Brandenburg: stärkster Bevölkerungsrückgang seit 1990

Brandenburg verzeichnete 2025 den stärksten natürlichen Bevölkerungsrückgang seit der Wiedervereinigung, da die Sterbefälle die Geburten um mehr als 21.000 Fälle überstiegen

Brandenburg: stärkster Bevölkerungsrückgang seit 1990
Symbolfoto · Foto: Ploegerson / Unsplash

Brandenburg verzeichnete im Jahr 2025 den stärksten natürlichen Bevölkerungsrückgang seit der Wiedervereinigung. Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg meldete, dass 35.743 Menschen starben, während nur 14.495 Babys zur Welt kamen. Damit überstieg die Zahl der Sterbefälle die der Geburten um mehr als 21.000 Fälle. Ein solches Geburtendefizit wurde zuletzt Mitte der 1990er Jahre verzeichnet.

Erster Rückgang seit 2013

Dieser Trend markiert einen historischen Wendepunkt: Zum ersten Mal seit 2013 schrumpfte die Gesamtbevölkerung in Brandenburg. Zwar konnten Wanderungsgewinne das natürliche Defizit in den Vorjahren noch teilweise ausgleichen, doch im Jahr 2025 reichte dies nicht mehr aus. Insgesamt verlor das Land 4.858 Einwohner, was einem Minus von 0,2 Prozent entspricht. Der Bevölkerungsrückgang wird nun primär durch die natürliche Entwicklung bestimmt, während die innerdeutsche Wanderung von Brandenburg in westdeutsche Bundesländer nahezu ausgeglichen ist.

Die Geburtenzahl sank im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent. Auch die Geburtenziffer je Frau ging zurück, von 1,33 auf 1,30 Kinder. Bei dieser Gesamtzahl zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede je nach Nationalität: Deutsche Frauen bekamen statistisch betrachtet 1,21 Kinder, ein leichter Rückgang gegenüber 2024. Frauen mit anderer Staatsbürgerschaft hingegen legten auf 1,82 Kinder zu.

Das „demografische Echo“ der 1990er Jahre

Haupttreiber dieser Entwicklung ist das sogenannte „demografische Echo“ der 1990er Jahre. In den Jahren nach der Wiedervereinigung wurden vergleichsweise wenige Kinder geboren. Diese Generation fehlt nun als potenzielle Elterngeneration, was die aktuellen Geburtenzahlen drückt. Die Landesregierung sieht darin eine der größten Herausforderungen für die Zukunft, da dies langfristig die Infrastruktur, den Fachkräftenachwuchs und soziale Betreuungsangebote belastet.

Regionale Unterschiede zwischen Stadt und Land

Die Statistik zeigt zudem ein starkes Ost-West-Gefälle innerhalb Brandenburgs. Während das Berliner Umland weiter wächst – der Speckgürtel verzeichnete 2.363 neue Einwohner –, verlor der weitere Metropolenraum 7.221 Menschen. Besonders hart betroffen sind die peripheren Regionen: In der Spree-Neiße verloren 1.061 Menschen ihren Wohnort, in Oberspreewald-Lausitz waren es 1.049 und in der Uckermark 1.010.

Die meisten Kinder kamen 2025 in Potsdam zur Welt: Hier wurden 1.345 Babys registriert. Auch die Landkreise Oberhavel (1.188), Potsdam-Mittelmark (1.177) und Dahme-Spreewald (1.170) verzeichneten hohe Geburtenzahlen. Gefolgt wurden sie von Havelland (1.079), Teltow-Fläming (1.087), Märkisch-Oderland (1.049) und Barnim (1.045).

Sterbeüberschüsse in der Peripherie

In allen Landkreisen des Landes gab es Sterbeüberschüsse, also mehr Verstorbene als Geborene. Besonders ausgeprägt war diese Bilanz in den ländlichen Räumen. Die höchsten Sterbefälle pro 1.000 Einwohner wurden in Elbe-Elster (17,8), Prignitz (17,5) und Spree-Neiße (17,0) verzeichnet. Der Landkreis Spree-Neiße verzeichnete zudem die wenigsten Geburten bezogen auf die Einwohnerzahl: Hier kamen nur 4,5 Kinder auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Familienstrukturen im Wandel

Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt lag unverändert bei 31,6 Jahren. Es bestehen jedoch Unterschiede zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen: Verheiratete Mütter waren im Schnitt 32,7 Jahre alt, während unverheiratete Mütter ein Durchschnittsalter von 30,6 Jahren aufwiesen. Fast die Hälfte aller Neugeborenen kam innerhalb einer Ehe zur Welt, was auf weiterhin stabile, aber sich wandelnde Familienstrukturen hinweist.