wenigen Klicks erreichbar. „Wenn man das weiß, kann man mit einfachsten Mitteln größtmögliches Chaos verursachen“, warnte Redmann vor den potenziellen Folgen solcher Angriffe.
Um diesen Informationsfluss zu unterbinden, bereitet das Land Brandenburg nicht nur den Entwurf zur Drohnenabwehr vor, sondern plant parallel eine Änderung des Akteneinsichts- und Informationszugangsgesetzes (AIG). Ziel ist es, den Zugang zu Daten über kritische Infrastrukturen weiter einzuschränken. Dieser Schritt folgt einem bundesweiten Trend; auch Berlin, Schleswig-Holstein und Thüringen erwägen ähnliche Maßnahmen. Experten warnen jedoch davor, dass pauschale Einschränkungen der Informationsfreiheit demokratische Prinzipien schwächen könnten.
Besuch bei Onberg in Brandenburg/Havel
Die praktische Umsetzung der Pläne wird am Mittwoch unterstrichen: Jan Redmann besucht das Unternehmen Onberg in Brandenburg/Havel. Das Joint Venture, das im April 2026 den operativen Betrieb aufgenommen hat, entwickelt spezialisierte Systeme zum Schutz kritischer Infrastrukturen. Der Innenminister nimmt dabei an Vorführungen autonomer Drohnenabwehrsysteme teil. Dieser Besuch unterstreicht die lokale Verankerung der Sicherheitsindustrie in der Region und zeigt, dass Brandenburg eigene technologische Lösungen für die neuen Bedrohungslagen fördert.
Der Drang zu neuen Sicherheitsgesetzen folgt auf eine Reihe von Vorfällen, darunter den Anschlag auf das Berliner Stromnetz und eine Zunahme von Drohnenbedrohungen. Jan Redmann, Jurist und seit dem 18. März 2026 brandenburgischer Innenminister sowie Landesvorsitzender der CDU, hatte zuvor von 2019 bis 2026 den Fraktionsvorsitz der CDU im Landtag inne. Mit dem neuen Kurs will er die Resilienz des Landes gegen hybride Bedrohungen deutlich erhöhen.