Archäologen legen kurfürstliche Wassermühlenreste auf dem Potsdamer RAW-Gelände frei

Archäologen haben auf dem Potsdamer RAW-Gelände gut erhaltene Reste mehrerer kurfürstlicher Wassermühlen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert freigelegt

Archäologen legen kurfürstliche Wassermühlenreste auf dem Potsdamer RAW-Gelände frei
Symbolfoto · Foto: Alain ROUILLER / Unsplash

Unter dem ehemaligen RAW-Gelände in Potsdam liegt ein Stück Stadtgeschichte, das lange im Verborgenen blieb. Bei umfangreichen Ausgrabungen im Bereich der „Neuen Halle“ legte die Archäologie Manufaktur GmbH auf einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern die Reste mehrerer kurfürstlicher und königlicher Wassermühlen frei. Die gut erhaltenen Überreste stammen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert und zeugen von einer langen Tradition der Wassernutzung an dieser Stelle.

Historische Bedeutung des Hakendamms

Der Standort am ehemaligen Hakendamm ist bereits seit dem 14. Jahrhundert als Mühlenstandort belegt. Der Hakendamm selbst war eine strategisch wichtige Verbindung zwischen Neuendorf (dem heutigen Babelsberg) und Potsdam und führte durch die sumpfigen Niederungen der Nuthe. Die Bezeichnung des Dammes leitet sich von seiner hakenförmigen Führung ab. Auf diesem Gelände prägten einst Mahl-, Schneide- und Walkmühlen das Bild der Landschaft.

Bei den aktuellen Grabungen kamen nicht nur massive Fundamente zutage, sondern auch bemerkenswert gut erhaltene hölzerne Konstruktionen sowie einzelne Fundstücke. Diese Funde geben wertvolle Aufschlüsse über die wasserbautechnischen Fähigkeiten der Ingenieure und Handwerker der frühen Neuzeit. Die Archäologin Julia Ebert von der Archäologie Manufaktur GmbH aus Wustermark, die die bauvorbereitenden und baubegleitenden Untersuchungen leitete, wird die historischen und archäologischen Quellen zu diesem einzigartigen Mühlenstandort im Detail vorstellen.

Vortrag im Archäologischen Landesmuseum

Die Funde stehen nun im Mittelpunkt eines öffentlichen Abendvortrags im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg. Julia Ebert erläutert, wie die Mühlen funktionierten und welche Rolle sie für die Entwicklung Potsdams spielten. Der Vortrag beginnt am 5. August 2026 um 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Veranstaltungsort ist das Museum in der Neustädtischen Heidestraße 28. Die Ausgrabungen fanden im Rahmen des Vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nr. 36 statt, der die Quartiersentwicklung zum „Creative Village“ regelt. Dabei wurde auch die 1912 erbaute „Neue Halle“ berücksichtigt, ein Baudenkmal, das im Zuge der Umgestaltung des Geländes eine neue Nutzung finden soll. Die Entdeckung der Mühlenreste unterstreicht die tiefe historische Verwurzelung des Areals, das nach 1945 als Reparaturwerkstatt der Reichsbahn und später als Innovationshub diente.