Brandenburg: Rekordsterbefälle und Geburtenrückgang

Brandenburg verzeichnet erstmals seit der Wiedervereinigung einen natürlichen Bevölkerungsrückgang mit einem historischen Tiefstand bei den Geburten

Brandenburg: Rekordsterbefälle und Geburtenrückgang
Symbolfoto · Foto: Ploegerson / Unsplash

Sinkende Geburtenraten und stabile bis steigende Sterbezahlen prägen die demografische Bilanz für das Jahr 2025 in Berlin und Brandenburg. Die Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, die das Havelblatt nun vorstellt, markieren einen historischen Wendepunkt: Zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung verzeichnete Brandenburg einen natürlichen Bevölkerungsrückgang, der die bisherigen Rekorde übertrifft. Auch in der Hauptstadt gehen die Geburtenzahlen deutlich zurück, während sich die Sterbefälle auf einem hohen Niveau stabilisieren.

Historischer Tiefstand in Brandenburg

Das Land Brandenburg steht vor einer demografischen Zäsur. Im Jahr 2025 verzeichnete das Land einen Sterbeüberschuss von 21.248 Personen, den höchsten Wert seit 1990. Dies bedeutet, dass deutlich mehr Menschen starben als geboren wurden. Die Zahl der Sterbefälle erreichte dabei im Vergleich zum Beobachtungszeitraum seit 2011 einen neuen Höchststand. Parallel dazu ist die Geburtenrate stark gesunken: Sie liegt nun bei 1,30 Kindern pro Frau, was den niedrigsten Wert seit 2007 darstellt. Zum Vergleich: Im Hochjahr 2016 lag die Rate noch bei 1,69.

Einzig die Gruppe der ausländischen Frauen bildet in Brandenburg eine positive Ausnahme. Entgegen dem allgemeinen Trend stieg deren Geburtenrate auf 1,82. Ohne diese Komponente und die Wanderungsgewinne hätte sich der Bevölkerungsrückgang im Land noch deutlicher ausgeprägt. Die natürlichen Verluste werden also nur noch durch Zuzüge abgemildert.

Regionale Disparitäten: Peripherie im Vergleich zur Hauptstadt

Die Entwicklung verläuft im Land nicht einheitlich. Jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt verzeichnet einen Sterbeüberschuss, doch die Intensität variiert stark. Besonders betroffen sind die peripheren Regionen am Rand des Landes. Im Landkreis Elbe-Elster liegt die Sterberate mit 17,8 Sterbefällen je 1.000 Einwohner fast doppelt so hoch wie in der Landeshauptstadt Potsdam, die mit 9,7 die niedrigste Rate aufweist.

Potsdam gilt zudem als Geburtenrate-Spitzenreiter im Land mit 7,3 Geburten je 1.000 Einwohner. Im Gegensatz dazu kämpfen die Landkreise Elbe-Elster, Prignitz, Uckermark und Spree-Neiße mit den höchsten Sterbeüberschüssen. Diese Entwicklung ist weniger auf ein plötzliches Ereignis zurückzuführen, sondern vielmehr auf langfristige Strukturprobleme: eine starke Überalterung der Bevölkerung in diesen Regionen und die Abwanderung junger Menschen in urbane Zentren.

Berlin: Rückgang trotz Zuzug

Auch in der Hauptstadt ist die demografische Lage angespannt. Berlinerinnen bekamen 2025 statistisch nur noch 1,18 Kinder, deutlich weniger als der Bundesdurchschnitt von 1,31. Besonders niedrig fiel die Geburtenziffer bei deutschen Frauen mit 1,01 aus. Die absolute Zahl der Geburten sank auf 33.230, was den niedrigsten Stand seit Beginn der Registerstatistik bedeutet und einem Rückgang von fast fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der historische Höchststand wurde 2016 mit 41.087 Geburten erreicht.

Während die Geburtenzahlen sinken, stagnieren die Sterbefälle. Nach einem Corona-Hoch im Jahr 2022 mit 39.572 Toten ist die Zahl zwar leicht gesunken, liegt aber weiterhin deutlich über der Zahl der Neugeborenen. Hier zeigt sich ein differenziertes Bild innerhalb der Bezirke. Der Bezirk Mitte weist zwar eine sehr niedrige Geburtenziffer von 1,0 auf, verzeichnet aber dennoch eine vergleichsweise geringe Sterberate, bleibt im Gesamtsaldo jedoch negativ.

Soziale Veränderungen und Heiratstrends

Ein deutlicher Wandel vollzieht sich auch beim Heiratsverhalten. Das Alter, in dem Menschen in Brandenburg und Berlin den Bund der Ehe schließen, steigt kontinuierlich. Im Schnitt heirateten Brandenburgerinnen und Männer in einem deutlich höheren Alter als noch in den frühen 1990er Jahren. Dieser Trend spiegelt veränderte Lebensentwürfe und eine längere Ausbildungs- und Berufsphase wider.

Insgesamt heirateten 2025 in Berlin 11.235 Paare. Die beliebtesten Monate waren August und September, gefolgt vom Mai. Die meisten Eheschließungen fanden in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg statt. Auch bei der Zusammensetzung der Ehen zeigen sich interessante Unterschiede: In einigen Bezirken mit hohem internationalen Bevölkerungsanteil wurden deutlich mehr Ehen mit mindestens einem ausländischen Ehegatten geschlossen, während in anderen Stadtteilen der Anteil deutsch-deutscher Ehen überwiegt.

Ein Blick auf die Berliner Bezirke

Die Unterschiede innerhalb Berlins sind teils dramatisch. Steglitz-Zehlendorf gilt als das demografische Sorgenkind der Stadt. Der Bezirk verzeichnet nicht nur eine niedrige absolute Geburtenzahl, sondern auch eine niedrige Geburtenrate und gleichzeitig eine hohe Sterberate der Stadt. Dies ist ein Indiz für die fortschreitende Alterung in den westlichen Vororten.

Im Kontrast dazu steht Marzahn-Hellersdorf im Osten der Stadt. Dieser Bezirk ist der einzige in Berlin, der 2025 einen Anstieg der Geburtenziffer verzeichnete. Sie stieg von 1,58 auf 1,67 Kinder pro Frau. Auch in Friedrichshain-Kreuzberg zeigen sich moderne Familienstrukturen: Hier wurde 2025 knapp die Hälfte der Kinder von unverheirateten Müttern geboren, der höchste Anteil an unehelichen Geburten in der Stadt. Diese Daten unterstreichen, wie unterschiedlich sich der demografische Wandel in den einzelnen Stadtteilen vollzieht.