Potsdamer Filmmuseum zeigt 80 Jahre DEFA-Filme
Das Potsdamer Filmmuseum zeigt ab Freitag 80 Jahre DEFA-Filme und beleuchtet den DDR-Alltag jenseits politischer Klischees
„Is‘ ohne Frühstück. Is‘ auch ohne Diskussion.“ Dieser legendäre Satz aus dem gleichnamigen DEFA-Film von 1980 gibt einer neuen Schau im Potsdamer Filmmuseum den Namen. Die Ausstellung „Ohne Frühstück. Ohne Diskussion. 80 Jahre DEFA-Filme“ öffnet am Freitag, dem 24. Juli 2026, ihre Pforten für die Öffentlichkeit und wird bis zum 2. Mai 2027 zu sehen sein. Bereits am Donnerstag, dem 23. Juli, findet die Eröffnungsfeier statt, zu der die Schauspielerin Jutta Wachowiak als Ehrengast erwartet wird. Besucher erwartet eine umfassende Reise durch vier Jahrzehnte Filmgeschichte, die sich nicht nur auf die bekanntesten Titel konzentriert, sondern den Alltag, die Liebe und den Freiheitsdrang in der DDR vielschichtig beleuchtet.
Im Mittelpunkt stehen 40 Filme, ergänzt durch historische Plakate, originale Requisiten, Kostüme und Fotografien. Die Kuratoren haben die Schau in elf thematische Kapitel gegliedert, die von „Rebellion und Rückzug“ über „Freiheit und Fernweh“ bis hin zu „Sex und Liebe“ reichen. Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Aufbereitung des Films „Solo Sunny“: Neben einem Originalplakat, Renate Krößners Lederjacke und einem Kleid sind auch interne Drehnotizen zu sehen, etwa die Anweisung: „Bitte warmes Wasser für Duschvorgang vorbereiten!“ oder „Bitte Wärmemöglichkeit für Sunny.“
Mehr als nur DDR-Alltag
Der Kurator Guido Altendorf, der seit 1995 am Filmmuseum Potsdam tätig ist und die Konzeption der Schau leitet, betont eine wichtige Prämisse: „Es geht uns nicht darum, mit dieser Ausstellung die DDR zu feiern.“ Vielmehr wolle man die Menschen ehren, die in diesem Spannungsfeld gelebt und gearbeitet haben. „Die DDR war sehr viel bunter, sehr viel weniger monolithisch, als es oft gesagt wird“, so Altendorf. An den gezeigten Filmen könne man den damaligen Zeitgeist unmittelbar ablesen.
Dazu gehören Werke wie „Der Mann, der nach der Oma kam“ (1971) mit Winfried Glatzeder, der Geschlechterrollen hinterfragt, oder „Einer trage des anderen Last“ (1988) als Film über Toleranz. Auch der 1989 erschienene Film „Coming out“ über einen homosexuellen Lehrer sowie Kinderfilme wie „Moritz in der Litfaßsäule“ (1983) sind Teil der Präsentation. Die Auswahl zeigt, dass das Filmstudio DEFA weit mehr als nur Propaganda produzierte.
Ein Blick auf die Institution DEFA
Die Geschichte der Deutschen Film AG reicht bis in das Jahr 1946 zurück, als sie in Potsdam-Babelsberg gegründet wurde. Sie war die erste deutsche Nachkriegsfilmgesellschaft und entwickelte sich später zur staatlichen Produktionsfirma der DDR. Nach der Wende wurde die DEFA 1992 aufgelöst; die Treuhandanstalt verkaufte das Studio. Erst 1998 wurde die DEFA-Stiftung gegründet, die seither den gesamten Filmbestand – rund 13.300 Titel – als nationales Kulturerbe verwahrt und erhalten will. Die aktuelle Ausstellung markiert das 80-jährige Jubiläum der Gründung der Filmproduktionsgesellschaft.
Junge Zielgruppen und ein lebendiges Programm
Ein zentrales Anliegen der Macher ist es, neben den Kennerinnen und Kennern auch jüngere Besucher für das DEFA-Erbe zu begeistern. Philip Zengel von der DEFA-Stiftung erklärt, dass Menschen, die sich neu für das Erbe interessieren, oft noch keine starke emotionale Bindung zur DDR haben. „Dadurch, dass man so universelle Themen findet wie Mode, wie Freiheit, wie Liebe, Religion, Kulinarik, kann man nachkommende Generationen auch dazu bewegen, sich für diese Filme zu interessieren“, so Zengel.
Wer die Ausstellung besucht, kann zudem das begleitende Programm im Kino des Museums nutzen. Es werden Klassiker wie „Coming out“ (12. November), „Dach überm Kopf“ (24. Januar) und „Jakob der Lügner“ auf der Leinwand gezeigt. Zu vielen dieser Vorstellungen laden Experten mit Einführungen ein oder sind Gäste anwesend, um die Werke in einen aktuellen Kontext zu stellen.