Betrunkener Passagier stoppt ICE in Ludwigslust
Ein betrunkener Passagier mit 2,75 Promille stoppte am Montagabend den ICE 2900 in Ludwigslust und griff Bahnmitarbeiter an, woraufhin die Polizei den 36-Jährigen festnahm
Ein betrunkener und aggressiver Fahrgast hat am Montagabend, dem 20. Juli 2026, für einen chaotischen Vorfall auf der Strecke von Berlin nach Hamburg gesorgt. Der ICE 2900 musste außerplanmäßig im Bahnhof Ludwigslust halten, was zu einer Verspätung von rund 31 Minuten führte. Auslöser war ein 36-jähriger Mann, der bereits kurz nach der Abfahrt in Berlin ohne gültigen Fahrschein für den Fernverkehr angetroffen wurde.
Obwohl der Mann über ein Deutschlandticket verfügte, ist dieses laut den Regeln der Deutschen Bahn ausschließlich im Nahverkehr gültig. Für Fahrten im ICE ist ein separates Fernverkehrsticket erforderlich, eine einfache Aufpreis-Option besteht in diesem Fall nicht. Als ein Bahnmitarbeiter versuchte, die Situation zu klären und den fehlenden Aufpreis zu begleichen, weigerte sich der Passagier zunächst.
Die Lage eskalierte, als die Kontrolle erneut angesprochen wurde. Der 36-Jährige reagierte äußerst aufbrausend, beleidigend und zeigte sich nicht kooperationsbereit. Den Angaben der Bundespolizei zufolge stieß er einen Kontrolleur sowie einen weiteren Mitarbeiter der Bahn mit der flachen Hand weg. Aufgrund dieser gewalttätigen Handlungen entschied der Zugführer, den Zug in Ludwigslust anzuhalten, um die Polizei zu verständigen.
Eskalation und Festnahme in Ludwigslust
Die Polizeiinspektion Ludwigslust und Beamte der Bundespolizei aus Schwerin übernahmen den Mann vor Ort. Ein Atemalkoholtest ergab einen dramatischen Wert von 2,75 Promille. Anschließend wurde der Fahrgast der Bundespolizei übergeben, die ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Körperverletzung und Beleidigung einleitete.
Obwohl der Mann zunächst in den ICE zurückkehren wollte, wurde er nicht wieder an Bord gelassen. Stattdessen setzte er seine Fahrt später im Regionalverkehr fort. Die Verspätung, die der Vorfall verursachte, belief sich auf 31 Minuten. Weitere Zwischenfälle während des Restwegs der anderen Fahrgäste wurden nicht gemeldet.
Zunahme von Gewalt gegen Bahnpersonal
Der Vorfall in Ludwigslust ist leider kein Einzelfall, sondern Teil eines besorgniserregenden Trends. Die Zahl der Übergriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn steigt seit Jahren deutlich an. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage registrierte die Bundespolizei im Jahr 2025 rund 2.690 Angriffe auf Beschäftigte der Bahn. Das sind etwa elf Prozent mehr als im Vorjahr.
Für viele Zugbegleiter und Kontrolleure gehört die Sorge vor körperlicher Gewalt inzwischen zum traurigen Arbeitsalltag. Die Bundespolizei mahnt daher regelmäßig zur Deeskalation und betont, dass aggressive Reaktionen bei Fahrkartenkontrollen nicht hingenommen werden und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.