Berlin und Brandenburg: Tierheime an Kapazitätsgrenzen

Mit Beginn der Sommerferien stoßen Tierheime in Berlin und Brandenburg an ihre Grenzen, da eine Welle ausgesetzter Tiere die Kapazitäten übersteigt

Berlin und Brandenburg: Tierheime an Kapazitätsgrenzen
Symbolfoto · Foto: Borna Bevanda / Unsplash

Auch in diesem Jahr geraten Tierheime in Berlin und Brandenburg mit Beginn der Sommerferien an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Landestierschutzverband Brandenburg warnte bereits vor einigen Tagen, dass in den Sommermonaten eine signifikante Zunahme an ausgesetzten Haustieren zu verzeichnen sei. Für die betroffenen Tiere bedeute diese Situation oft Angst, Hunger, Verletzungen oder im schlimmsten Fall den Tod.

Besonders alarmierend ist die Lage im Tierheim Berlin. Der Fundkatzenbereich quillt bereits nach der ersten Ferienwoche über. Laut Angaben des Tierschutzvereins für Berlin und Umgebung wurden allein in der Woche vom 6. bis zum 12. Juli 46 neue Fundkatzen aufgenommen. Darunter befanden sich drei Katzenmütter, die mit ihren Jungtieren in Not gerieten. Die Zahlen in dieser ersten Urlaubswoche erinnerten die Verantwortlichen stark an die dramatischen Situationen früherer Jahre.

Aussetzen ist strafbar

In Brandenburg stellt sich die Lage ähnlich dar. Rico Lange, Vorsitzender des Landestierschutzverbands Brandenburg, betonte, dass bei gefundenen Tieren zwar nie mit absoluter Sicherheit gesagt werden könne, ob sie aktiv ausgesetzt wurden oder schon länger ohne Zuhause seien, der Trend aber klar sei. Das Aussetzen von Tieren, allein weil sie nicht in die Urlaubsplanung passen, ist keinesfalls akzeptabel.

Rechtlich betrachtet verstößt das Wegwerfen von Haustieren eindeutig gegen das Tierschutzgesetz. Wer ein Tier mutwillig aussetzt, macht sich strafbar und muss mit empfindlichen Sanktionen rechnen. Die gesetzlichen Konsequenzen reichen von hohen Bußgeldern bis hin zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Tierschützer appellieren daher eindringlich an alle Tierhalter, vor der Abreise professionelle Lösungen zu suchen, anstatt Tiere einfach zurückzulassen.

Ursachen: Spontankäufe und mangelnde Planung

Laut Rico Lange ist es schlichtweg viel zu einfach geworden, sich ein Tier anzuschaffen, ohne die Konsequenzen abzuwägen. Oft müsse nicht einmal bewiesen werden, dass der Halter in der Lage ist, das Tier artgerecht zu versorgen. Als Hauptursache für die überfüllten Heime sehen Tierschützer daher vor allem Spontankäufe.

Viele neue Besitzer verlieren schnell die Lust am Tier oder merken erst im Nachhinein den enormen Aufwand, der mit der Haltung verbunden ist. Fehlende Betreuungsmöglichkeiten während der Abwesenheit runden finanzielle Sorgen und andere Probleme ab, was oft zum Aussetzen führt. Wer ein Tier aufnehmen möchte, müsse sich daher vorher ehrlich fragen: Wer kümmert sich um das Tier, wenn man selbst unterwegs ist? Können Futter und Tierarztkosten langfristig bezahlt werden? Wer übernimmt die Reinigung?

Historische Verantwortung und aktuelle Lösungen

Der Tierschutzverein für Berlin und Umgebung, der aktuell mit der Aufnahme der vielen Fundtiere beschäftigt ist, hat eine lange Tradition. Bereits 1841 als „Verein gegen Tierquälerei“ gegründet, gehört er zu den ältesten Institutionen seiner Art in Deutschland und erhielt 1872 die Korporationsrechte. Seit September 2001 befindet sich das Tierheim am Standort Hausvaterweg in Berlin-Falkenberg.

Um eine Überlastung zu vermeiden, empfiehlt Rico Lange statt des Aussetzens die Nutzung von professionellen Sittern, Tierpensionen oder die Einbindung familiärer Hilfskreise. Nur durch eine sorgfältige Planung vor den Ferien könne verhindert werden, dass Tiere in Not geraten und die Heime an ihre Grenzen stoßen.