Brandenburg senkt Inobhutnahmen bei mehr Meldungen

Trotz eines deutlichen Anstiegs bei Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung sanken die Inobhutnahmen in Brandenburg im Jahr 2025, was das Ministerium auf wirksame Prävention und eine sensibilisierte Gesellschaft zurückführt

Brandenburg senkt Inobhutnahmen bei mehr Meldungen
Symbolfoto · Foto: Markus Spiske / Unsplash

Trotz eines deutlichen Anstiegs bei den Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung ist es in Brandenburg gelungen, die Zahl der Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen zu senken. Während das Land in den Vorjahren einen kontinuierlichen Anstieg der Fälle verzeichnet hatte, kehrte sich dieser Trend in den letzten zwei Jahren um. Das Bildungs- und Jugendministerium führt diesen Erfolg auf eine verstärkte Sensibilisierung der Gesellschaft sowie auf wirksame präventive Maßnahmen zurück, die Familien helfen, Krisen zu bewältigen, bevor eine Trennung von den Eltern notwendig wird.

Nach den vorliegenden Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg sank die Anzahl der Inobhutnahmen im Jahr 2025 auf 1.753 Fälle. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem noch 2.069 Schutzmaßnahmen ergriffen worden waren, entspricht dies einem Rückgang von rund 15 Prozent. Dieser Trend ist bemerkenswert, da zwischen den Jahren 2000 und 2023 ein ständiger Anstieg registriert worden war. Bei einer Inobhutnahme werden Kinder und Jugendliche vorläufig aus ihrem familiären Umfeld genommen und in Jugendhilfe-Einrichtungen, Wohngruppen oder bei Pflegefamilien untergebracht, was oft zu einer Knappheit an verfügbaren Plätzen führt.

Steigende Meldezahlen als Zeichen der Wachsamkeit

Die Gesamtzahl der Verfahren zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung ist bei den Jugendämtern in Brandenburg hingegen stark gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden 10.857 solcher Verfahren eingeleitet, was einem Anstieg von 27,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Jugendminister Gordon Hoffmann (CDU) bewertet diese Entwicklung nicht als negativ, sondern als Indikator für eine sensibilisierte Gesellschaft.

„Die Zahl der Meldungen von Kindeswohlgefährdungen steigt weiter an – Ursache sind vor allem eine Sensibilisierung der Gesellschaft, eine Aufhellung des Dunkelfeldes, Krisen und Überforderung“, sagte Hoffmann. Durch das frühere Melden von Verdachtsfällen könnten die Jugendämter zeitnah Unterstützung anbieten. In der Mehrheit der Fälle, nämlich bei 65 Prozent der geprüften Verfahren, wurde am Ende jedoch keine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Bei 16 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen bestätigten die Behörden hingegen eine akute Gefährdung.

Erfolg der Prävention und neue Strukturen

Der Rückgang der akuten Fälle und der vorläufigen Schutzmaßnahmen wird vom Ministerium als direkter Beleg dafür gewertet, dass präventive Maßnahmen greifen. „Insbesondere die Zahlen der akuten Kindeswohlgefährdungen und der vorläufigen Schutzmaßnahmen sind rückläufig. Das zeigt unter anderem, dass präventive Maßnahmen wirken und Familien Unterstützung in Anspruch nehmen“, betonte der Minister.

Die Altersgruppe der 14- bis unter 18-Jährigen war 2025 mit 59 Prozent am häufigsten von Inobhutnahmen betroffen. In einem Viertel der Fälle wurden diese Maßnahmen von Polizei, Gericht oder Staatsanwaltschaft veranlasst, während in 22 Prozent der Fälle das Kind oder der Jugendliche selbst um Hilfe bat.

Kinderschutzambulanzen als letztes Puzzleteil

Als letztes Bundesland hat Brandenburg seine Lücke in der spezialisierten Versorgung geschlossen. Bis April 2026 fehlten hierzulande noch Kinderschutzambulanzen, in denen Kinder bei Verdacht auf Misshandlung oder Missbrauch in einem geschützten Raum untersucht werden können. Am 15. April 2026 wurde die erste solche Ambulanz im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam eröffnet.

Die Einrichtung dieser Ambulanzen wurde mit 170.000 Euro aus Lotto-Mitteln als Anschubfinanzierung ausgestattet. Für die langfristige Nachhaltigkeit der Einrichtungen ist jedoch die Folgefinanzierung noch ungeklärt. Der Minister selbst bringt mit seiner Berufsausbildung als staatlich anerkannter Erzieher, die er in seiner Heimatstadt Perleberg absolvierte, ein seltenes fachliches Profil in das Amt des Jugendministers ein, das er seit 2024 innehat. Diese praktische Erfahrung prägt seine politische Rhetorik und den Fokus auf die direkte Arbeit mit den Familien.