Synchronsprecher Joachim Kerzel mit 84 Jahren gestorben

Der legendäre Synchronsprecher Joachim Kerzel ist im Alter von 84 Jahren gestorben und war über drei Jahrzehnte die deutsche Stimme von Anthony Hopkins

Synchronsprecher Joachim Kerzel mit 84 Jahren gestorben
Symbolfoto · Foto: Marc Fanelli-Isla / Unsplash

Mit 84 Jahren ist der legendäre Synchronsprecher Joachim Kerzel gestorben. Die deutsche Stimme von Sir Anthony Hopkins, Jack Nicholson und Dustin Hoffman verstarb am Montag, wie seine Agentur Media-Paten am Dienstag bestätigte. Zuvor hatte der Schauspieler und Kollege Peter Flechtner auf Instagram vom Tod des renommierten Künstlers getrauert. Mit Kerzel verliert die deutsche Synchron- und Hörbuchwelt eine außergewöhnliche Persönlichkeit, deren Werk über drei Jahrzehnte hinweg das Hörerlebnis ganzer Generationen prägte.

Ein Leben für die Stimme

Kerzels Weg zum Schauspieler war nicht geradlinig. Geboren am 10. Dezember 1941 in Hindenburg/Oberschlesien, wuchs er nach der Flucht 1945 in Augsburg auf. Bevor er sich der Schauspielerei widmete, arbeitete er als Schlosser und leistete Wehrdienst bei der Bundesmarine. Erst danach begann er sein Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Nach dem Abschluss gehörte er von 1969 bis 1978 dem Ensemble der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin an und stand später vor allem am Berliner Theater am Kurfürstendamm auf der Bühne.

Bekannt wurde Kerzel jedoch vor allem durch seine unverwechselbare, tiefgründige Stimme. Mehr als 30 Jahre lang war er die feste deutsche Synchronstimme von Sir Anthony Hopkins. Diese Partnerschaft begann 1991 mit dem Film „Hook“ und endete mit dem Tod des Synchronsprechers. Zu den weiteren Stars, denen Kerzel im Deutschen seine Stimme lieh, gehörten Jack Nicholson und Dustin Hoffman. Für seine Interpretation von Nicholson in „About Schmidt“ erhielt er 2003 den Deutschen Preis für Synchron.

Mehr als nur Synchronisation

Neben seiner Arbeit als Synchronsprecher war Kerzel auch als Dialogregisseur bei bedeutenden Produktionen tätig, darunter bei „Rendezvous mit Joe Black“ und „Der Manchurian Kandidat“. Als Hörbuchinterpret beeindruckte er mit den Lesungen der Ken-Follett-Bestseller „Die Leopardin“, „Die Tore der Welt“ und „Die Säulen der Erde“. Für seine Lesung von „Die Säulen der Erde“ wurde er 2008 mit dem Publikumspreis „Hörkules“ sowie einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Auch in der Videospielbranche hinterließ er Spuren, etwa als Kaiser Uriel Septim VII. in „The Elder Scrolls IV: Oblivion“ oder als Erzähler in den ersten Folgen der Hörspielreihe „John Sinclair“.

Im Jahr 2023 würdigte die Branche sein umfassendes Lebenswerk mit einem Ehrenpreis. Mike Götze, Geschäftsführer der Agentur Media-Paten, betonte die Bedeutung von Kerzels Beitrag zur deutschen Synchronkultur.

Ein Lehrer und Freund

Der Tod des Künstlers wurde öffentlich, nachdem Peter Flechtner auf Instagram von seinem Verlust berichtete. Flechtner war selbst Schüler der Schauspielschule, die Kerzel Mitte der 1980er Jahre zusammen mit seiner Frau Maria Körber in Berlin gegründet hatte. „Er war nicht nur ein toller Schauspieler und Sprecher, sondern auch ein großartiger Mensch, Lehrmeister und Freund“, schrieb Flechtner in seinem Beitrag. Der enge Kontakt zu seinen ehemaligen Schülerinnen und Schülern habe bis zum Schluss bestanden.

Unter dem Nachruf auf Instagram meldeten sich zahlreiche Nutzer zu Wort, um ihr Bestürzung und ihren Dank auszudrücken. „Seine Stimme hat meine ganze Kindheit, eigentlich mein halbes Leben, begleitet. Für sein Werk bin ich sehr dankbar“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer betonte: „Eine der größten Stimmen der Synchronbranche!“ Mit seinem Tod geht eine Ära zu Ende, die den deutschen Sprachraum durch seine Kunst maßgeblich geprägt hat.