Kaulitz-Brüder kehren emotional nach Loitsche zurück

Die Kaulitz-Zwillinge kehren in der neuen Netflix-Staffel emotional zu ihren Wurzeln nach Loitsche zurück und reflektieren eine von Armut und rechter Gewalt geprägte Kindheit

Man kann es gleich vorwegnehmen: Der Männerdetox hält bei Bill Kaulitz nicht lange an. Der 36-Jährige sitzt in der neuen Staffel der Reality-Serie „Kaulitz & Kaulitz“ an seinem Swimmingpool auf einem Hügel in Los Angeles, neben ihm sein Bruder Tom. Die beiden gehören zu den bekanntesten Zwillingen Deutschlands und packen in der dritten Staffel Dinge aus, die im Fernsehen eher selten zu sehen sind. Gleich zu Beginn schenkt Tom seinem Bruder einen Keuschheitsgürtel, den sogenannten Peniskäfig. Mit einem Augenzwinkern erklärt Tom, das Accessoire solle Bill helfen, sich beim Dating zurückzuhalten – schließlich hatte dieser zuvor verkündet, er mache jetzt einen „Männerdetox“.

Die Musiker von Tokio Hotel führen ein Leben, das sich deutlich von dem der meisten Menschen unterscheidet. Ob der Kauf eines Ferraris auf einer Auktion in Arizona oder das Ankaufen des Hauses direkt nebenan: Die neuen Folgen zeigen den Luxus in Kalifornien. Die dritte Staffel von „Kaulitz & Kaulitz“ startet am 23. Juli 2026 bei Netflix. Zu sehen ist unter anderem Bills Haus, eine Designperle, die bereits im Architekturmagazin AD vorgestellt wurde. Das Wohnhaus von Tom und seiner Frau Heidi Klum bleibt der Kamera hingegen verwehrt.

„Du bist nun mal eine Diva“

Ein Schwerpunkt der neuen Staffel liegt auf der Beziehung der Brüder zueinander und ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Sie nehmen sich einen Lifecoach namens Karin, die ihnen klare Ansagen macht. „Sie hat gesagt: ‚Du bist nun mal eine Diva und du bist dramatisch, darum lebe das aus, und dein Bruder muss das akzeptieren’“, erzählt Bill Kaulitz in Berlin. Tom erhält den Rat, sich öfter von den Entscheidungen seines Bruders abzugrenzen, auch wenn diese für Bill mitunter in Liebeskummer enden. Gleichzeitig wird er daran erinnert, sich selbst mehr Gutes zu tun.

„Ich habe schon gelernt zu sagen: ‚Okay, es ist nicht alles mein Problem, und ich muss ihn nicht immer beschützen’“, sagt Tom. Auch wenn ihm Gedanken über Bills Datingleben durch den Kopf gehen, will er diese für sich behalten. Die Serie bleibt ein wilder Ritt: Bill turtelt bei einer Poolparty mit Reality-Star Jannik Kontalis, Bandkollege Georg Listing heiratet in Südfrankreich – was Bill nahegeht, da er ohne Begleitung erscheint – und die Zwillinge reisen mit ihrer Mutter Charlotte und deren Partner auf die Burg in Cochem.

Rückkehr nach Loitsche

Unerwartet emotional wird die Serie, wenn die beiden über ihre Kindheit sprechen, über ihre schwierige Beziehung zum Vater und ihre frühere Heimat Loitsche nördlich von Magdeburg. „Loitsche war Gefängnis“, sagt Tom an einer Stelle. Die einzige Freiheit bestand darin, sich in die S-Bahn zu setzen und nach Magdeburg zu fahren. Bill erzählt von Auseinandersetzungen im Schulbus. Die Mutter Charlotte schildert, wie gefährlich die Situation damals war. Um eine bestimmte Uhrzeit, wenn es bereits dunkel gewesen sei, habe sie die Kinder am S-Bahnhof mit Baseballschläger, Schreckschusspistole und Hund abgeholt.

Die Familie wohnte in einer Ecke, in der laut Charlotte Kaulitz unglaublich viele Rechtsradikale unterwegs gewesen seien. „Und meine Kinder waren kunterbunt. Und die wurden ständig angegriffen.“ In der Serie thematisieren die Zwillinge auch die finanzielle Not der Familie. Sie hätten sich das Badewasser geteilt und am Wochenende nur eine Tüte Chips gegessen. Bill erinnert sich daran, wie er vor Kontrolleuren weggerannt ist, weil er keinen Fahrschein hatte. Erst später folgte der große Erfolg mit Tokio Hotel.

In der neuen Staffel kehrt Bill als Erster nach Loitsche zurück. Dort lässt er sich für die Modezeitschrift Vogue fotografieren und wird mit den Bildern zum ersten Mann auf dem Cover der deutschen Ausgabe. Später entscheidet sich auch Tom, noch einmal in die frühere Heimat zu reisen, wo die Brüder ein Klassentreffen organisieren. Diese Szenen gehören zu den bewegendsten der Staffel. So treffen sie auf eine Schulkameradin, die Bill im Schwimmbad einmal übergriffig zwischen die Beine gefasst hatte, um zu prüfen, ob er wirklich ein Junge ist. Auch eine alte Freundin erzählt, wie sehr sie die Brüder vermisst hat.

Was ist aus unseren Freunden geworden?

Der Besuch hatte für Bill eine heilende Wirkung. „Ich mag nicht gerne so einen Groll mit mir rumtragen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Für uns war es wichtig, nochmal zu sehen: Was ist denn aus unseren Freunden geworden? Wie ist es für die weitergegangen? Wie gucken die auf uns? Verfolgen die uns noch? Denken die noch an uns? Weil wir denken viel an sie.“

Für Tom war die Rückkehr ebenfalls lehrreich. „Gerade, weil wir nicht so behütet aufgewachsen sind, weil es viele brenzlige Situationen gab, mussten wir natürlich schnell erwachsen werden“, sagt er heute. „Wir haben gelernt, uns mit echten Freunden zu umgeben. Loyalität war für uns immer sehr früh ganz wichtig.“ Zurück im Alltag plant Bill zwar einen neuen Detox für die kommende Tokio-Hotel-Tour, doch der Männerdetox ist bereits vorbei. Wie er sagt: Der Männerkalender ist wieder voll.