Busan entscheidet über Welterbe für Zehlendorf
Das Unesco-Komitee entscheidet in Busan über die Aufnahme der Waldsiedlung Zehlendorf als Erweiterung des Welterbes Siedlungen der Berliner Moderne, die Abstimmung soll bis Montagmorgen deutscher Zeit vorliegen
Entscheidung in Busan steht bevor
In Südkorea läuft die Entscheidung über neue Einträge auf der Liste des Weltkulturerbes. Auf der diesjährigen Tagung des Unesco-Welterbekomitees, die vom 19. bis 29. Juli 2026 in Busan stattfindet, steht auch Berlin hoch im Kurs. Das Gremium berät derzeit über die Aufnahme der Waldsiedlung Zehlendorf im Südwesten der Hauptstadt. Sollte die Nomination erfolgreich sein, würde sie nicht als eigenständiges Objekt, sondern als Erweiterung der bereits 2008 anerkannten Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ in die Liste aufgenommen werden.
Bereits seit Sonntagabend laufen die Beratungen, wobei der Prozess für die Neueinträge erst in den letzten Tagen richtig Fahrt aufgenommen hat. Deutschland hat mit der Waldsiedlung Zehlendorf eine der bedeutendsten Siedlungen des Neuen Bauens ins Rennen geschickt. Der Zeitpunkt der konkreten Abstimmung hängt vom Fortschritt der mehr als 30 aktuellen Bewerbungen ab. Laut der offiziellen Programmagenda soll das Komitee die Entscheidung jedoch bis spätestens Montagmorgen deutscher Zeit, also dem 27. Juli 2026, getroffen haben. Unter den weiteren Kandidaten befinden sich auch historische Stätten wie die D-Day-Landungsstrände in der Normandie, von denen aus 1944 die alliierten Streitkräfte Europa von der nationalsozialistischen Herrschaft befreiten.
Die „Papageiensiedlung“ als größtes Ensemble
Die Waldsiedlung Zehlendorf, zwischen 1926 und 1932 erbaut, ist das flächenmäßig größte aller sieben Siedlungen der Berliner Moderne. Mit rund 1.900 Wohneinheiten bietet sie Platz für etwa 15.000 Menschen. Ihren volkstümlichen Namen „Papageiensiedlung“ verdankt das Ensemble den lebhaft bunten Fassaden. Diese Farbgestaltung war ein zentrales architektonisches Element des Hauptbauherrn Bruno Taut, wobei der Spitzname ursprünglich eher abwertend gemeint war. Die Siedlung wurde erst 2021 nachnominiert, da sie 2008, als die ersten sechs Siedlungen wie die Hufeisensiedlung oder die Weiße Siedlung zum Welterbe erklärt wurden, noch nicht Teil des Antrags war. Damals hatten denkmalwidrige Umbauten an einigen Reihenhäusern einer Aufnahme noch im Wege gestanden.
Ein besonderes Merkmal der Anlage ist die Ladenstraße direkt am U-Bahnhof Onkel Toms Hütte. Das Konzept, ein Einkaufszentrum unmittelbar an eine U-Bahn-Station anzubinden, galt bei der Eröffnung der Station und der angrenzenden Geschäfte in den Jahren 1929 und 1931 als weltweit revolutionär. Es verband Wohnen, Einkaufen und öffentlichen Nahverkehr auf eine Weise, die damals einzigartig war.
Prominente Bewohner und historische Bedeutung
Die Siedlung war über die Jahrzehnte hinweg Wohnort vieler bekannter Persönlichkeiten. Darunter befanden sich der Schauspieler Theo Lingen sowie der SPD-Politiker und Widerstandskämpfer Julius Leber. Leber, der als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus bekannt war, wurde 1945 im Zuchthaus Plötzensee hingerichtet. Die Waldsiedlung Zehlendorf ist damit nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch Zeuge einer bewegten politischen Geschichte Berlins. Die Entscheidung in Busan wird nun darüber befinden, ob dieses bedeutende Erbe der Moderne den Status als Weltkulturerbe vollumfänglich erhält.