Brandenburger Theater muss auch 2026/27 ohne Großes Haus auskommen
Das Brandenburger Theater muss auch zur Spielzeit 2026/27 auf das Große Haus verzichten und weicht auf Ersatzspielstätten aus
Das BT wird auch zu Beginn der neuen Spielzeit improvisieren müssen / Hoffnung auf Jahresbeginn 2027 für Nutzung des Großen Hauses
Am Mittwoch präsentierte das Leitungsteam des Brandenburger Theaters (BT) das Programm für die kommende Spielzeit 2026/27. Noch vor dem Druck der offiziellen Broschüre wurden die Brandenburger und theaterbegeisterten Gäste über die künstlerischen Highlights der nächsten Saison informiert. Bevor die Blicke nach vorne gerichtet wurden, würdigte BT-Geschäftsführerin Christine Flieger zunächst die Bewältigung der abgelaufenen Saison. Im Zentrum stand dabei der massive Wasserschaden am 10. Dezember 2025 im Großen Haus, der das gesamte Haus vor enorme Herausforderungen stellte.
„Die Fußbodenkonstruktion wurde vollständig ausgebaut und entsorgt und der Saal wurde gründlich gereinigt“, berichtete Flieger über die bisherigen Maßnahmen. Doch die Sanierung geht weit über die reinen Folgeschäden hinaus. Die Stadt Brandenburg nutzt die Notwendigkeit der Reparaturen, um weitere Infrastrukturmaßnahmen vorzunehmen. Parallel zur Wiederherstellung des Zuschauerraums wird die Heizung komplett erneuert und gegebenenfalls auch an der Lüftungsanlage gearbeitet. „Die Stadt nutzt die Gelegenheit, neben den notwendig werdenden Reparaturen durch den Wasserschaden gleich noch weitere Bauarbeiten vorzunehmen“, so die Geschäftsführerin zum aktuellen Stand der Dinge.
Hoffnung auf Jahresbeginn 2027
Die Hoffnung der Theaterleitung richtet sich darauf, das Große Haus bis zum Beginn des neuen Jahres 2027 wieder nutzen zu können. Sollte sich die Sanierung verzögern, ist das Team jedoch bestens vorbereitet. „Wenn nicht, passen wir uns flexibel, so wie bisher auch, an die Situation an und haben auch einen Plan B, falls die Eröffnung des Großen Hauses nicht sofort im neuen Jahr verfügbar ist“, versicherte Flieger. Bereits jetzt stehen alternative Spielstätten fest, die im Notfall wieder einspringen könnten.
Die Bewährungsprobe für diese Flexibilität fand bereits in der vergangenen Saison statt. Dank der schnellen Reaktionsfähigkeit mussten lediglich zehn Vorstellungen komplett abgesagt werden. Für alle anderen Veranstaltungen gelang es, innerhalb kürzester Zeit neue Orte zu finden. Insgesamt 43 Termine wurden auf Ersatzspielstätten außerhalb des BT verlegt. Das Publikum zeigte sich dabei bemerkenswert loyal und folgte den Künstlern an die neuen Orte.
„Wir waren im Zirkus Busch, im Klubhaus Philipp Müller oder auch im Kulturzentrum Rathenow. Ein wichtiger Ort war auch das Audimax der Technischen Hochschule, wohin wir ausweichen konnten“, erinnerte sich Flieger an die vielfältigen Ausweichorte. Sie betonte den großen Dank an das Publikum, das „sehr viel Verständnis für die Situation zeigte und uns auch treu zu den jeweiligen Spielorten folgte“.
Stabile Besucherzahlen trotz Widrigkeiten
Trotz der immensen organisatorischen Hürden und des Ausfalls des Hauptspielortes konnte das Theater stabile Besucherzahlen verzeichnen. Mit rund 57.000 Gästen blieb die Auslastung auf einem hohen Niveau, was die Akzeptanz der Ausweichstrategie unterstreicht. Diese Resilienz ist umso bemerkenswerter, wenn man den Umfang des Schadens betrachtet: Am 10. Dezember 2025 löste sich im Großen Haus die Sprühflutanlage ohne jeglichen Brandfall aus. Schätzungen gehen von einem Wasservolumen zwischen 30.000 und 50.000 Litern aus, die den Zuschauerraum fluteten.
Um die wirtschaftliche Stabilität des Hauses für die kommende Spielzeit zu sichern und gestiegene Betriebskosten auszugleichen, sind Anpassungen bei den Eintrittspreisen unvermeidbar. Die BT-Geschäftsführerin kündigte an, diese Erhöhungen so moderat wie möglich zu halten. Die geplante Preisanpassung liegt bei 1 bis 2 Euro, was einer Inflationsanpassung von etwa 5 bis 10 Prozent entspricht. Damit bewegt sich das Theater im unteren Bereich möglicher Preiserhöhungen.
Soziale Vergünstigungen bleiben erhalten
Ein besonders wichtiges Anliegen für Christine Flieger ist der Erhalt der sozialen Zugänglichkeit zum Theater. Trotz der allgemeinen Preiserhöhungen bleiben wichtige Vergünstigungen für das Publikum unverändert bestehen. „Was mir besonders wichtig ist, dass es bei bestimmten sozialen Komponenten, die sich in unserem Preissystem widerspiegeln, wie zum Beispiel das Kulturticket oder der Frühbucherrabatt, die Treuekarte oder Geburtstagskarte, keine Veränderung geben wird“, erklärte Flieger.
Damit soll sichergestellt werden, dass auch in der kommenden Saison ein breites Publikum den Weg ins Theater findet. Die Kombination aus flexiblen Ausweichstrategien, stabilen Besucherzahlen und einem bewussten Umgang mit Preisanpassungen zeigt, wie das Brandenburger Theater auch in schwierigen Zeiten seine kulturelle Rolle in der Region wahrnimmt. Das Team bleibt optimistisch, dass die Sanierungsarbeiten im Großen Haus zügig voranschreiten und die Rückkehr in das eigene Haus zum Jahresbeginn 2027 gelingen wird.