Brandenburgs CDU-Chef Redmann würdigt Spahns Rücktritt als respektvolle Familienentscheidung
Brandenburgs CDU-Chef Jan Redmann würdigt Jens Spahns Rücktritt als respektable Familienentscheidung und mahnt einen Umgang im Maß und Mitte an
Brandenburgs CDU-Landeschef Jan Redmann hat dem zurückgetretenen Unionsfraktionschef Jens Spahn Respekt für seine Entscheidung gezollt. Der brandenburgische Innenminister und CDU-Landeschef betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), wie schwierig es sein könne, politische Verantwortung und höchstpersönliche Lebensentscheidungen in Einklang zu bringen. „Jens Spahn hat sich dieser Debatte gestellt und für sich die Konsequenz gezogen, sein Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion niederzulegen, weil für ihn seine Familie an erster Stelle steht. Diese Entscheidung verdient Respekt“, so Redmann.
Der Rücktritt von Spahn erfolgte am 18. Juli 2026, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz ein Ultimatum gestellt hatte. Auslöser war die Enthüllung, dass Spahn und sein Ehemann über eine Leihmutter in den USA ein Kind bekommen haben. Eine Leihmutterschaft ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz strafbar. Die CDU hatte auf ihrem Parteitag explizit gegen eine Legalisierung dieser Praxis votiert – ein Beschluss, den Spahn in seiner Zeit als Gesundheitsminister selbst mitgetragen hatte.
Maß und Mitte im Umgang miteinander
Brandenburgs CDU-Chef kritisierte zudem, dass manche der geäußerten Kritikpunkte „Maß und Mitte verloren“ hätten. „Das christliche Menschenbild muss sich auch im Umgang miteinander beweisen“, sagte Redmann. Er dankte Spahn für seine langjährige Arbeit und sein Engagement. Redmann wünschte Spahn und seiner Familie für den neuen Lebensabschnitt von Herzen alles Gute.
Redmann selbst geht seit Jahren offen mit seiner Homosexualität und seiner Familiensituation um. Der seit 2019 Fraktionsvorsitzende im Brandenburger Landtag und seit März 2026 Innenminister des Landes lebt seit 18 Jahren mit seinem Mann zusammen. Im März hatte er öffentlich berichtet, Vater einer 20 Monate alten Tochter zu sein.
Positionen innerhalb der Partei
Auch die Landesvorsitzende der Frauen-Union Brandenburg, Kristy Augustin, sprach von Respekt für Spahn. „Wir haben ihm und seinem Wirken in der Bundestagsfraktion gerade in den letzten Wochen viel zu verdanken“, sagte sie der dpa. Dass er zum Wohle der Partei die Konsequenzen zieht, sei ihm anzuerkennen. Gleichzeitig betonte sie jedoch die Notwendigkeit einer klaren Haltung zur Parteilinie.
Augustin, die zudem Mitglied des CDU-Bundesvorstands ist, hatte sich zuvor eine klarere Positionierung Spahns gewünscht. Sie kritisierte, dass er nicht deutlich gesagt habe, wie er zu dem eigenen Beschluss zur Leihmutterschaft stehe. Eine Rücktrittsforderung hielt sie vor dem Rücktritt jedoch nicht für die richtige Lösung für die Partei.
Eskalation und parteiinterne Dynamik
Die Debatte hatte sich in den Tagen vor dem Rücktritt rapide zugespitzt. Auslöser war eine öffentliche Kritik eines CDU-Landesvorsitzenden, der in der „Bild“-Zeitung eine Rücktrittsforderung an Spahn stellte. Dies löste eine parteiinterne Lawine aus, die schließlich auch Bundeskanzler Merz zum Handeln zwang.
Während einige die Diskrepanz zwischen Privatleben und Parteiposition als unvereinbar ansahen, gab es auch Unterstützung aus der eigenen Reihen. Dagegen äußerte die Landesvorsitzende der Jungen Union (JU) deutliche Kritik. Sie verwies darauf, dass von jemandem in einem derart hohen Amt erwartet werde, dass seine privaten Entscheidungen mit den von ihm öffentlich vertretenen Positionen einhergehen.
Bis zur Neuwahl des Fraktionsvorsitzenden übernimmt CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann die Amtsgeschäfte. Die CDU steht nun vor der Herausforderung, die Debatte um Leihmutterschaft und die Rolle von Politikern in der Öffentlichkeit neu zu bewerten, ohne die eigene Parteidisziplin zu beschädigen.