Berlin und Baden-Württemberg verdrängen Bayern

Berlin und Baden-Württemberg haben Bayern im ersten Halbjahr 2026 als führende Start-up-Regionen verdrängt, getrieben durch zwei Mega-Deals, während die Anzahl der Finanzierungsrunden bundesweit sank

Start-up-Unternehmen in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2026 rund 5,3 Milliarden Euro an Wagniskapital eingesammelt. Dies entspricht nach Berechnungen der Unternehmensberatung EY einem Anstieg von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Trotz dieses deutlichen Zuwachses beim Investitionsvolumen ist die Anzahl der Finanzierungsrunden bundesweit um elf Prozent auf 354 Abschlüsse gesunken.

Neue Führungsspitze in Berlin und Baden-Württemberg

Bei der regionalen Verteilung des Kapitals hat sich Berlin die Spitzenposition von Bayern zurückerobert. Start-ups aus der Bundeshauptstadt erhielten insgesamt fast 1,7 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von zehn Prozent entspricht, und verzeichneten mit 95 Abschlüssen auch die meisten Finanzierungsrunden. Ein Großteil dieses Volumens geht auf das 2024 gegründete Rüstungs-Start-up STARK zurück. Das Unternehmen, dessen Gründer Florian Seibel und Johannes Schaback sind und das von CEO Uwe Horstmann geleitet wird, konnte im Juni 500 Millionen Euro einsammeln. Investoren sind unter anderem Sequoia Capital, der NATO Innovation Fund und Döpfner Capital. STARK plant den Bau von Produktionsstätten, die tausende Drohnen pro Monat herstellen sollen.

Auf dem zweiten Platz folgt Baden-Württemberg mit knapp 1,6 Milliarden Euro Finanzierungsvolumen. Dieser enorme Anstieg von 475 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist auf einen einzigen Mega-Deal zurückzuführen: Das Robotik-Start-up Neura Robotics aus Metzingen sammelte rund 1,2 Milliarden Euro ein. Das 2019 als Han’s Robot Germany GmbH gegründete Unternehmen, das 2020 umbenannt wurde und durch Akquisitionen wie ek robotics 2025 auf über 1.100 Mitarbeiter wuchs, ist damit der größte deutsche Start-up-Deal aller Zeiten. Zu den Investoren zählen Technologiegiganten wie Amazon, Nvidia und Qualcomm sowie Tether; die Bewertung des Unternehmens liegt bei circa 7 Milliarden US-Dollar.

Bayern rutschte mit einem Volumen von gut 1,1 Milliarden Euro (minus 46 Prozent) auf den dritten Rang ab. Dennoch ist es ein Novum in dem „Startup-Barometer“ von EY, dass mit Berlin, Baden-Württemberg und Bayern gleich drei Bundesländer jeweils Start-up-Investitionen in Milliardenhöhe verzeichnen konnten. Diese drei Mega-Deals markieren einen deutlichen Wendepunkt in der deutschen Finanzierungslandschaft des Jahres 2026.

Investoren setzen auf große Wetten

Der Rückgang der Finanzierungsrunden ist nach Einschätzung der Studienautoren auf einen veränderten Fokus der Geldgeber zurückzuführen. Investoren setzen demnach zunehmend auf wenige große Start-ups und vermeintlich sichere Wetten, wodurch der Anteil von Großtransaktionen mit einem Volumen von jeweils mehr als 50 Millionen Euro von 55 auf 67 Prozent des gesamten Investitionsvolumens anstieg.

Thomas Prüver, Partner bei EY-Parthenon und Leiter von EY Startup Deutschland, wertet den Kapitalanstieg als prinzipiell positives Signal, warnt jedoch zugleich, dass die Finanzierungssituation schwierig bleibe und kleine sowie junge Start-ups im Wettbewerb um das Geld häufig das Nachsehen haben.

„Innovation entsteht nicht nur durch einzelne Leuchtturm-Unternehmen, sondern vor allem durch eine breite und lebendige Gründerszene.“

Die Region Baden-Württemberg profitiert dabei von ihrer traditionellen Robotik-Expertise in Metzingen sowie der Nähe zu etablierten Technologieunternehmen wie Bosch und Schaeffler. Während Berlin von seiner Rolle als internationaler Hub für Verteidigungstechnologie profitiert, zeigt sich, dass die deutsche Start-up-Szene 2026 zwar rekordverdächtige Summen anzieht, diese jedoch stark konzentriert auf wenige, bereits weit fortgeschrittene Unternehmen fließen.