Brotfabrik Bielefeld war Vogeles Schule fürs Leben
Generaldirektor Johannes Vogel blickt auf seinen ersten Job in einer Bielefelder Brotfabrik als prägende Schule fürs Leben zurück, wo harte Arbeit und eine bunte Gemeinschaft ihn nachhaltig formten
Eine „tolle Schule fürs Leben“
Für Johannes Vogel, Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin, war der erste Job als 16-Jähriger in einer Bielefelder Brotfabrik eine „tolle Schule fürs Leben“. Als Botaniker blickt der 1963 geborene Wissenschaftler auf diese Zeit zurück, die ihn durch harte, heiße Schichten und eine beeindruckende Integration prägte. Die körperlich sehr herausfordernde Arbeit am Ofen und beim Saubermachen bezeichnete er gegenüber dem „Tagesspiegel“-Newsletter „Checkpoint“ treffend als „bezahltes Fitnessstudio!“.
Vom Gymnasium in die Fabrikshalle
Der Weg in die Fabrik war für den damals noch Schüler einfach: Er ging direkt hin und fragte nach einem Job. Da war immer Arbeit zu haben – für vier, acht oder zwölf Stunden, je nachdem, was ihm möglich war. Diese Praxis bildete einen starken Kontrast zu seinem Schulalltag am humanistischen Ratsgymnasium Bielefeld, das er 1982 mit dem Abitur verließ. Während er dort den klassischen Bildungsweg beschritt, lernte er in der Fabrik die Realität einer hart arbeitenden Gemeinschaft kennen.
Eine bunte Gemeinschaft
Besonders prägend war für Vogel die soziale Mischung in der Fabrik. „Ich wurde auch als 16-Jähriger voll integriert in eine hart arbeitende, spannende, bunte und geerdete Gemeinschaft aus West-Deutschen, aus der DDR Freigekauften und Menschen mit Migrationshintergrund“, berichtete der heute 63-Jährige. Diese Erfahrung zeigte ihm eine andere Seite des Lebens, fernab der akademischen Blase.
Ein Leben für die Naturkunde
Nach dem Abitur diente Vogel bis 1984 als Soldat auf Zeit in der Bundeswehr, bevor er sein Studium der Biologie und Jura an der Universität Bielefeld aufnahm. Seine wissenschaftliche Laufbahn führte ihn später an die Universität Cambridge, wo er zwischen 1992 und 1995 in Genetik promovierte. Anschließend arbeitete er am Natural History Museum in London. Seit dem 1. Februar 2012 leitet er als Generaldirektor das Museum für Naturkunde Berlin, eines der größten Naturkundemuseen der Welt. Als Botaniker mit einem Forschungsschwerpunkt auf Farne verwaltet er heute eine der bedeutendsten Sammlungen seiner Art weltweit.