Zwei Tote nach Legionellen in Seniorenwohnhaus Tegel
In einem Seniorenwohnhaus der Berlinovo in Tegel sind zwei Bewohner nach einem Legionellenbefall gestorben, fünf weitere wurden hospitalisiert, ein direkter Zusammenhang steht noch aus
In einem Seniorenwohnhaus in Berlin-Tegel sind zwei Bewohner gestorben, nachdem in der Anlage ein Befall mit Legionellen festgestellt wurde. Zusätzlich zu den beiden Verstorbenen mussten fünf weitere Mieter hospitalisiert werden. Die landeseigene Wohnungsgesellschaft Berlinovo, Betreiberin der Einrichtung mit 93 Apartments, teilte mit, dass ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen dem Bakterienbefall und den Todesfällen sowie den Krankenhauseinweisungen noch nicht endgültig geklärt ist. Die genauen Ursachen werden derzeit durch die Analyse von Wasserproben ermittelt.
Der Vorfall wurde am 8. Juli 2026 öffentlich bekannt. Seitdem hat die Berlinovo sofortige Gegenmaßnahmen eingeleitet, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. In der betroffenen Anlage wurden Duschen verboten, die Wasserleitungen wurden desinfiziert und spezielle Filter wurden eingebaut. Zudem wurde den Bewohnern vorübergehend Trinkwasser in Flaschen zur Verfügung gestellt. Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) prüft derzeit intensiv die Lage, während die Ergebnisse der weiteren Untersuchungen abgewartet werden.
Gefährdung besonders älterer Menschen
Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise in Gewässern vorkommen und sich besonders in technischen Wassersystemen wie Trinkwasserinstallationen vermehren können. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt in der Regel nicht durch Trinken, da die Magensäure die Erreger unschädlich macht. Gefährlich werden sie, wenn sie durch zerstäubtes Wasser, also Aerosole, eingeatmet werden – beispielsweise beim Duschen.
Besonders gefährdet sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, chronischen Vorerkrankungen und vor allem Senioren ab 60 Jahren. Da sich Legionellen in wärmerem Wasser zwischen 25 und 45 Grad am besten vermehren, ist die Gefahr in der warmen Jahreszeit erhöht. Für die Sicherheit sollte das Warmwasser in zentralen Anlagen mindestens 60 Grad erreichen, damit sich die Bakterien nicht ausbreiten können. Die im Seniorenwohnhaus konzentrierte Risikogruppe macht den Vorfall in Tegel besonders bedrohlich.
Aktuelle Fallzahlen im Vergleich
Obwohl der Vorfall in Tegel tragisch ist, liegen die aktuellen Legionellen-Fallzahlen in Berlin und ganz Deutschland unter dem langjährigen Durchschnitt. In der Hauptstadt wurden 2026 bisher 54 Fälle gemeldet, was weniger ist als der Fünfjahresdurchschnitt von 61 Fällen. Deutschlandweit meldete das Robert Koch-Institut (RKI) bis dato 977 Infektionen, deutlich weniger als die rund 2.200 Fälle in den Vorjahren.
Trotz der insgesamt niedrigeren Fallzahlen gibt es jedes Jahr Todesfälle durch Legionellose. In Berlin bewegte sich die Zahl der Toten in den vergangenen Jahren im einstelligen Bereich: 2023 waren es zwei, 2024 drei und 2025 ebenfalls zwei. Deutschlandweit starben 2026 bereits 45 Menschen an einer Legionellose. Die Sterblichkeitsrate bei der sogenannten Legionärskrankheit liegt im Schnitt zwischen 5 und 9 Prozent. Bei Infektionen, die sich Patienten im Krankenhaus zuziehen, steigt das Risiko sogar auf etwa 13 Prozent. Todesfälle im Zusammenhang mit der milder verlaufenden Pontiac-Fieber-Form sind hingegen nicht bekannt.
Die Berlinovo ist eine der sieben landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Berlins und verwaltet rund 370.000 Wohnungen. In regelmäßigen Abständen werden in Mietshäusern und öffentlichen Gebäuden Wasserproben entnommen, um eine Kontamination frühzeitig zu erkennen. Sobald eine bestimmte Konzentration von Legionellen nachgewiesen wird, ist das Gesundheitsamt verpflichtet, informiert zu werden. Bislang ist unklar, ob es in der Vergangenheit in der Tegel-Anlage bereits ähnliche Vorfälle gab oder ob die Desinfektionsmaßnahmen noch länger andauern werden.